Rat Asendorf Die Rüben-Anlage soll wiederkommen

Seit vielen Jahren gibt es Bestrebungen, den Asendorfer Bahnhof aufzuwerten. Der Deutsche Eisenbahn-Verein möchte dafür eine historische Rübenverladeanlage aufstellen - das sorgte nun im Rat für Diskussionen.
26.01.2022, 17:19
Lesedauer: 4 Min
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Die Rüben-Anlage soll wiederkommen
Von Ivonne Wolfgramm

Asendorf. Endlich soll sich etwas tun am Asendorfer Bahnhof. Der Deutsche Eisenbahn-Verein (DEV) möchte in naher Zukunft nach historischem Vorbild eine Rübenumlageanlage auf dem Areal errichten. Er soll den Bahnhof aufwerten und für Besucher attraktiver machen. Ohne Ratsbeschluss gelingt dieses Vorhaben jedoch nicht. Daher stand dieser Punkt auch auf der Tagesordnung des Asendorfer Rats, der sich am Dienstagabend in der Grundschule Asendorf traf.

"Die Rüben-Anlage ist da und wartet auf seinen Einsatz", sagte der Gemeindebürgermeister und Ratsvorsitzende Gerd Brüning. "Nur die Schienen müssen her, damit es laufen kann." Ganz so einfach gestaltet sich das Vorhaben allerdings doch nicht, wie ein Blick in die Beschlussvorlage zeigte. Die Anlage wurde nach altem Vorbild hergestellt und dem DEV gespendet. Lediglich der Aufbau sowie die Pflasterarbeiten sind vom Verein zu übernehmen. Um das Projekt auch vonseiten der Gemeinde zu unterstützen, sind im aktuellen Haushaltsentwurf 10.000 Euro dafür eingestellt. 

Fachwerk-Häuschen soll abgerissen werden

Wo die Rübenanlage schließlich stehen soll, steht auch schon fest: "Bereits im Jahr 2007 wurde eine Gleisplanung vorgenommen, die vorsah, dass ein weiteres Abstellgleis neben dem Lokschuppen verlaufen soll", heißt es in der Beschlussvorlage. In diesem Bereich ist die Anlage vorgesehen. Dafür müsse das vorhandene Fachwerkgebäude, die den Fahrkartenschalter und die Toiletten derzeit beherbergt, abgerissen werden. Unter vertraglicher Absprache mit den Betreibern des Bistros "Gleis 1" können die Fahrkartenausgabe und die sanitären Anlagen allerdings dort untergebracht werden.

Im Sommer 2021 wurden die Planungen während eines Ortstermins vorgestellt und bei den hiesigen Vereinen nachgefragt, ob Interesse an dem Fahrkartengebäude bestehe. Die vorherrschende Meinung war zu dem Zeitpunkt, dass sich das Gebäude, das im Eigentum der Gemeinde ist, in so einem schlechten Zustand befinde, dass sich ein Wiederaufbau nicht lohne. "Zur Kostenminimierung sollte nochmal versucht werden, das Gebäude kostenlos zum Abbruch beziehungsweise Abtrag abzugeben", steht in der Beschlussvorlage weiter geschrieben. Sollte sich kein Interessent finden, ist das Gebäude im Zuge der Arbeiten am Bahnhof abzureißen. Konkret lautete nun der Beschlussvorschlag, dass die Samtgemeindeverwaltung, auf den erforderlichen Abriss hinweist und versucht, Interessenten für einen Abbau zu finden. Andernfalls werde es abgerissen.

Kontroverse Meinungen

Ganz einverstanden war Ratsherr Wilken Meyer mit diesem Vorschlag nicht: "Ich habe kein Problem damit, das Geld zur Verfügung zu stellen, die Idee erscheint mir allerdings unausgegoren." Ihm fehle das Gesamtkonzept und seine Angst sei es, Gelder "unnötig zu versenken". Zudem stellte er auch infrage, ob der Abriss des Fachwerkgebäudes wirklich notwendig ist und ob für die Rübeumladeanlage wirklich ein eigenes Gleis gebaut werden müsse: "Man könnte ja für die Demonstration der Anlage auch ein Gleis hinstellen, ohne es ans Schienennetz anzuschließen. Das gehe auch." Ohne ein Gesamtkonzept wolle er die 10.000 Euro aus dem Haushalt nicht bereitstellen. Ähnlich sah dies auch Alexander Grafe (FDP). Auch er habe keine Probleme, das Geld aus dem Gemeindetopf bereitzustellen, aber: "Das Gelände ist sinn- und identitätsstiftend für Asendorf. Dort finden auch die Märkte statt. Wurden auch die ansässigen Vereine wie die Interessengemeinschaft Asendorf dazu befragt?" Ein gemeinsames Konzept wäre aus seiner Sicht sinnvoll.

Gegenwind erhielten Meyer und Grafe aus mehreren Richtungen. So intervenierte ein Einwohner: "Der Rat und die Vereine wurden zu einem Besichtigungstermin eingeladen. Ich finde es nicht gut, wenn die Idee jetzt verworfen wird." Und auch Gemeindedirektor Bormann entgegnete: "Das Konzept wurde schon mehrfach im Rat vom DEV vorgestellt." Sein Vorschlag sei, Wolf-Jobst Siedler, den Vorsitzenden des DEV, nochmal in den Rat einzuladen und die Pläne des Vereins vor dem Gremium zu erläutern.

Rat kommt zu einem Ergebnis

Katja Sturhan (Grüne) zeigte sich von der Debatte irritiert: "Ich bin zwar neu im Rat, aber es klingt, als ob der Verein diesbezüglich sehr engagiert ist. Es wäre ohne Ende piefig, wenn wir dem nicht zustimmen." Und auch Rudolf von Tiepermann sprach sich für einen positiven Beschluss aus: "Wir sind uns einig, dass der Bahnhof eine gewisse Bedeutung für Asendorf hat. Es ist nicht gut, wenn wir die Pläne des DEV jetzt torpedieren." Ähnlich sah es auch Jens Grimpe, der sagte: "Der Aufbau der Anlage ist schon sinnig und auch die Märkte profitieren von der Aufwertung."

Gemeindedirektor Bormann gab schließlich noch einen weiteren Vorschlag in die Runde: "Wir können die 10.000 Euro zweckgebunden für die Pflasterung des Areals verwenden oder zur freien Förderung." Am Ende konnten sich die Ratsmitglieder doch noch einigen: Einstimmig beschlossen sie, die 10.000 Euro nun endgültig in das Projekt zu investieren. Zudem soll der DEV zu einer der nächsten Ratssitzungen eingeladen werden und abermals über das Vorhaben berichten. "Ich bin begeistert von dem Konzept und finde, dass das Geld gut angelegt ist. Der DEV ist einfach zu wichtig für Asendorf", sagte Bürgermeister Brüning.

Zur Sache

Wirtschaftlicher Standort

Wie sollte der Streckenverlauf für die neu errichtete Kleinbahn zwischen Hoya und Syke aussehen? Darüber waren sich die Planer in den 1890er-Jahren lange nicht einig. Erst 1897 konnten sie sich auf eine Streckenführung einigen, die auch eine Abzweigung von Bruchhausen nach Asendorf vorsah.

Die Strecke war schon immer schmalspurig, auch nachdem sich die Strecke Hoya-Bruchhausen-Syke anpasste. Der Zustand der Gleise nach Asendorf verschlechterte sich im Laufe der Zeit, sodass die Vehrkehrsbetriebe Grafschaft Hoya im August 1971 den Verkehr nach Asendorf einstellten. Der Deutsche Eisenbahn-Verein übernahm die Strecke, kümmert sich seitdem um die Unterhaltung und befährt diese mit seinen Schmalspurzügen.

Asendorf war und ist Endbahnhof der Strecke und ein wichtiger wirtschaftlicher Standort. Bis 1958 führte noch ein Anschlussgleis zur Asendorfer Molkerei. Zudem wurden auch landwirtschaftliche Güter transportiert, weshalb es auch eine Anlage zur Zuckerrübenverladung gab.

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