Gedenkstätte

Der nächste Schritt

Der Flecken Bruchhausen-Vilsen hat zwar sichtbare Zeichen des Gedenkens, doch zu klein und zu versteckt, findet der Ausschuss für Jugend und Soziales. Nun soll eine neue Gedenkstätte für NS-Opfer entstehen.
18.11.2020, 17:19
Lesedauer: 2 Min
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Der nächste Schritt
Von Micha Bustian
Der nächste Schritt

Eines der sichtbaren Zeichen des Gedenkens in Bruchhausen-Vilsen: eine Gedenktafel zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus an der St.-Cyriakus-Kirche.

Michael Galian

Bruchhausen-Vilsen. Es gibt viele sichtbare Zeichen des Gedenkens in Bruchhausen-Vilsen. Das Denkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten an der St.-Cyriakus-Kirche, die direkt daneben hängende Tafel, die an die Opfer des Nationalsozialismus hängt und seit Juni auch erste Stolpersteine. Jetzt überlegt der Flecken Bruchhausen-Vilsen, eine Gedenkstätte für NS-Opfer zu errichten. Das war Thema am Dienstagabend im Ausschuss für Jugend und Soziales.

Die Ausschussvorsitzende Nicole Reuter (Die Grünen) erinnerte an die Verlegung der Stolpersteine am 25. Juni und mahnte: „Das kann nur der Anfang sein.“ Flecken-Bürgermeister Lars Bierfischer (SPD) schlug in die gleiche Kerbe. Die Gedenktafel am Vilser Gotteshaus finde man kaum. Allzu groß sei sie auch nicht. Das fand auch Werner Pankalla von der CDU: „Sie sollte schon so groß sein, dass man die Schrift ohne Brille lesen kann.“

Schnell wurde klar: Eine neue Gedenkstätte soll her. Lars Bierfischer nannte einige Beispiele von Nazi-Terror gegenüber jüdischen Bürgern in Bruchhausen-Vilsen, „Punkte, an die wir erinnern sollten“. Damit sprach er Bernd Schneider aus der Seele. „Es ist an der Zeit“, meinte der Grünen-Politiker. Die kleine Tafel an der Kirche nannte er im Vergleich zum Anlass „beschämend“. Er zitierte einen Brief von der Interessengemeinschaft Synagoge Hoya, die anmerkte, die Verlegung der Stolpersteine sei ein erster Schritt zur Aufarbeitung des jüdischen Lebens in Broksen, „weitere müssen folgen“.

Einer, so Bernd Schneider, könnte die Umbenennung des Platzes vor dem ehemaligen Bullenkamp-Geschäft sein. Den Namen „Lindenberg-Platz“ fände er passend, nach den einstigen jüdischen Bewohnern des dort noch stehenden Hauses (wir berichteten). Auch hier berichtete er über das Einverständnis der IG Synagoge Hoya. Dazu äußerte Lars Bierfischer allerdings die Befürchtung, dass die Umbenennung des Platzes und die Errichtung eines Mahnmals vermischt werden könnten. Auch Nicole Reuter hielt eine Trennung dieser Projekte für wünschenswert.

Also zurück zur Errichtung einer Gedenkstätte für NS-Opfer. Lars Bierfischer riet dazu, zuerst die allgemeine Zustimmung für dieses Vorhaben einzuholen. Doch die – das wurde schnell klar – war einstimmig. „Die Zeit ist reif dafür“, sagte Reinhard Thöle (SPD). Und stellte klar: „Wir sollten die Tafel nicht eins zu eins vergrößern.“ Und schon war die Diskussion im Gange. Die Gedenkstätte solle modernen Ansprüchen genügen. Von QR-Codes war die Rede, damit die Bürger Informationen über ihr Smartphone abrufen könnten. Claudia Staiger (CDU): „Die Gedenktafel zu vergrößern und woandershin zu verfrachten – das ist mir zu wenig.“

„Es geht um Erlebnisse, um Geschichte, um Menschen“, wurde Hildegard Grieb fast euphorisch. Die Öffentlichkeit müsse ein klares Bild von den damaligen Zuständen bekommen. Lars Bierfischer sprach von einer Verpflichtung, immer wieder daran zu erinnern, „an diese schreckliche Zeit“.

Reinhard Thöle riet dazu, sich in den Fraktionen intensiv Gedanken zu machen über die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer der Nationalsozialisten. Es müsse theoretisch gesprochen werden, über Zuschüsse, Gestaltung und mögliche Standorte. Auch Nicole Reuter war dafür, das Thema auf jeden Fall anzugehen. Bernd Schneider indes fand es „wichtig, dass wir auch gemeinsam dafür sind“. Dem kam das Gremium nach, indem es auch ohne fehlende Beschlussvorlage zu diesem Thema abstimmte. Das Ergebnis: Der Ausschuss für Jugend und Soziales sprach sich einstimmig für die Errichtung einer Gedenkstätte für NS-Opfer aus.

Lars Bierfischer sprach auch schon den nächsten Schritt an. „Wir müssen jetzt die Bürger, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, zusammenbekommen.“ Sprich: eine Arbeitsgruppe gründen.

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