Wassermühle Bruchmühlen

Renovierung, Restaurierung, Reparatur

Seit knapp einem Jahr sind Bea Tilanus und Romke Schievink die neuen Eigentümer der Wassermühle Bruchmühlen. Stetig arbeiten sie an der Restaurierung und freuen sich, dass die Welle des Wasserrades rund läuft.
05.03.2021, 17:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss
Renovierung, Restaurierung, Reparatur

Romke Schievenk und Bea Tilanus sind begeistert von der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, da das Interesse an der Historie so groß ist.

Michael Galian

Bruchhausen-Vilsen. Viel ist passiert in Bruchmühlen, in der historischen Wassermühle, die vor knapp einem Jahr neue Besitzer bekam. Neben Renovierungen und Restaurierungen gab es Reparaturen und den Anfang der Umsetzung großer Pläne, die Bea Tilanus und Romke Schievink angegangen sind. Die beiden Niederländer hatten die denkmalgeschützte Neddermole – wie sie früher einmal, auch zu Zeiten des Prämonstratenserklosters auf dem Heiligenberg, bezeichnet wurde – samt Müllerhaus und Stallgebäude vom ehemaligen Müller Johann Hüneke erworben. Dessen Familie hatte sie gut 130 Jahre gehört. Neddermole, also untere Mühle, wurde sie genannt im Gegensatz zur Overmole, der oberen Mühle, die bachaufwärts liegt, heutzutage bekannt als Klostermühle Heiligenberg.

Kurz zur Historie noch eine Anmerkung neueren Datums, denn die Geschichtsschreibung hat sich vermutlich geirrt, als sie 1532 als erste Nennung festlegte. Es soll sich um einen Fehler im Hoyaer Urkundenbuch und einer Namensliste handeln, so sind sich einige Historiker einig. Schon 1370, gute 150 Jahre nach Gründung des besagten Klosters, sollen zwei Müller für den „Hilghenberge“ genannt worden sein. Wie dem auch sei, nun kommt neues Leben hinein. Und vor allem bessere Bewegung, denn die Welle des Wasserrades war laut Hüneke schon seit gut einem Jahrzehnt wackelig. 30 Jahre hatte sie eigentlich gut gearbeitet, allerdings zuletzt mit immer mehr Getöse wegen des größer werdenden Spiels zwischen Blattzapfen und Holzwelle.

Das gehörte also zu den ersten Sanierungsvorhaben der beiden engagierten Mühlenfreunde. Das rotierende Rad soll wie ein Hammer auf das Steinfundament geschlagen haben, erzählt Tilanus, die in den Niederlanden eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Müllerin gemacht hat. Immerhin möchte sie die Mühle auch als das nutzen, wozu sie einmal gebaut worden war: zum Mahlen von Getreide.

Die Planskizze einer Sternwarte am Mühlteich der Wassermühle Bruchmühlen.

Die Planskizze einer Sternwarte am Mühlteich der Wassermühle Bruchmühlen.

Foto: Michael Galian

Schievink als leidenschaftlicher Hobbysegler machte sich an einen Plan, wie man das selbst reparieren könne, denn ansonsten hätten sie ungefähr 18.000 Euro investieren müssen. Das war ihnen zu viel nach den Erwerbungskosten für die Mühle. Er dachte über Kunstharz nach, das er schon einmal für einen hohen Segelmast verwendet hatte. Möglicherweise also eine Lösung für das mechanische Problem. Nach einigen Monaten intensiver Arbeit mit guten Freunden waren sie mit Epoxidharz erfolgreich: “Sogar Johann (Hüneke, Anm. d. Red.) ist begeistert. So geräuschlos sei das Rad in den letzten zehn Jahren nicht gelaufen – und nun können wir also stolz auf die Eine-Millionste-Umdrehung schauen“, erzählen beide Mühlenbesitzer mit strahlendem Lächeln. Um von der Wasserkraft auch Strom zu gewinnen, wartet sogar schon ein Generator auf den Einbau – das könnten um die drei Kilowatt in der Stunde sein.

Ein erstes Projekt war die Restaurierung der Welle des Wasserrades – nun läuft es wieder wie geschmiert.

Ein erstes Projekt war die Restaurierung der Welle des Wasserrades – nun läuft es wieder wie geschmiert.

Foto: Michael Galian

Außerdem haben sie begonnen, im Mühlengebäude drei Gästezimmer herzurichten. Wunderbar soll es werden, denn schließlich kann man dort die Ruhe genießen und den idyllischen Ausblick auf den Mühlteich. Und weil es außerdem in diesem Teil Niedersachsens so herrlich wenig Lichtverschmutzung gibt – einer der Hauptgründe, wieso Tilanus und Schievink sich so über ihren neuen Besitz freuen –, werden Sternwarte und Planetarium geplant. Eine beispielsweise direkt am Teich, von wo aus Schievink im vergangenen Sommer schon „fantastische Aufnahmen eines Kometen“ machen konnte, und auch von der Milchstraße, die hier so klar zu sehen sei.

Lauter historische Geräte wie Teleskope (links) und diverse Planeten-Projektoren (hinter Bea Tilanus) warten auf ihren Einsatz in Bruchmühlen.

Lauter historische Geräte wie Teleskope (links) und diverse Planeten-Projektoren (hinter Bea Tilanus) warten auf ihren Einsatz in Bruchmühlen.

Foto: Michael Galian

Die Ausrüstung für die Sternwarte hat er schon zusammen, an die 30 Projektoren, unter anderem ein historisches Zeiss-Teleskop – das sogenannte Wunder von Jena. Für verschiedene Sichtweisen wollen sie sorgen mit drei geodätischen Kuppeln. Eine mit einem Durchmesser von neun Metern. Immerhin sind beide froh, dass die Baugenehmigungen schon vorliegen.

Dass es ihnen hier so gut gefällt, liege auch daran, dass Bruchhausen-Vilsen ein Ort sei, an dem man sich augenscheinlich besonders stark für alles Historische interessiere; beispielsweise Museumsbahn, Heiligenberg, Oldtimermuseum. Gern würden sie Kontakt bekommen mit Leuten, die sich für Astronomie interessieren, denen sie die Geräte oder Online-Nutzung zur Verfügung stellen, denn da könnte man per Computer die Übertragung des Telekops verfolgen. Und nicht zu vergessen: Sie hatten hier vergangenes Jahr immerhin den ersten virtuellen Mühlentag organisiert und wollen das in diesem Jahr auch wieder tun. Vielleicht ist bis dahin auch der Planetenweg auf dem Gelände fertig.

Viel machen sie in Eigenleistung, da Reparaturen teuer sind.

Viel machen sie in Eigenleistung, da Reparaturen teuer sind.

Foto: Michael Galian
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