Datenkolumne Fake-Shops: Achtung vor Betrügereien im Internet

Wer im Internet nach Angeboten stöbert, sollte auf der Hut sein vor sogenannten Fake-Shops, warnen unsere Datenschutzexperten. Hinter den falschen Internetseiten stecken betrügerische Absichten.
31.03.2022, 16:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker

Wem ist es nicht schon passiert? Auf der Suche nach Schnäppchen im Internet wird man von zahllosen Angeboten zum eingegebenen Suchbegriff regelrecht überhäuft. Dabei fällt dann regelmäßig nicht nur auf, dass derselbe Artikel von einer Vielzahl von Händlern angeboten wird, sondern auch, dass die Preisgestaltung auf den Händlerwebsites höchst unterschiedlich sein kann. Natürlich möchte jedermann ein Schnäppchen bei seinem Lieblingsartikel machen, aber spätestens hier ist Vorsicht geboten, denn schnell kann sich das vermeintliche Schnäppchen als Desaster beim Online-Shopping entpuppen.

Mehr und mehr gibt es im Netz nämlich sogenannte Fake-Shops. Hierbei handelt es sich um gefälschte oder imitierte Internetseiten, die eigentlich gar keine Ware verkaufen, sondern nur die Zugangsdaten, Adressen, Passwörter und Zahlungsinformationen von gutgläubigen Kunden abgreifen wollen. Im Regelfall bedeutet das für den Kunden, dass er den Artikel online bezahlt hat, die Ware aber nie erhält – oder allerhöchstens eine minderwertige Kopie des eigentlich versprochenen Artikels. Auf an den Shop-Betreiber gerichtete Anfragen und Beschwerden wird dann nicht mehr reagiert. Das „Geschäft“ mit diesen Fake-Shops boomt, so wurde jüngst bekannt, dass sich jetzt mit der beginnenden Fahrradsaison zahlreiche vermeintlich günstige Drahtesel-Verkäufer im Internet tummeln, von denen einige mit den besonders günstigen Lockvogel-Angeboten schwarze Schafe sind.

Wie kann man als Verbraucher aber die richtigen von den betrügerischen Angeboten unterscheiden? Das ist nicht immer leicht, denn auch bei den Fake-Shops ist die Bandbreite groß und reicht von einfachen kopierten und offensichtlich fehlerhaften Seiten bis hin zu kompletten Webstores mit professionellem Marketing, Zahlungsabwicklung, Impressum und Datenschutzerklärung. Die Verbraucherzentralen und Landeskriminalämter, die schon oft von geschädigten Kunden kontaktiert wurden, geben deshalb einige generelle Hinweise. Los geht dies schon bei der Internetadresse. Diese sollte nämlich zu den Angeboten passen und keine ungewöhnliche Endung in der Domain aufweisen. Bei Fake-Shops beliebt ist in Deutschland zum Beispiel die Endung: „.de.com“. Auch kapern professionell agierende Täter kleinere Webshops, ohne dass dies den eigentlichen Betreibern auffällt, und legen Fake-Unterseiten mit eigenen, vermeintlich preisgünstigen Angeboten an. Falls Internetshops dichtmachen, werden die dann für jedermann käuflichen Domains teilweise auch von Online-Betrügern erworben.

Ein weiterer Hinweis auf Fake-Shops: die Zahlungsmethode. Seriöse Unternehmen bieten hier regelmäßig eine Vielzahl von Zahlungsmöglichkeiten an, zwischen denen der Kunde selbst wählen kann. Betrüger hingegen wollen möglichst schnell das Geld haben, ohne Risiken einzugehen. Daher sollte man aufmerksam werden, falls ein Shop ausschließlich mit Vorkasse und Überweisungen arbeitet. Geschickte Betrüger gehen bei der Zahlungsmethode sogar noch einen Schritt weiter: Zunächst werden bei Aufgabe der Bestellung noch alle Zahlungsmöglichkeiten angeboten, im letzten Schritt aber scheitert angeblich das vom Kunden gewählte Verfahren und es ist nur noch die Vorkasse möglich, um den Kauf abzuschließen. Generell gilt: Mit der Angabe seiner Kreditkartennummer sollte man im Netz immer sparsam sein und diese nur wirklich vertrauenswürdigen Geschäftspartnern überlassen. Dabei geht es nicht nur darum, möglicherweise keine Ware zu erhalten, sondern auch, dass infolge eines Datenlecks die Kartendaten Kriminellen zugänglich gemacht werden können, obwohl der Shopbetreiber selbst keine unlauteren Absichten hat.

Auch ist auf Gütesiegel und Kundenbewertungen von Online-Shops leider nicht immer Verlass. Besonders dreiste Online-Betrüger erfinden Gütesiegel einfach oder „klauen“ Gütesiegel von tatsächlich zertifizierten Shops. Siegelvergebende Stellen wie beispielsweise „Trusted Shops“ weisen in diesem Zusammenhang auf Fake-Angebote hin. Ausschließlich positive Kundenbewertungen auf der Startseite eines Shops sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen – hier sollte man besser eine Online-Suche nach dem Shop-Namen anstellen und prüfen, ob die Bewertungen des Händlers auf anderen Plattformen genauso gut sind. Weitere Hinweise auf Fake-Shops können fehlende, fehlerhafte oder kopierte AGBs, fehlende Datenschutzerklärungen oder ein nicht vorhandenes Impressum sein. Sollte im Impressum ausschließlich eine E-Mail-Adresse angegeben sein, ist dies nicht nur rechtswidrig, sondern deutet ebenso auf betrügerische Absichten des Betreibers hin.

Zu guter Letzt gilt: Jeder Artikel hat seinen Preis und Geschenke gibt es auch im Internet nicht. Finger weg also von extrem günstigen Artikeln! Insbesondere Designer-Artikel, teure Elektronik und Luxusobjekte sind häufig Gegenstand von Plagiaten und Betrügereien, weil hier besonders oft nach Schnäppchen gesucht wird. Findige Kriminelle gehen noch einen Schritt weiter, indem sie einen Artikel nicht augenfällig günstig anbieten, sondern nur minimal günstiger als die anderen Mitbewerber, um sich so das Vertrauen der Kunden zu erschleichen.

Trotz aller Risiken sollte man sich als Verbraucher nicht davon abschrecken lassen, im Internet auf Schnäppchenjagd zu gehen. Denn wie im „analogen Leben“ gilt auch hier, dass man jeden Händler und seine Produkte vor Geschäftsabschluss auf seine Vertrauenswürdigkeit und Qualität hin überprüft. Je höher dabei der Preis, umso sorgfältiger die Prüfung. Falls man dennoch einmal Opfer eines Fake-Shops werden sollte, darf man nicht in Panik verfallen: Zuerst sollte bei der Bank versucht werden, die Zahlung zu stoppen. Sodann sind alle Vorgänge zu dokumentieren. Bei erhärtetem Verdacht sollte man sich direkt an die Polizei und die Verbraucherzentrale wenden – und das geht auch online.

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