Dezentrales Impfen

Ein Loblied aufs Impfen

Es läuft. Nach anfänglichem Stottern scheint die Impfkampagne im Landkreis Diepholz Fahrt aufzunehmen. Landrat Cord Bockhop und Samtgemeindebürgermeister Cord Bockhop lobten die gute Zusammenarbeit.
24.04.2021, 08:00
Lesedauer: 2 Min
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Ein Loblied aufs Impfen
Von Micha Bustian
Ein Loblied aufs Impfen

Sie loben die gute Zusammenarbeit in der Impfkampagne: Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann (links) und Landrat Cord Bockhop.

Michael Galian

Br.-Vilsen/Landkreis Diepholz. Cord Bockhop jonglierte mit Zahlen. 42.500 Einwohner des Landkreises Diepholz hätten bereits eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, erklärte der Landrat nicht ohne Stolz. Zum Vergleich: Ende 2019 wohnten etwas mehr als 217.000 Menschen im niedersächsischen Verbindungsstück zwischen Bremen und Nordrhein-Westfalen. 12.500 Bürger hätten bereits die zweite Injektion verabreicht bekommen, zuletzt seien in einer Woche 8500 Impfdosen verabreicht worden. Fast 400 davon übrigens überall in den einzelnen Gemeinden, wie Bockhop am Freitagnachmittag vor dem dezentralen Impfzentrum in Bruchhausen-Vilsen mitteilte.

Der Pressetermin wurde zu einem kleinen Loblied aufs Impfen. Der Landrat begann mit der Strophe über Impftaktik. 8500 Impfungen pro Woche seien allein im Landkreis-Impfzentrum in Bassum kaum zu schaffen. Deshalb seien dezentrale Stellen wie die in Bruchhausen-Vilsen wichtig. Ob BioNTech, Astra Zeneca oder Moderna – „wir haben pro Marke nur etwa 100 Dosen vorrätig“. Die Lieferungen seien inzwischen sehr stabil. „Deswegen werden neue Lieferungen immer sofort auf Null geplant.“

Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister fiel in den Kanon mit ein. Bernd Bormann sprach über die Belastung. „Das ist ein großer Aufwand, den wir hier betreiben. Sechs Mitarbeiter der Samtgemeindeverwaltung würden sich unter der Leitung von Andreas Schnichels und Cathleen Brinkmann um die Organisation kümmern. “Stellen Sie sich mal vor, wir müssten das vom Landkreis her leisten. Das wären sechs Verwaltungsangestellte pro Gemeinde, also insgesamt 90 Leute, die wir abstellen müssten„, rechnete Cord Bockhop vor.“ Und dann brauche es ja auch wieder jemanden, der dieses Personal koordiniert. Das gehe dezentral doch deutlich einfacher.

Nächstes Thema: die Stimmung. „Die Kollegen haben Spaß“, hat Bernd Bormann beobachtet. „Wer hier am Ende des Arbeitstags herausgeht, der lächelt.“ Die Mitarbeiter im Impfzentrum würden von ihren Kunden „gute Rückmeldungen“ erhalten, „es läuft alles sehr, sehr, sehr, sehr gut“. Bormann verwies auch auf die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis, die der Landrat nur bestätigen konnte. Und mehr noch: „Das Feedback, das man hier bekommt, kriegt man sonst in der Verwaltung höchst selten.“ Und: „Die Beteiligung ist deutlich höher als erwartet. Die Teilnehmer sind sehr gut informiert und haben sich sehr bewusst für eine Impfung entschieden.“ Bormann ergänzt: „Für die heutige Impfaktion hatten wir eine Rückmeldung von etwa 80 Prozent.“

Es läuft also ganz gut zurzeit mit der Impfkampagne im Landkreis Diepholz und in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, finden die Verantwortlichen – und schauen in die Zukunft. Auf die Zeit, wenn auch das Vakzin von Johnson & Johnson auf dem Markt ist. Der Stoff muss nämlich nur einmal verabreicht werden. Cord Bockhop denkt daran, dieses Serum beispielsweise an Saisonarbeiter oder Obdachlose zu verimpfen. Auch Wahlhelfer, findet der Landrat, sollten vor der Kommunal- und Bundestagswahl immun gegen das Coronavirus sein.

Nun gibt es aber auch Menschen, die längst ihren Pieks hätten erhalten sollen, sich aber keinen Termin gemacht haben, etwa wegen sprachlicher Probleme wie beispielsweise Flüchtlinge, Analphabeten oder auch bildungsferne Familien. „Wir werden diese Menschen nicht vergessen“, kündigt Cord Bockhop an. Er setzt da auf Mund-zu-Mund-Propaganda, auch auf Nachbarschaftshilfe. „Wir werden bewusst auf diese Gruppe zugehen.“ Das allerdings werde noch einen Moment dauern. „Vielleicht bis Mai, denn wir haben zurzeit viel zu tun.“

Noch einmal erhebt der Landrat seine Stimme und setzt das Loblied fort. „Das dezentrale Impfen ist eine tolle Sache. Bald werden noch die Ärzte hinzukommen.“ Und dann setzt er sich ein Ziel: „Ende Mai will ich die 30 Prozent gerissen haben.“

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