Festival Autumn Moon Schwarze Szene-Musik trifft Literatur

Bisher fand das Festival Autumn Moon in Hameln statt. Doch für ein Ersatzfestival zog die Veranstaltung für vier Tage ins Asendorfer Break Out. Mit dabei waren Luci van Org und Oswald Henke von Goethes Erben.
08.11.2021, 15:57
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch

Asendorf. Von Freitag bis Sonntag bot das Asendorfer Break Out Künstlern der Veranstaltung „Autumn Moon“, die Möglichkeit, in Asendorf in einer Clubshow im kleinen Rahmen aufzutreten. Die Pandemie verhinderte das Festival mit bis zu 40 internationalen Bands, Mystik und Halloween-Show in Hameln, wo das Event sonst immer stattfindet.

Eine  Künstlerin, die im Lauf von Jahrzehnten hinter Pseudonymen und Musikprojekten steckt, wie Eena, Lucilectric, Das Haus von Luci, Üebermutter, Meystersinger, King Mami, ist Luci van Org. Am Sonntag erlebte das Publikum in Asendorf sie als Autorin und Sängerin. Sie las ihre Kurzgeschichte „Brennglas“ vor, in der der Kommissar Henning versucht, den Mord an einer Frau aufzuklären. Er hofft auf Erkenntnisse bei der Befragung von Genevieve, obwohl sie zu den Verdächtigen gehört. Sie bietet ihre Dienste an als Wahrsagerin, oder wie sie sich selbst bezeichnet, als Hexe, in ihrer „Lebensberatungsrumpelbude“. Die Zuhörer erfahren, dass der „Verschleiß“ an Frauen seitens des Kripomanns enorm ist. Woher weiß Genevieve von Lydia, Nele, Natascha, Bettina und unzähligen anderen? Während der Befragung kann Henning nicht verhehlen, dass auch diese Frau ihn brennend interessiert, und Genevieve in sein Beuteschema passt.  Zwischen einzelnen Passagen griff van Org zur Gitarre und zeigte unplugged und stimmlich äußerst gut disponiert mit „Es gibt kein Zurück“, „Götter sind wir, wenn wir brennen“ oder „Am Ende siegt immer die Liebe“, wie vielfältig ihr Können ist.

Luci van Org wurde 1971 in Berlin geboren. Mit zwölf Jahren trat sie als Solosängerin in Gospelchören und in Blues-Clubs mit Janis Joplin Songs auf. 1994, in der Zeit als Kunst- und Anglistikstudentin, veröffentlichte sie unter dem Namen Lucilectric das Lied „Mädchen“, produziert von Annette Humpe. Ab 1995 war sie neun Jahre lang Radiomoderatorin beim RBB Jugendsender „Fritz“. Sie begann Songs zu schreiben für Nena, James Last, Nina Hagen, die Bands Eisblume, Terrorgruppe und Panda. Danach startete eine Karriere als Schauspielerin in Kino- und Fernsehfilmen. Seit 2000 schreibt sie ab und zu Kolumnen, unter anderem für die Berliner Morgenpost. 2001 heiratete sie den Regisseur Axel Hildebrand, drei Jahre später bekam sie einen Sohn. 2010 gründete Lucy van Org die Band Meystersinger mit Musiker Roman Shamov. Sie ist als Drehbuchautorin erfolgreich, zum Beispiel für die Serien „Notruf Hafenkante“ und „In aller Freundschaft“, ebenso als Autorin von Kurzgeschichten, Romanen und Illustrationen. Sie gibt ihre Erfahrungen weiter in Seminaren für Songwriting und Vocalcoaching. Der „Bundesverband verwaister Eltern und trauernder Geschwister“ machte sie 2006 zu seiner Schirmherrin aufgrund ihrer besonderen Herangehensweise an das Thema Tod. Während der Pandemie veröffentlichte sie den Song „House of Hope“. Die Einnahmen daraus gehen komplett an Berliner Obdachlose.

Ein weiterer Gast in Asendorf war am Abend dann Oswald Henke. Er lebt in Bayreuth. Seit 1989 wirkte er als Komponist und Sänger in seiner Band „Goethes Erben“, die sich 2012 auflöste. Seit 2009 ging der Fundus von Goethes Erben und anderen seiner Bands in die Band „Henke“ über. Er ist europaweit unterwegs, trat auch schon in Mexiko und Russland auf. Er schreibt für das Musikmagazin Orkus, ist Schauspieler und Autor mehrerer Bücher. In einer Art Sprechgesang geht es bei ihm um die Grenzbereiche des Lebens, um Dinge, die aus dem Gleichgewicht geraten sind. „Habe ich anfangs nur düstere Texte präsentiert, so bemühe ich mich inzwischen immer auch der Hoffnung Raum zu geben und quasi eine Kerze anzuzünden“, sagt Henke.

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