Jens Eberhard Dzialas Potenziale erkennen

Energie wird teils als selbstverständlich angesehen. Dabei verursacht sie Kosten. Im Gespräch gibt Energieberater Jens Eberhard Dzialas nun Tipps zu Öl, Gas und Strom – nicht zuletzt im Hinblick auf Corona.
27.01.2021, 17:46
Lesedauer: 5 Min
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Von Yannik Sammert

Herr Dzialas, Wie definieren Sie Ihre Arbeit als Energieberater?

Jens Eberhard Dzialas: Mir ist es wichtig, bei der Energieberatung auch umweltrelevante und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Denn Privatpersonen sollten genau wie Unternehmer ihren Etat im Auge behalten und wissen, was sie für Öl, Gas und Strom ausgeben. Energie einzusparen bringt grundsätzlich klare Möglichkeiten und Potenziale mit sich. Inwiefern einzelne Ansätze des Energieeinsparens wirtschaftlich sind, zeigt sich im Grunde jedoch oft erst bei einer Begehung vor Ort und durch die Analyse der Begebenheiten im Hinblick auf das Nutzerverhalten. Denn jede Privatperson oder auch Unternehmen ist anders aufgestellt und nutzt Energie angesichts der eigenen Bedürfnisse völlig unterschiedlich.

Was können Sie Privatpersonen grundsätzlich raten?

Zunächst einmal hat man den Energiebedarf von seinem Gebäude und die dazu entsprechenden Kosten für die einzelnen Energien wie Öl, Gas oder Strom. Jetzt gibt es Möglichkeiten, sich in diesen Bereichen anders aufzustellen – beispielsweise Energie günstiger einzukaufen als einfachsten Ansatz. Das verringert aber lediglich die Betriebskosten und senkt nicht den Energiebedarf. Im Wesentlichen geht es darum, erst einmal zu erkennen, wie hoch der Energieeinsatz in Kilowattstunden ist und welcher Betrag dafür aufzuwenden ist. Und anhand der eingesetzten Energiemengen können schon Möglichkeiten erkannt werden. Die Preise der einzelnen Energieträger unterscheiden sich sehr stark. Strom ist beispielsweise im Vergleich zu Gas deutlich teurer. Diese Unterschiede richtig zu beurteilen, ist überaus hilfreich beim Bewerten von Potenzialen.

Was folgt daraus?

Wenn Sie jetzt Ihre Energieverbrauchswerte haben und Maßnahmen an der Gebäudehülle oder Heizungsanlage durchführen möchten, können zusammen mit einem Energieeffizienzexperten Einsparungspotenziale herausgearbeitet werden. Darauf aufbauend können konkrete Vorschläge zur Realisierung gemacht werden. In dieser Phase kristallisiert sich heraus, welche Maßnahmen die maximalen Einsparungspotenziale generieren und ob Maßnahmen sinnvoll oder möglich sind. Denn nicht jede Maßnahme bringt gleich viel. Die anschließende Umsetzung ist in der Regel kostenaufwendig und sollte deshalb immer zusammen mit einem erfahrenen Berater sorgfältig geplant und von ihm begleitet werden. Denn oft bringt nur eine Kombination aus mehreren Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle den maximalen Erfolg. Einfacher ist es an der Anlagentechnik, also an der Wärmeerzeugung, etwas zu verändern. Im ersten Schritt sollte eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, wie die Heizungsanlage überhaupt aufgestellt ist. Denn oft kann die Effizienz der bestehenden Heizungsanlage durch kleinere Maßnahmen bereits deutlich verbessert werden. Das ist oft schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Leider sehe ich immer wieder, dass der Heizungsraum mit der Anlagentechnik ein Schattendasein führt und nur bei einer Störung beachtet wird.

Woran erkennen Privatpersonen gute und kompetente Beratungsmöglichkeiten?

Tatsächlich gibt es sehr viele Energieberater und es ist so gesehen kein geschützter Begriff. Aber es gibt seitens der KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau, Anm. d. Red.) und des Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Anm. d. Red.) eine Liste mit Energieeffizienzexperten. Das sind akkreditierte Berater. Die Beraterliste wird nach Postleitzahlen geführt. Wenn man eine Postleitzahl angibt, sieht man in dem gewählten Umkreis ansässigen Berater. Das ist schon gut, um zu erkennen, welche qualifizierten Berater in der Nähe sind. Zudem ist es sehr hilfreich, auf unabhängige Institutionen zurückzugreifen, die deutschlandweit agieren. Ich empfehle hierbei, die Beratung der Verbraucherzentrale in Anspruch zu nehmen. Sie hat eine Hotline. Da kann man sich melden und eine qualifizierte und unabhängige Beratung vor Ort erhalten, wobei man nur einen geringen Eigenanteil selbst trägt. Der Rest wird vom Bund übernommen.

Wie wirkt sich eigentlich Corona auf Ihre Arbeit aus?

Die Pandemie hat die Beratungstätigkeit deutlich verändert. Ob das jetzt Weiterbildungen oder Beratungen von Interessierten sind, es wird über digitalem Wege ein sehr hoher Infektionsschutz gewährleistet. Wenn man sich online sieht und sich austauschen kann, ist das in vielen Fällen schon ausreichend. Deutlich einschränkend ist allerdings, dass sich Beratungen so nur auf Grundlage der Zahlen und Bilder, die Beratungsnehmer zur Verfügung stellen, durchführen lassen. Eine Begehung vor Ort ist da natürlich deutlich informativer. Viele der Beratungsnehmer haben parallel auch oft das Problem, dass es aktuell schwerfällt, Handwerker zu finden, die Maßnahmen durchführen. All das wird sich hoffentlich bald normalisieren.

Die Pandemie führt auch zur nächsten Frage: Aktuell verbringen viele Menschen deutlich mehr Zeit zu Hause als sonst. Was können sie dagegen machen, dass die Energiekosten nicht in extreme Höhen steigen?

Klar ist, dass sich durch das Homeoffice und längere Anwesenheitszeiten daheim grundsätzlich auch ein höherer Energiebedarf und damit verbunden steigende Kosten einstellen. Den dadurch schlagartig gestiegenen Bedarf zu senken, ist letzten Endes nicht so einfach möglich, wenn man die Technik benötigt. Und größere Arbeiten – zum Beispiel das Sanieren der Gebäudehülle oder das Austauschen der Anlagentechnik – sind so kurzfristig natürlich auch schwierig. Aber gerade was das Homeoffice angeht, können zum Beispiel energiesparende Geräte genutzt werden. Positiv ist, dass die Temperaturen in der Regel beim Homeoffice gar nicht so hochgefahren werden müssen, wie sonst vielleicht nach Feierabend abends auf dem Sofa. Beim Arbeiten zu Hause ist es oft angenehmer, wenn die Raumtemperatur zwei oder drei Grad geringer eingestellt wird – zumal die Technik auch Wärme abgibt.

Wie schätzen Sie die Entwicklung von Klimaschutz in der Region im Kontext von Energie ein?

Wir haben eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Gerade in den Kommunen gab und gibt es Impulse, dass eben nicht nur Klimamanager in den Verwaltungen tätig sind, sondern, dass im Sinne des Klimaschutzes für die Bevölkerung Klimaschutzagenturen geschaffen werden. Diese Agenturen dienen als Anlaufstelle für Interessierte, die sich mit energetischen Maßnahmen beschäftigen und Fragen haben. Also insofern ist das eigentlich sehr positiv, wie sich das in der Region weiterentwickelt. Grundsätzlich könnte aus Sicht eines Energieberaters aber immer mehr gehen.

Und wie würden Sie die Situation im Hinblick auf Energieeffizienz, was ja durchaus mit Klimaschutz verbunden ist, beschreiben?

Es gibt die glückliche Situation, dass der Bund durch KFW und Bafa Förderprogramme anbietet, die letzten Endes dazu führen, dass energetische Maßnahmen mit Zuschüssen und günstigen Krediten gefördert und somit stark unterstützt werden. Im Bereich der selbst genutzten Immobilien hat das aktuell einen hohen Zulauf.

Gibt es noch etwas, auf das Sie eingehen möchten?

(lacht) Das Thema ist so riesig, dass man jetzt noch zwei Stunden sitzen könnte und nicht alle Fragen beantwortet hätte. Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, bei jeder Veränderung zu betrachten, wie es sich auf das ganze Gebäude auswirkt. Das ist notwendig, um bauphysikalische Probleme zu vermeiden. Ebenso kann ich jedem, der eine eigene Immobilie bewohnt, empfehlen, darüber nachzudenken, auch Fotovoltaik einzusetzen, also Strom auf dem eigenen Dach zu erzeugen. Da gibt es ein sehr großes Potenzial. Man muss nicht unbedingt eine hundertprozentige Süd-Ausrichtung des Dachs haben. Jede Ausrichtung ist im Grunde richtig, wenn das mit dem Nutzungsverhalten harmonisiert. Dann ist das eine deutliche Entlastung. Und das Schöne ist letztlich, dass der Strom, der erzeugt und nicht selbst genutzt wird, in das öffentliche Netz eingespeist wird und somit ebenfalls zu einer CO2-neutraleren Energieversorgung beiträgt.

Das Interview führte Yannik Sammert.

Info

Zur Person

Jens Eberhard Dzialas

studierte Elektrotechnik sowie Verfahrenstechnik und arbeitete danach zunächst für ein größeres deutsches Unternehmen im Bereich der Energieeinsparung. Inzwischen ist er in Bruchhausen-Vilsen als selbstständiger Energieberater tätig.

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