Kunstprojekt

Apostelstühle für alle

Im Lutherjahr 2017 glänzte der Hasseler Künstler Henning Diers mit seinen Bildern zu den 95 Thesen. Jetzt will er Stühle erschaffen: für jeden Apostel einen.
27.09.2018, 10:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
Apostelstühle für alle

Henning Diers designt den Apostelstuhl. Am Sonntag wird er in der Marcelluskirche vorgestellt.

Jonas Kako

Asendorf. Großes Interesse war dem Hasseler Künstler Henning Diers mit seinen Bildern zu den 95 Thesen im vergangenen Lutherjahr im Landkreis entgegengebracht geworden. Nun lädt er zwölf Gemeinden ein, an einem neuen Projekt teilzunehmen. Diers will gemeinsam mit den jeweiligen Gemeindemitgliedern in seiner Werkstatt „Apostelstühle“ gestalten. Zwölf Stühle für die Gefährten, die Jesu Lehre verbreiteten. Diese zwölf Glaubensverfechter bildeten den Kern, um den sich um die 70 Jünger scharten. Die Schwarmer und die Asendorfer Gemeinde sind auch wieder dabei, das künstlerische Thema zu begleiten. Zwei seiner Ideen und die Umsetzung konnten schon auf Fotos betrachtet werden. Der Stuhl des Andreas und der des Jacobus des Älteren.

Henning Diers schlug vor, wegen der Namensgleichheit von Pastorin Melanie Simon, den Asendorfer Stuhl Simon Zelotes zu widmen. Er wurde der Eiferer genannt, weil er wohl besonders vehement das Christentum verbreitete. Voll Eifer könnte er auch die Belange der Zeloten vertreten haben. Sie waren eine Gruppe, der er angehörte, die streng nach der Thora lebte, und nicht nachließ, die römischen Besatzer aus dem Land zu vertreiben. In der St.-Marcelluskirche hängt am Altar die Darstellung „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Bei einem Informationstreffen bezog sich Diers auf dieses Gemälde vor den Gekommenen – unter ihnen auch vier, die als Flüchtlinge jetzt hier wohnen. Auch sie wollen zur Gestaltung des Stuhls Ideen beitragen. „Jesus lud seine zwölf Jünger zum Essen ein. Sie sitzen auf Augenhöhe mit ihm. Meine Idee zu den Stühlen ging dahin: Diese Einladung gilt meiner Meinung nach für uns alle“, begann Diers.

„Die Stühle sollen in Zukunft eine Verbindung zu uns sein. Sie könnten aber auch für die zwölf Stämme in Israel stehen. Möglich wäre ebenfalls, sie bilden zwölf unterschiedliche Charaktereigenschaften ab.“ Diers war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass alle bildlichen Darstellungen der Apostel der Fantasie des jeweiligen Künstlers entspringen. Es gibt unzählige Gemälde mit Simon zum Beispiel von El Greco oder Anton van Dyck. „Man weiß, die meisten Apostel waren Fischer, einer Zöllner. Bei Simon ist das Wissen spärlich“, erläuterte Diers. Nachzulesen ist, seinen Tod umranken Legenden. Es heißt, er sei mit Keulen erschlagen worden. Andere Quellen behaupten, dass Simon nach der Kreuzigung Jesu das Evangelium in Persien und Babylonien verkündete, wo er den Märtyrertod durch eine Säge erlitt. Oft wird er mit einer großen Säge dargestellt, so durch Michelangelo im Dom von Florenz, als Statue in der Basilika St. Johannes in Rom oder in Dachau. Wegen des Handwerkzeugs erkor man ihn zum Schutzpatron der Waldarbeiter, Maurer, Gerber, Weber und Färber.

Andere Quellen berichten, er habe als Bischof in der Urgemeinde Jerusalems gewirkt und soll während einer Christenverfolgung durch Kaiser Trajan gekreuzigt worden sein. Diese Mythen möchte Henning Diers ausklammern. Er fragte: „Wofür steht der Mann? Was war ein Ziel in seinem Leben? Das soll dargestellt werden.“ Pastorin Simon trug aus dem Roman „Ein Mensch namens Jesu“ von Gerald Messadié die Passage vor, in der Simon vom Autor als knurrig, aber mit Kinderaugen und als Soldat bezeichnet wird. Dem setzte nicht nur Hans-Friedrich Rothschild, Kirchenvorsteher, entgegen, dass sich ein Untergrundkämpfer schwerlich den römischen Besatzern in Uniform oder Rüstung gezeigt hätte.

Als Simon bezeichnete Diers auf dem Altargemälde den dritten Apostel von rechts. Eine Diskussion entstand, weil bei der Beschreibung der Sitzordnung in Veröffentlichungen zu dem Thema, der ganz rechts im weißen Gewand Sitzende als Simon genannt wird. Der Dritte sei Matthäus. Letztendlich ist es jedoch unerheblich, da es für die Überlegungen zur Stuhlgestaltung nicht wichtig ist. Die beiden Konfirmanden, die auch da waren, freuen sich darauf, in der Werkstatt von Henning Diers mit Hand anlegen zu dürfen, damit der Stuhl wie vorgesehen am 30. September im Gottesdienst vorgestellt werden kann.

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