Zunächst eine Klasse an BBS Syke

„Dualisierte Ausbildung“ von Erziehern soll Anfang sein

Ein neues Ausbildungsmodell soll das Erlernen des Erzieherberufs im Landkreis Diepholz attraktiver machen – vor allem finanziell. Allzu hoch sollten die Erwartungen aber nicht sein.
21.02.2019, 18:04
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„Dualisierte Ausbildung“ von Erziehern soll Anfang sein
Von Sebastian Kelm

Landkreis Diepholz. Fakt ist: Die Kommunen im Landkreis Diepholz sind allesamt händeringend auf der Suche nach Erziehern für ihre Kindertagesstätten, überall mangelt es an Bewerbern. Fakt ist auch: Die bislang rein schulische und damit unbezahlte Ausbildung ist wenig attraktiv für potenzielle Kräfte, und für eine duale Ausbildung fehlt der Rechtsrahmen. Abhilfe soll nun die Einführung eines Teilzeit-Modells mit Vollzeit-Stellen schaffen, das am Dienstag im Schulausschuss des Landkreises Diepholz auf den Weg gebracht wurde. Die Idee: Das angehende Kita-Personal verbringt nur noch zwei Tage pro Woche mit Theorieunterricht und arbeitet dafür drei Tage in der jeweiligen Ausbildungs-Einrichtung, müsste insgesamt ein Jahr länger lernen, bekäme dafür eben auch eine entsprechende Vergütung ähnlich wie in anderen Berufen. Die Kosten dafür müssten die Städte und Gemeinden als Träger übernehmen. Doch wie Erster Kreisrat Wolfram van Lessen mitteilte, sind alle Bürgermeister bereit, die Finanzierung zu tragen – wenn es dafür endlich neue Nachwuchskräfte für den Nachwuchs gibt.

Eine duale Ausbildung im klassischen Sinne, betonte er indes, sei auch dies nicht, vielmehr eine „dualisierte“. Es handele sich streng genommen um eine berufsbegleitende Weiterbildung für ausgebildete sozialpädagogische Assistenten als Regelangebot an der Fachschule Sozialpädagogik der Berufsbildenden Schulen (BBS) Syke mit entsprechender Freistellung für die Praxis-Anteile in den Kitas. „Es sind aber noch weitere Modelle in der Prüfung“, konnte van Lessen von Überlegungen des Niedersächsischen Städtetags berichten. So etwa von einem auf zweieinhalb Jahre verkürzten Modell für Quereinsteiger. Oder für ihn „noch interessanter“: ein neuer Ausbildungsberuf mit echtem dualen System nach Vorbild aus Mecklenburg-Vorpommern. Bei dem stünde nach drei Jahren der Abschluss „Kita-Fachkraft“. Der würde allerdings keine Möglichkeit mehr bieten, alternativ etwa in einem Kinderheim tätig zu sein.

Allzu hohe Erwartungen an den zunächst im Raum stehenden Ansatz musste BBS-Leiter Horst Burghardt aber gleich dämpfen: Man würde im ersten Jahrgang ab dem kommenden Schuljahr zunächst nur eine Klasse, 24 bis 26 Schüler also, aufnehmen können. Ein „kleiner Tropfen auf den heißen Stein“, räumte er ein, aber: „Ich kann mir den Kollegen nicht schnitzen.“ Soll heißen: Aktuell gebe es für diesen Bereich lediglich 13 Lehrkräfte, neue zu finden, sei ausgesprochen schwierig. Mit Glück habe er gerade erst eine weitere Pädagogin anstellen können.

Es aber mit dem vorgestellten Konzept zu versuchen, hielt er für sinnvoll. Denn einige Schüler brechen ihm zufolge ab, weil sie sich den Besuch der Fachschule ohne Bezahlung nicht mehr leisten können. Die müssten zurückgewonnen werden. Jetzige Vollzeitschüler zum Umsatteln zu bewegen, nannte er wiederum „gefährlich“. Seine Begründung: „Dann haben wir nicht einen einzigen Schüler mehr.“

Stephan Kawemeyer (CDU) als Initiator des Themas beklagte indes „zu wenig Druck“ beim gegenwärtigen Vorstoß, Stellenanzeigen müssten schließlich zeitnah geschaltet werden. Ulf Schmidt (Grüne) widersprach, der Druck sei groß genug, „wir warten da seit drei Jahren drauf“. Peter Jahnke (SPD) mahnte an, in den Kitas müssten auch entsprechende Ausbilder vorhanden sein. Darauf entgegnete Burghardt, die „Anleiter“ seien bereits da, sie wären künftig aber eben nicht nur ein paar Wochen gefordert, sondern dauerhaft.

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