Break Out Asendorf

Gereimtes und Ungereimtes

Das Break Out in Asendorf bietet trotz Corona seit Wochen ein vielfältiges Programm. Nun hat das Kulturhaus die Palette um Poetry Slam erweitert.
26.07.2021, 14:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch/räd
Gereimtes und Ungereimtes

Jenny Ly-Riecks appellierte an die Zuschauer, sich über Organspende Gedanken zu machen.

BÄRBEL RÄDISCH

Asendorf. In der Angebotspalette, die das Asendorfer Break Out erfreulicherweise trotz Corona seit Wochen anbietet, Musik, Artistik, Zauberei, Flohmarkt stand am Sonntagnachmittag Poetry-Slam auf dem Programm. Der Oldenburger Christian Bruns, Mirko Friedrich Glister aus Moorriem bei Brake und Jenny Riecks, die sich mit einem „Ly“ vor ihrem Nachnamen als Lyrikerin kennzeichnet, und aus Asendorf in der Nordheide anreiste, wetteiferten um die Publikumsgunst. Leider war nur gut ein Dutzend Zuhörer gekommen.

Franz Robert Czieslik, der seit einigen Wochen seine Holz-Stelen auf dem Gelände am Break Out präsentiert, steuerte auch zwei Texte bei. Erinnerungen an eine Flutkatastrophe 2011 in Bayern glichen dem neuerlichen Unglück in der Eifel und in Rheinland-Pfalz. Er befürchtete, Schlauchbootbesitzer müssten demnächst eine Citymaut oder Schlauchbootsteuern bezahlen. Er übernahm zudem den Part, Wertungstafeln für die Vorträge von eins bis zehn zu verteilen und addierte jeweils die Ergebnisse. Rechnen war allerdings nicht seine Stärke und mal acht, mal neun Zahlen bei der Wertung addiert, verfälschten das Endergebnis. Es sei seiner Aufregung zuzuschreiben.

Bruns, der in Schulen als Inklusionshelfer arbeitet, las von farbigen Zetteln ab, tibetanischen Gebetsfahnen ähnlich. Eindrücke während Zugfahrten beschrieb er, kleine Reime fanden bei ihm ein Haus, und er sprach von Schmusekatzen, die Spiegel zerkratzen. Der zukünftige Lehrer für Geschichte und Deutsch Glister präsentierte sich frei vortragend und mit Verve und Tempo. Seit acht Jahren ist er als Slammer auf den Bühnen. Ausbeutung von Arbeitern sind sein erstes Thema, bei ihm waren es Zwerge im Bergwerk. Er beklagte in einem weiteren Text, dass früher alles besser war, dass Männer Frauen heutzutage nicht mehr hinterherpfeifen und keiner mehr Schlachter werden will. Dann wechselte er zur aktuellen Genderdebatte samt Sternchen und entschloss sich „Maskulinist“ zu werden. Und das alles höchst kunstvoll in Reime gesetzt.

Jenny Ly-Riecks, von Beruf Sozial- und Schulpädagogin, bediente die ernste Schiene. Organspende und der Aufruf an die Zuhörer, sich Gedanken darüber zu machen, waren ihr Anliegen. Die Frau mit den lindgrünen Augen, die für vier Menschen als Spenderin die Rettung sein würde, beschrieb sie. „Drähte hindern sie hinüberzugleiten. Wie Dornröschen liegt sie da. Ist eine Heldin.“ Eine Hommage an ihre Großmutter, die ihr lebenslang Mut gemacht hatte, Ängste zu überwinden, brachten ihr mit dem zweiten Vortrag eine hohe Punktzahl ein. Als Sieger jedoch, mit 146 Punkten gesamt, ging Mirko Friedrich Glister von der Bühne, nicht ohne noch einen Dankeschön-Text anzuhängen in Form einer Liebesbeziehung an der Nordsee zwischen Seehund Piet und Einhorn Elke, die ein Narwalkind zeugen.

Zur Sache

Poetry-Slam

Mit dieser Kunstform trat am 20. Juli 1986 erstmals der Amerikaner Marc Kelly Smith in Chicago vor Publikum. Inspiriert durch ein Baseball-Spiel soll er einem Journalisten die neue Wortschöpfung erklärt haben: Poetry/Dichtung, slam/zuschlagen. Auch beim Tennisturnier wird zum Beispiel vom Grand Slam gesprochen. Als Regeln stellte er auf: Selbstgeschriebene Texte, keine Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente, wird ein Zeitlimit beim Vortrag vorgegeben, das darf nicht überschritten werden. Das Publikum bewertet den Text mit Punkten zwischen eins und zehn. Das Interesse an Lesungen sollte mit dieser Art Dichterwettstreit belebt werden. Ab 1993 luden deutsche Institutionen des Literaturbetriebs US-amerikanische Vertreter der Spoken-Word-Bewegung ein. Die deutschen Poetry-Slams wurden 2016 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. räd

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