Der erste Schultag

Mit Schultüte auf Abstand

Wie jedes jahr finden kurz nach den Sommerferien die Einschulungen statt. Was üblicherweise mit einer großen Zeremonie, vielen Gästen und jeder Menge Programm geplant wird, sieht in diesem Jahr ganz anders aus.
24.08.2020, 18:05
Lesedauer: 4 Min
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Mit Schultüte auf Abstand
Von Desiree Bertram
Mit Schultüte auf Abstand

Coronabedingt gibt es bei den diesjährigen Einschulungen jede Menge Einschränkungen.

Ralf Hirschberger/dpa

Landkreis Diepholz. Durch die Corona-Pandemie ist in diesem Sommer vieles anders als sonst – so sieht es auch bei den Einschulungen aus. Damit dieser wichtige Tag für Kinder und Eltern stattfinden kann, muss einiges beachtet werden. Grundschulen aus der Region berichten, wie sie die Einschulungen am Sonnabend, 29. August planen.

An der Grundschule Bramstedt in Bassum werden 22 Schüler einer ersten Klasse eingeschult. Insgesamt besuchen 76 Kinder in vier Klassen die Grundschule. „Die Tendenz der Schülerzahl ist stark steigend. In den kommenden Jahren werden wir sicherlich zweigleisig sein – gerade durch neue Baugebiete“, berichtet Schulleiter Tobias Baron. Normalerweise besuchen alle Kinder der Schule die Einschulung. In diesem Jahr ist dies durch die Corona-Pandemie nicht möglich. Auch die Anzahl der Begleitungen ist auf fünf Gäste pro Einschulungskind beschränkt, die sich vorab anmelden müssen. Die Sitzplätze sind ebenfalls festgelegt. Neben den Abstandsregelungen werden auch die Hygienemaßnahmen beachtet, so Baron. „Es gibt eine Pflicht für Gäste ab sechs Jahren, den Mund-Nase-Schutz zu tragen.“

Schon vor der Corona-Krise habe die Grundschule Bramstedt mit Digitalübertragungen gearbeitet, erklärt der Schulleiter. Und weiter: „Alle Klassenräume sind digital ausgestattet, und dies ist zu Corona-Zeiten auch sehr praktisch.“ Von der Einschulung wird es auch eine digitale Übertragung geben, verkündet Baron.

Es werden vorproduzierte aufgenommene Sprechstücke und Glückwünsche von Schülern abgespielt. Des Weiteren bekommt jedes Kind einen Blumengruß von den Eltern der zweiten Klassen. „Das ist Tradition an unserer Schule und auch in diesem Jahr bekommen die Kinder ihre Blumensträuße“, so Baron. Danach werden sich die Kollegen vorstellen und der Schulleiter hält eine Rede. Im Anschluss findet dann der traditionelle Anfangsunterricht in der Klasse statt. Üblicherweise lernen die Kindergartenkinder die Schule schon einmal vor der Einschulung kennen. Dies musste allerdings ebenfalls entfallen. Dennoch gab es dies auch alternativ in digitaler Form, sagt Baron und fügt hinzu: „Wir haben nach kreativen Lösungen gesucht und versucht, diese umzusetzen.“ Schulpaten aus dem dritten Jahrgang sind bereits zugeordnet.

„Ich erhoffe mir eine Verbesserung der Lage und auch, dass mal wieder Projektwochen stattfinden können. Die Schule lebt vom Austausch mit Schülern aus anderen Klassen und dies darf derzeit nicht stattfinden“, so Baron. Eine Herausforderung werde für ihn darin bestehen, dass gegebenenfalls Personalerkrankungen oder ausfallende Lehrkräfte kompensiert werden müssen, erklärt der Schulleiter. Und weiter: „Schade für den Grundschulsektor ist, dass pädagogische Veranstaltungen wie die Besuche im Weihnachtstheater auch nicht stattfinden dürfen.“

An der Grundschule Seckenhausen in Stuhr wurden schon fleißig Briefe geschrieben. „Die baldigen Erstklässler haben bereits bunte Briefumschläge von ihren Patenkindern des zweiten Jahrgangs bekommen. Treffen dürfen sie sich ja leider erst einmal nicht“, sagt Andrea Rahn, Schulleiterin der Seckenhauser Grundschule. Einige der Erstklässler haben auch schon zurückgeschrieben.

Insgesamt werden an der Grundschule Seckenhausen 57 Kinder in drei Klassen nacheinander eingeschult. Andrea Rahn verkündet, dass jeweils vor der Einschulung eine kurze Zeremonie in der Kirche stattfindet, die rund 15 Minuten dauert soll. Pro Einschulungskind sind aufgrund der Abstandsregelungen zwei Gäste erlaubt. Auch hier muss eine Maske getragen werden. Es gibt eine Rede und ein Bilderbuchkino. Danach haben die Kinder ihre erste Unterrichtsstunde, erzählt Rahn. Zudem betont die Schulleiterin den großen organisatorischen Aufwand dafür, dass sich an der Grundschule die einzelnen Gruppen nicht mischen: „Wir versuchen, so viel Normalität zu bieten wie es geht, aber ich vermute, dass in diesem Halbjahr der Unterricht nur mit eingeschränktem Regelbetrieb weitergehen wird.“

Eine Vermischung der Jahrgänge zu verhindern, ist auch Petra Raue, Schulleiterin der Grund- und Oberschule Luise-Chevalier-Schule in Syke, wichtig: „Wir machen eine Aufteilung der Schulhöfe mit individuellen Pausenzeiten. Das hat schon vor den Ferien gut funktioniert und so vermischen sich die Jahrgänge nicht.“ Dadurch, dass diese Grundschule aus sieben Klassen mit etwa 100 Schülern besteht, könne schneller reagiert und flexible Lösungen gefunden werden, so Direktorin Raue.

Hier werden am kommenden Sonnabend rund 30 Kinder in zwei ersten Klassen eingeschult. Es wird in der Sporthalle eine Einschulungsfeier für alle zusammen geben. Pro Einschulungskind dürfen auch hier zwei Gäste mitgebracht werden. Neben einer kleine Rede werde ein Schüler ein Klavierstück spielen und auch ein Gedicht wird vorgetragen werden, kündigt Raue an. „Sonst haben viele Schüler etwas vorbereitet. Das geht jetzt natürlich nicht.“ Zum Abschluss werden die Kinder namentlich aufgerufen und gehen dann gemeinsam mit der Klassenlehrerinnen in ihre Klassen.

Auch im Schulalltag wird es Veränderungen geben. Beispielsweise muss der Musikunterricht anders stattfinden, da singen nicht erlaubt ist. Zudem sei die Paten-Situation in diesem Jahr ganz schwierig, betont die Schulleiterin und erklärt: „Die Paten aus den dritten Klassen zeigen den Erstklässlern eigentlich die Schule. Vor den Ferien haben sie jeder eine Hand aufgemalt und als Brief verschickt.“ Dies dient als Botschaft und kleine Geste für die Einschulungskinder. „Der Kontakt zwischen Lehrperson und Schüler auf Distanz wird auch schwierig“, merkt Raue an und zeigt sich dennoch in Hinblick auf das Schuljahr positiv gestimmt: „Ich freue mich auf fröhliche Kinder, die lernen wollen – und auf motivierte Kollegen.“

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