Fahrschulen im Landkreis

Mit „angezogener Handbremse“

Erleichtert sind die Fahrlehrer im Landkreis Diepholz. Nach zwei Monaten Stillstand dürfen sie wieder Theorie- und Praxisunterricht geben sowie Prüfungen anbieten.
17.05.2020, 17:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Niklas Golitschek
Mit „angezogener Handbremse“

Nach Wochen des Stillstandes können Fahrlehrer wieder Unterricht anbieten und Prüfungen abnehmen. Klaus Tiesing freut sich über den Alltag.

Michael Braunschädel

Landkreis Diepholz. Die härteste Zeit scheint für die Fahrlehrer überstanden. „Jeder hat darauf hingefiebert, dass es wieder losgeht und das Tagesgeschäft läuft“, sagt Klaus Tiesing, Inhaber der Fahrschule Bergmann mit Standorten in Syke, Barrien, Kirchweyhe und Leeste. Ähnlich wie er freuten sich auch andere Betriebe im Landkreis Diepholz, dass sie mit Beginn der Stufe zwei des niedersächsischen Stufenplans seit dem 11. Mai wieder regulären Fahrunterricht mit Einschränkungen anbieten können.

Die vergangenen zwei Monate beschreiben die Fahrschulen als harte Zeit. „Wir waren komplett zu und hatten null Umsatz – alle waren in Kurzarbeit“, schildert Tiesing. Über die Fahrlehrer-Versicherung habe man die Beitragszahlungen zwar aussetzen können, andere laufende Kosten mussten trotzdem bezahlt werden.

Bereits seit dem 6. Mai dürfen Fahrschulen wieder theoretischen Unterricht anbieten. Dabei müssen sie den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten, Desinfektionsmittel anbieten sowie Namen und Kontaktdaten der Teilnehmer festhalten. Parallel dazu war auch der praktische Unterricht für Zweiräder wieder möglich, sofern die Maskenpflicht eingehalten wurde. Seit dem 11. Mai dürfen Fahrschüler unter gleichen Vorgaben wieder ins Auto steigen und zumindest theoretisch ihre Prüfung ablegen. Der TÜV Nord Mobil als zuständige Institution startete allerdings erst am 13. Mai mit den Theorieprüfungen und beginnt ab dem 18. Mai mit den praktischen Prüfungen.

Dass es auch hier Einschränkungen geben wird, teilte der TÜV Nord bereits früh mit: „Allerdings werden nicht sofort alle Prüfräume für die Durchführung von Theorieprüfungen geeignet sein. Schritt für Schritt werden aber geeignete Räumlichkeiten zugelassen, die zuvor vom TÜV-Nord-Covid-Krisenteam freigegeben wurden.“

Auf Nachfrage, weshalb hier zwei unterschiedliche Daten im Raum stehen, erklärt TÜV-Sprecher Rainer Camen, dass die Fahrschulen nach mehrwöchiger Pause erst wieder Betrieb und Ausbildung aufnehmen sollten. Zumal zunächst ein Hygienekonzept ausgearbeitet werden musste, verbunden mit weiteren Schritten. Da die Verordnung erst zwei Tage verkündet worden war, bevor sie eintrat, sei das in der Kürze nicht möglich gewesen: „Insofern ist die Wiederaufnahme der Prüfungen unmittelbar mit Inkrafttreten einer Verordnung, deren Inhalt vorher nicht bekannt ist und besondere Anforderungen an die Umsetzung stellt, nicht realistisch – dementsprechend wurde als Starttermin für die praktischen Prüfungen der 18. Mai gewählt und kommuniziert.“

Für Fahrlehrer wie -schüler bedeuten die neuen Vorgaben eine zusätzliche Belastung. 90 Minuten lang eine Maske zu tragen sei „anstrengend, aber es geht noch“, meint Tiesing. Härter treffe es die Fahrlehrer, die damit den ganzen Tag arbeiten – sie bräuchten im wahrsten Sinne des Wortes Verschnaufpausen. Doch diese Einschränkung nähmen alle Beteiligten gerne hin. „Wir freuen uns, dass wir wieder arbeiten und Normalgehalt bekommen. Wir waren lange zu Hause und hatten nichts mehr zu tun“, sagt der Fahrlehrer.

Da sei es nicht der große Mehraufwand, das Auto kurz zu desinfizieren und zu lüften, bevor es zum nächsten Schüler gehe. „Den investiert man gerne für die Gesundheit“, findet Tiesing. Zumal die Lehrer nur selten einen zweiten Schüler auf der Rückbank gehabt hätten – das ist aktuell nicht mehr erlaubt.

Auch Fahrlehrerin Heike Brending mit Standorten in Bruchhausen-Vilsen und Twistringen zeigt sich erleichtert. „Ich bin froh, dass wir wieder arbeiten dürfen“, sagt sie. Anfangs habe sie sogar darüber nachgedacht, ihren Betrieb zu schließen und verfrüht in die bald mögliche Rente zu gehen. „Aber ich arbeite gerne, es macht mir Spaß“, hat sich Brending doch dagegen entschieden und ergänzt lachend: „Zum Leidwesen meines Mannes, er ist schon pensioniert.“ Abstandsregeln und Maskenpflicht finde sie nun immer noch besser, als gar nicht zu arbeiten. Zumal die Auflagen alle erfüllbar seien: „Sie sind so normal in diesen Tagen.“ Nach Wochen des Stillstands nehme sie nun auch gerne Mehrarbeit in Kauf, um die gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Nachdem Brending zunächst einige Schüler nach Hause schicken musste, weil der Unterrichtsraum bereits voll war, bot sie kurzerhand weitere Termine an.

Volker Reinholz, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule mit Standorten in Bassum, Syke und Brinkum, zeigt sich ebenfalls erleichtert, dass es weitergeht. „Wir arbeiten von morgens bis abends durch“, bestätigt er einen erhöhten Aufwand, bedingt durch Vorgaben und Nachfrage. Jetzt starte die Motorradsaison, weshalb vor allem in dem Bereich die Nachfrage hoch sei. Weil selbst Funkgeräte desinfiziert werden müssten, bräuchten viele Abläufe nun mehr Zeit. „Alles ist aufwendig und umständlich geworden“, meint Reinholz. Immerhin verbuche er wieder Einnahmen, allerdings sind die noch nicht ausreichend, um die Kosten wieder reinzuholen. Die Sorgen sind also noch nicht ganz verflogen – die Verluste aus den Vormonaten ersetze ihm schließlich niemand.

Von zwei sehr harten Monaten spricht auch Gert Schmidt, der Fahrschulen in Syke, Weyhe und Bassum betreibt. Er ist außerdem Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes im Landkreis Diepholz. „Wir hatten acht Wochen null Einnahmen und absoluten Stillstand“, bilanziert er. Deshalb sei er froh, dass die Autos – wenn auch nur langsam und mit angezogener Handbremse – wieder starten können. „Positiv nach vorne schauen“, gibt er als das Motto für die anstehende Zeit aus.

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