Deutscher Mühlentag Altbekanntes und Neues

Auch im Landkreis Diepholz haben im Zuge des Deutschen Mühlentags am Pfingstmontag zahlreiche Industriedenkmäler ihre Türen geöffnet. So auch die Wassermühlen in Heiligenrode und Barrien.
07.06.2022, 17:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Cordes

Landkreis Diepholz. Zum wiederholten Male fand am Pfingstmontag der Deutsche Mühlentag statt. Mühlen oder andere technische Denkmäler, die mit Wind- oder Wasserkraft arbeiten und sich der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) angeschlossen haben, öffneten ihre Türen für Interessierte. Den von den holländischen Nachbarn seit dem Jahr 1994 in der Bundesrepublik Deutschland übernommene und patentierte Aktionstag nutzten bei schönem Wetter viele Mühlenfreunde, um Altbekanntes und auch Neues hinter den oftmals denkmalgeschützten alten Gebäuden zu entdecken.

Im Landkreis Diepholz zeigten einige der noch vorhandenen Wind- und Wassermühlen, wie Mahlvorgänge vor vielen Jahren abliefen. Die Wassermühle in Sudweyhe, die Noltesche Wassermühle in Süstedt, die Fehsenfeldsche Mühle in Martfeld, die Wassermühle in Bruchmühlen oder auch die Behlmer Mühle in Bruchhausen-Vilsen – egal ob vom Wind oder Wasser angetrieben, alle dokumentierten durch ehrenamtliche Helfer hinter den alten Gemäuern die früheren Arbeitsgänge zur Umwandlung des Getreides in Mehl.

In der heute mehr als 170 Jahre alten Wassermühle in Barrien hatten sich die Vorsitzenden des Fördervereins Historisches Wasserkraftwerk-Wassermühle Barrien, Christiane Palm-Hoffmeister und Alfred Tegtmeier, auf ihre Besucher vorbereitet. „Vor Corona-Zeiten kamen gut 150 Gäste zur Wassermühle nach Barrien. Nach dem dreijährigen Öffnungsstilstand versuchen wir heute wieder einen Neuanfang, nicht nur mit Informationen, sondern natürlich auch mit selbst gebackenen Torten“, so Christiane Palm-Hoffmeister.

Das mit Hachewasser betriebene Außenwasserrad erzeugt mit seinem Raddurchmesser von 5,60 Metern bei gut fünf Umdrehungen in der Minute etwa eineinhalb Kilowattstunden Strom. Über einen anhängenden Generator können Teile des Mühlengebäudes so mit Energie versorgt werden. Laut Alfred Tegtmeier ist diese Leistung zurzeit aber nicht möglich. „Die Radschaufeln sind lose und das Innenkreuz ist locker, sodass ein Betrieb des Wasserrades nicht möglich ist. Eine Reparatur übersteigt unser Vereinsvermögen, und so haben wir gerade über eine Reparaturkostenübernahme durch die Stadt Syke gesprochen. Gemeinsam haben wir unsere Vorstellungen und Wünsche für das denkmalgeschützte Projekt der dortigen Verwaltung und der Politik dargelegt.“

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Wassermühle in Heiligenrode läutete Pastor Detlef Korsen pünktlich um 10 Uhr einen Gottesdienst in der Klosterkirche ein. Die Besonderheit des Morgens: Die gesamte Zeremonie erfolgte, bis auf die Liederbeiträge, in plattdeutscher Sprache. Der heutige Ruheständler Detlef Korsen war in seinem Arbeitsleben viele Jahre Pastor in Brinkum. Er wuchs in Bremen in seiner Familie zweisprachig mit Hoch- und Plattdeutsch auf und hat seine Liebe zur niederdeutschen Sprachform bis heute nicht verloren.

Die derzeit neun ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Mühlengemeinschaft bauten zwischenzeitlich auf und öffneten die Tore des Ensembles, bestehend aus der Mühlenscheune, der Mühle und dem Backhaus. „Die Mühle ist ein technisch kompliziertes Gebäude", erklärte Rudolf Franke. "Heute zeigen wir den Besuchern den Verarbeitungswerdegang vom Getreide bis hin zum Mehl auf. So berichten wir über den Anbau und die Ernte des Getreides, weiter geht es mit den Mahlvorgängen und der Verarbeitung zu Schrot und Mehl sowie dem gemeinsamen Backen im Backhaus des Heimatvereins.“ Laut Frankes Aussagen haben besonders Kinder einen riesigen Spaß, "weil sie bei uns zum Müller der Mühle werden und selbst Mehl mahlen dürfen".

Den Sonnenschein nutzend, kamen viele Besucher nach Heiligenrode. Einige hatten ihr Fahrrad mit dabei, um eine Mühlenrundreise zu machen und die faszinierende Technik der Wassermühle Heiligenrode auf drei Ebenen zu bestaunen. Christel und Jochen Lengfeld aus Delmenhorst hatten erst am Morgen im Radio vom Mühlentag gehört und sich sofort auf den Weg nach Heiligenrode gemacht. „Gemeinsam mit dem Fahrrad oder auch mit unserem Kegelverein haben wir die Mühle schon mehrfach besucht. Heute wollen wir schauen, ob sich etwas verändert hat“, so Christel Lengfeld. Romany Meyer aus Heiligenrode war zum ersten Mal im Inneren des Gebäudes und staunte nicht schlecht: „Die Geräusche der Wellen und Räder beeindrucken mich sehr. Und dass die dabei entstehende Energie noch zum Heizen des Mühlenensembles genutzt wird, finde ich einfach toll.“

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