Wegen Inflation Essen auf Rädern hebt Menüpreise an

Die Inflation bemerken auch gemeinnützige Angebote, so wie das Kuratorium Essen auf Rädern in Bruchhausen-Vilsen. Den Sozialausschuss klärten sie über die aktuellen Herausforderungen auf.
29.09.2022, 16:01
Lesedauer: 2 Min
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Essen auf Rädern hebt Menüpreise an
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. "So lange ich denken kann, gibt es Essen auf Rädern in Bruchhausen-Vilsen", sagte Andree Wächter, Vorsitzender des Sozialausschusses der Samtgemeinde auf der Sitzung in dieser Woche. Anlass war dazu der Tagesordnungspunkt "Kuratorium Essen auf Rädern", im Zuge dessen Bruchhausens Pastor Mathias Hartewieg und Erika Heithoff, Vorsitzende des Beirats, über die aktuelle Lage des Angebots sprachen.

Zuvor holte die Beiratsvorsitzende jedoch etwas aus und informierte die Ausschussmitglieder unter anderem über die Anfänge des Essens auf Rädern in Bruchhausen-Vilsen. Dieses Angebot, das Senioren, Kranken und Hilfebedürftigen täglich eine gesunde und warme Mahlzeit liefert, besteht nämlich schon seit 1985 im Luftkurort. Gegründet wurde es von den evangelischen Kirchengemeinden Bruchhausen und Vilsen, der katholischen Kirche Bruchhausen-Vilsen, vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), vom Lions-Club Grafschaft Hoya und der Samtgemeinde.

Seit nunmehr 30 Jahren fahren Ehrenamtliche, zwischen 60 und 70 sind es mittlerweile, an sieben Tagen pro Woche durch Bruchhausen-Vilsen, Engeln und die angrenzenden Dörfer sowie durch Asendorf, um die Kunden zu versorgen. "Zwischen 38 und 40 Menschen werden momentan beliefert", sagte Heithoff. Und sprach sogleich eine der ersten Herausforderungen an, denen sich das Kuratorium künftig stellen muss: die Menüpreise. "Zu Beginn hat ein Essen 5,20 Mark gekostet, heute sind es 5,90 Euro", berichtet die Beiratsvorsitzende. Doch ab 1. November werden es 8,50 Euro sein. Die Gründe lieferte Mathias Hartewieg: steigende Lebensmittel und Energiekosten und der bundesweite Mindestlohn, der demnächst veranschlagt wird. "Wir machen keinen Gewinn und müssen daher kostendeckend arbeiten", erklärte Hartewieg.

Ein Blick auf die Ein- und Ausnahmen des Kuratoriums belegten dies: Im vergangenen Jahr konnte Essen auf Rädern Einnahmen in Höhe von rund 153.000 Euro verzeichnen, die Ausgaben beliefen sich auf circa 149.000 Euro. "Wir haben den Kunden die Preissteigerung mitgeteilt, jetzt sind wir gespannt auf die Rückmeldungen", sagte Hartewieg. Doch das sei nicht das Einzige. Ab 2023 muss das Kuratorium die Umsatzsteuer abführen, die dann mit sieben Prozent zu Buche schlägt. Betrachte man im Kontrast dazu die Altersstruktur der Kunden – die meisten sind mehr als 80 Jahre alt – stelle sich aber auch die Frage, ob sich die Kunden das Essen auf Rädern auch künftig leisten können, führte Mathias Hartewieg weiter aus.

Es sei zwar ein Antrag auf Zuschuss bei der Samtgemeindeverwaltung eingegangen, ergänzte Volker Kammann, "dieser ist jedoch aufgrund mehrerer Faktoren zurückgezogen worden". So arbeite das Kuratorium in Vilsen sehr wirtschaftlich, hauptsächlich sei dies durch die große Zahl an Ehrenamtlichen möglich. "Man ist aber auch sehr kreativ, was das Sponsoring der Fahrzeuge angeht", erklärte Kammann weiter. Das E-Auto, das Anfang 2021 in Dienst gestellt wurde, hat der Beirat von Essen auf Rädern sowohl aus eigenen Mitteln, als auch mithilfe von Spenden finanziert. Zudem wird eines der drei aktiven Fahrzeuge Anfang des kommenden Jahres ausgetauscht und von der Essen-auf-Rädern-Gruppe aus Hoya übernommen, die dann ihr Angebot einstellen wird. Vor diesem Hintergrund habe man sich geeinigt, den Antrag zurückzuziehen.

Ausschussmitglied Ulf Schmidt (Grüne) ließ es sich nicht nehmen, ein paar lobende Worte auszusprechen: "Ich bin sehr froh, dass das Essen auf Rädern nicht aufgegeben wird. Es war aber ein Schock zu hören, was das Essen kostet. Wenn man den Hintergrund kennt, ist es allerdings verständlich." Die Rückmeldungen der Kunden blieben dennoch abzuwarten.

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