Pomologin Ute Hoffmann

Früh dem Apfel verfallen

Ute Hoffmanns Interesse am Kernobst wurde bereits im Kindesalter geweckt. Früh lernte sie die unterschiedlichen Apfelsorten kennen. Heute beschäftigt sie sich auch in ihrem Job mit den Paradiesfrüchten.
01.04.2021, 06:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Stadler
Früh dem Apfel verfallen

1996 war für Ute Hoffmann ein wichtiges Jahr. Denn damals eröffnete sie eine Baumschule und wurde Landwirtin.

Michael Galian

Schon beim Fahren auf das Grundstück von Ute Hoffmann in Uepsen sind sie schon zu sehen, die jungen Apfelbäume, die alle mit einem Etikett versehen sind. Nebenan auf der Streuobstwiese stehen die älteren großen Bäume knorrig und winterkahl in der kalten Märzluft. Der Hof und das Land, das die 56-jährige Pomologin und ihr Mann in den 1990er-Jahren gekauft haben, ist groß. Denn Apfelbäume brauchen viel Platz.

Im Verkaufsraum im Innenhof des Gebäudes an der Straße Uepser Heide stehen fertig gepackte Pakete bereit zum Versand. Darin befinden sich Äpfel und Apfelbäumchen, die auf Wunsch der Kunden per Post kommen. Dies ist eines der wichtigen Standbeine des Betriebes von Ute Hoffmann. Zusammen mit ihrem Mann und zwei Mitarbeitern erledigt sie den Obstbaumschnitt, die Pflege der Bäume sowie den Versand und die dazu gehörige Büroarbeit.

Über dem Verkaufstresen des Biolandbetriebes hängt ein riesiger Apfel aus Pappmaschee, aus dem frech ein großer Wurm herausschaut. Den perfekt aussehenden Apfel gebe es nicht, erläutert die promovierte Biologin. „Jeder Apfel riecht und schmeckt anders. Welchen man am liebsten mag, kann man herausfinden, indem man viele Sorten probiert“, findet sie. Zudem gebe für jede Gelegenheit und jedes Gericht den richtigen Apfel. Fünf-Kilogramm-Probierkisten mit zehn verschiedenen Sorten kann man bei der Baumschule Hoffmann bestellen. Auch Allergiegeplagte finden die passenden Äpfel.

In die Wiege gelegt

Hoffmanns Interesse am Kernobst wurde schon als Kind geweckt. Apfelsorten zogen sie magisch an und sie lernte schon früh, die unterschiedlichen Sorten zu erkennen. Auf der Parzelle ihrer Großeltern in Bremen entdeckte sie den Weißen Klarapfel, Cox Orange und die Sorte Kaiser Wilhelm, der von den Großeltern gern zu Bratäpfeln verarbeitet wurde. Kein Halten mehr gab es für die junge Frau, als sie 1990 in der Zeitung las, dass in der Nähe eine schöne rote Sorte gefunden wurde und der Pomologenverein in Bremen sich damit beschäftigte. „Neu entdeckte Apfelsorten werden von erfahrenen Pomologen anhand des Kerngehäuses bestimmt“, erzählt Hoffmann.

Als die Apfelliebhaberin in den Verein eintrat, begann sie sich auszubilden. „Eine Prüfung zur Pomologin muss man nicht ablegen“, erläutert die Fachfrau. „Sein Wissen kann man jedoch ständig durch Fachliteratur und Austausch im Verein erweitern." Nach ihrem Biologiestudium zog es die Familie nach Asendorf. Denn die zweifache Mutter wollte wohlschmeckende Apfelsorten auch in ihrem Garten haben. In Asendorf machte Hoffmann ihr Hobby, das viel Fachwissen benötigt, kurzerhand zum Beruf.

Wissen auch dank hiesigem Pfarrer

Der Pomologe Johann Conrad Oberdieck, ein evangelischer Pfarrer, der im 18. Jahrhundert in Sulingen sein Wirken hatte, kultivierte in seiner Baumschule mehr als 4000 Obstsorten. Er war Co-Autor des illustrierten Handbuchs der Obstkunde und Mitherausgeber der pomologischen Monatshefte. Hoyaische Goldrenette, Sulinger Grünling oder auch Nienburger Süßrenette sind Sorten, die in seinen Heften verzeichnet sind. „Er hat Bäume, Äpfel, Apfelkerne sowie den Querschnitt des Apfels gezeichnet, um sie für die weitere Bestimmung festzuhalten“, erläutert Ute Hoffmann.

1996 eröffnete Hoffmann eine Baumschule und wurde Landwirtin, die am liebsten Apfelbäume vor dem Aussterben rettet. Heute ist sie auch Regionalsprecherin des Pomologenvereins für Niedersachsen und Bremen. Ab und an schneidet sie Äste ab von Bäumen, die an den Straßenrändern stehen und bald gefällt werden sollen. Zum Vermehren oder zum Erhalt einer Sorte lassen sich die Obstbäume pfropfen.

Streuobstwiesen hält Hoffmann für einen Segen – auch damit Kinder früh lernen, wie ein guter Apfel schmeckt und was man damit machen kann, zum Beispiel Obst mosten. Es gebe sehr wohlklingende Namen wie Palandts Himbeerapfel oder Doppelter Prinz, zählt die Fachfrau ihren liebsten Namen der Paradiesfrüchte auf. Ihre Lieblingssorte ist aber der Klarapfel. Es ist der Apfel, den sie in ihrer Kindheit immer aß. Ihr Lieblingsrezept ist hingegen der Bratapfel mit Nüssen oder Mandeln und Rosinen. Auch wenn sie auf dem Brokser Heiratsmarkt einen Apfel mit rotem Zucker sieht, kann sie nicht widerstehen.

Info

Zur Sache

Pomologie

Unter Pomologie wird die Lehre von Obstarten und -sorten sowie der Bestimmung und systematischer Einteilung verstanden. Das erste Werk zur Obstsortenkunde unter dem Titel „Pomologia“ stammt vom Gärtner Johann Hermann Knoop. Das nötige Knowhow finden Interessierte in alten und neuen Büchern der Pomologie, deren erste Schriften und Schwarzweiß-Zeichnungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts verfasst wurden. Die Autoren waren selbst Züchter, deren wichtigste Aufgabe es war, Apfelsorten zu erfassen und zu erhalten. Den Namen hat die Wissenschaft von „Pomona“, die römische Göttin der Baumfrüchte erhalten.

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