Klostermühle Heiligenberg

Die eigene unerschöpfliche Sichtweise

Der Maler Edgar Wüstefeld will seinen Bildern eigentlich gar keinen Titel geben. Schließlich hat jeder seine eigene Sichtweise auf die Dinge. Seine Werke stellt er aktuell in der Klostermühle Heiligenberg aus.
04.02.2020, 11:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
Die eigene unerschöpfliche Sichtweise

Edgar Wüstefeld zeigt insgesamt 21 Bilder bei seiner Ausstellung in der Klostermühle Heiligenberg.

Michael Braunschädel

Bruchhausen-Vilsen. 12 Uhr mittags. Ort: Klostermühle Heiligenberg. Eine Hängung steht an. Doch nicht die High-Noon-Szenerie zwischen zwei Westernhelden ist gemeint. Keine klagende Mundharmonika mit dem „Lied vom Tod“ ist zu hören. Die Uhrzeit passt zwar, aber es geht nicht um eine Hinrichtung. Hier ist von Kunstwerken die Rede. Genauer gesagt: Die Ausrichtung für eine Ausstellung. Edgar Wüstefeld, Sulinger Künstler, Jahrgang 1955, ist gekommen, um in der Klostermühle seine Bilder aufzuhängen. Die Ausstellung wird am Sonnabend, 2. Februar, um 14.30 Uhr eröffnet und kann zu den üblichen Öffnungszeiten der Klostermühle bis Sonntag, 26. April, besucht werden.

Schon als Kind lag Edgar Wüstefeld das Malen und Bauen. Er studierte ein Semester Architektur (der Großvater war Architekt), wechselte dann ins Fach des Vaters zur Juristerei und wurde Diplomrechtspfleger. Seit 2005 frönt der Autodidakt wieder vermehrt seiner Leidenschaft, der Malerei. Seine Bilder sind großformatig, die meisten 1x1,40 Meter, Acryl auf Leinwand. Neuerdings auch in Spachteltechnik. „Da passiert mehr, Strukturen werden durchbrochen“, so sein Empfinden. Er ist Mitglied im Verein Kunst in der Provinz, in dem er 2016 mit seiner Ansicht der Deutschlandflagge den ersten Preis zum Thema „Aufbruch“ gewann. In der Ateliergemeinschaft Freistil in Vechta betätigt sich Wüstefeld und gehört dem Kunstverein Art-Projekt an. Mithilfe der Vorsitzenden, Karin Altrogge, die selbst auch künstlerisch tätig ist, machte er sich an die Arbeit, seine Kunstwerke zu hängen. Eine zweite Hand war hilfreich und ein weiteres Augenpaar seitens der Kollegin, um höher oder mehr rechts, die beste Lage zu finden.

Was gehört an Vorarbeiten dazu? Wie geht ein Künstler ans Werk? Welche Bilder wählt er aus? Welche Kriterien sind bei einer Hängung zu beachten? All diese Fragen stellt sich der Besucher einer Ausstellung vielleicht gar nicht. Nichtsdestotrotz sind sie wert, dass darüber nachgedacht wird.

Edgar Wüstefeld nimmt als erstes die Räume in Augenschein. Eine Skizze vom Gastraum, dem Treppenaufgang und dem Konferenzraum in der Klostermühle wurde erstellt. Auf Din-A4-Papier platzierte er zu Hause kleine Fotos der Bilder. Mittels der vorhandenen Schienen und den Galerieaufhängern mit Haken müssen keine Nägel mehr in die Wände geschlagen werden. Allerdings ist nötig, bei der freien Wand über einem Durchbruch eine Leiter heranzuziehen, ehe das Bild mit dem Titel „Beschützt“ seinen Platz findet. In Gelb und Weiß gehalten, zeigt es ein Ei und ein Stück Stacheldraht. „Das Ei schützt das werdende Leben. Stacheldraht kann vor äußeren Einflüssen schützen, aber auch vor inneren“, lautet die Erklärung Wüstefelds dazu.

„Eigentlich gebe ich meinen Bildern keine Titel“, verrät Wüstefeld. „Der Betrachter soll seine jeweilige Sichtweise unbeeinflusst einnehmen. Deswegen habe ich meine Ausstellung mit ‚unerschöpflich‘ überschrieben. Auch beim Entstehungsprozess bleibt selten die erste Phase bestehen, oft wird aus einem Hoch- ein Querformat. Ich fotografiere das Bild nach unterschiedlichem Fortlauf, dann sind oft drei vorherige Schritte unter dem endgültigen Zustand verborgen.“ Bei Ausstellungen wird allerdings gern nach Titeln gefragt, seiner Erfahrung nach. Jedes seiner 21 Bilder der Ausstellung ist verkäuflich. Eines mit dem Titel „Das Auge des Horus“ – es ist auf dem Ausstellungsplakat zu sehen – ist in Mixed-Media-Art gestaltet. Auf der Leinwand finden sich neben der Farbe Gelb auch Blattgold und ein Netz. „Der ägyptische König Horus verlor bei einem Kampf sein linkes Auge. Der Mondgott Thot heilte es wieder, behielt aber einen winzigen Teil zurück“, erklärt Wüstefeld. „Der Ägyptologe Georg Möller meinte in diesem Zusammenhang, die ersten sechs Stammbrüche entdeckt zu haben. Die Summe der Bruchzahlen ergibt 63/64. 1/64 hat Thot angeblich verschwinden lassen.“ Welcher Besucher erfährt schon solche Zusammenhänge bei der Benennung eines Kunstwerks? So etwas ist eben eher bei einer Hängung möglich.

„Ich bin ein Fan von Gerhard Richter“, führt Wüstefeld weiter aus. Der arbeitet gern mit unterschiedlichen Strukturen und Materialien.“ Lachend bestätigt er: „Allerdings die astronomischen Preise erziele ich bei Verkäufen des weltweit wohl am teuersten gehandelten Künstlers nicht.“

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