Hof Köhler

Landwirte aus Leidenschaft

„Wir wollen, dass es unseren Tieren gut geht, dann geht es auch uns gut“, sagt Marten Köhler, junger Landwirt in Hohenmoor. Denn dann gehe es den Menschen auf dem Hof auch gut.
03.02.2021, 17:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Bärbel Rädisch
Landwirte aus Leidenschaft

Ein Herz für Rinder: Marten Köhler konnte sich nie einen anderen Beruf als Landwirt vorstellen.

TAMMO ERNST

Asendorf-Hohenmoor. „Wir wollen, dass es unseren Tieren gut geht, dann geht es auch uns gut“, sagt Marten Köhler, junger Landwirt in Hohenmoor, bei einem Hofrundgang. „Unser Motto lautet: Landwirtschaft aus Leidenschaft.“

Um die 100 Schwarzbunte mit einer Einkreuzung von Holsteinern und ein Dutzend Limousinkühe als Fleischrinder leben mit ihren Kälbern in den Boxenlaufställen. Der imposante Bulle Gala, 1,3 Tonnen Gewicht, verhilft zu Mutterfreuden. Limousinrinder sind seit 1975 in Deutschland eingeführt. Sie haben ein rotbraunes bis weizenfarbenes Fell, Aufhellungen um Augen und Beine und die speziellen Mäuler mit seitlichen Furchen und Grübchen sind bei jedem Tier individuell wie ein Fingerabdruck. Die von Charakter friedlichen Tiere haben ein breites Becken, was Geburten erleichtert.

Die Milchleistung garantiert eine gute Zunahme für die Kälber und prädestiniert Victoria, Talea, Dissi, Viola und die übrigen für die Mutterkuhhaltung, wie sie hier betrieben wird. Das Kalb bleibt bis zu elf Monaten an der Kuh, die nicht gemolken wird. Für die Zucht ist es dank Forschungsfortschritten möglich, mit sogenanntem gesextem Sperma weibliche Nachkommen hervorzubringen. In absehbarer Zeit werden die Limousinrinder in die Stallungen des Nachbarn umziehen, der in Rente ist. Sie können dann sommers wie winters zwischen dem Aufenthalt im Stall oder der Weide wählen. Dank einer Kamera kann derzeit ein Blick aus einem Aufenthaltsraum auf die Tiere geworfen werden.

Einen anderen Beruf als Landwirt konnte Marten Köhler sich nie vorstellen. Zurzeit steckt der 30-Jährige in der Endphase der Meisterprüfung und schreibt an seiner Abschlussarbeit mit dem Titel: „Darstellung der Optimierungsmöglichkeiten der Milchviehhaltung im landwirtschaftlichen Unternehmen vor dem Hintergrund der Rentabilität und der arbeitswirtschaftlichen Situation". Themen wie Wirtschaftlichkeit und Rentabilität werden zurzeit wieder von Bauern, die mit Treckern vor Lebensmittelketten demonstrieren, ins Bewusstsein gerückt.

Genüsslich wiederkäuend liegen die Schwarzbunten Capri, Hermine, Echo, Lajana und fast alle anderen. Ab und zu wandert eine zur rotierenden Bürste und lässt sich den Rücken massieren. Frischluft durchströmt den Stall. Im Sommer bringen in Hitzeperioden riesige Ventilatoren unter der Decke Kühlung. Die Kühe kommen in den Genuss, Musik zu hören und haben am Musikgeschmack der Hofbesitzer nichts auszusetzen, sagt Marten Köhlers Mutter Ute. Automatisch räumt „Discovery“ einen großen Teil der Fladen beiseite, was die Stallreinigung morgens und abends vereinfacht. „Juno“ hingegen, ein weiterer technischer Helfer, schiebt alle zwei Stunden den Kühen Futter vor die Mäuler in die Futterrinne.

Hof Köhler

Die Augen links: Schwarzbunte Milchkühe sind durchaus neugierige Tiere und damit wahrhaft dankbare Fotomodelle.

Foto: TAMMO ERNST

Neben den Ohrnummern bekommt jedes Tier nach der Geburt einen Namen, beginnend mit dem Buchstaben der Mutterkuh. Nach kurzem Aufenthalt wechseln die Kälber aus den Schutzboxen, die sie nach der Geburt beziehen, in Gruppen bis zu jeweils sechs in ihr geräumiges Quartier mit Stroh. Zehn Wochen lang trinken sie wann immer sie wollen Milch. Dann wird nach und nach umgestellt auf Heu, Kraftfutter und Mischrationen. Im ehemaligen Strohstall sind die Kühe separiert, die vor dem Kalben stehen. Auch hier wacht ein Kamera-Auge.

Nach Marten Köhlers Ururgroßvater, der 1918 Haus und 70 Morgen Land (rund 16,5 Hektar) kaufte, übergab als Zweiter in der Ahnenreihe der Urgroßvater, der Hühner gehalten hatte, die Landwirtschaft 1988 an die Tochter Alma und deren Ehemann Günther. Martens Eltern, Johann und Ute, schafften dann, als im Jahr 2000 ihre Ära begann, die Mastschweine ab und bewirtschafteten 58 Hektar. Sie stockten die Herde von 45 Kühen nach und nach auf, um sich auf Milchwirtschaft zu spezialisieren. Marten Köhler machte nach dem Schulabgang und der Ausbildung auf Lehrhöfen erst einmal einen halbjährigen Trip durch Neuseeland und gründete 2019 mit seinem Vater die Köhler K.G. – 106 Hektar werden inzwischen als Acker- und Weideland genutzt.

Hof Köhler

Nebenprodukt eins: Nachbarn aus dem Dorf liefern Waren zum Verkauf.

Foto: TAMMO ERNST

Heutzutage kämen die Altvorderen nicht aus dem Staunen heraus, sähen sie, dass die Kühe bis zu drei Mal täglich in den Milchroboter treten, wo sie nach der vollautomatischen Säuberung der Striche und des Euters gemolken werden. Wenn sie gemolken sind und das Wetter es zulässt, öffnet sich das Selektionstor und sie können auf die Weide. Der Roboter registriert sämtliche Daten aus dem Sender am Halsband der Kuh mithilfe von Ultraschall, Laser und optischen Sensoren, gibt Hinweise bei Unregelmäßigkeiten wie zum Beispiel Fieber. Kommen Tiere seltener, sind eventuell Klauenbeschwerden schuld, und das würde rechtzeitig erkannt. Klauenpflege im Desinfektionsbad ist unerlässlich und das Beschneiden durch einen Fachmann regelmäßig nötig.

Gemessen werden während des Melkvorgangs Milchtemperatur, Inhaltsstoffe und Milchmenge. Zwei dieser automatischen Melksysteme, die geleast werden können, sind im Einsatz. Sie kosten bei Kauf zwischen 50.000 und 150.000 Euro. Kraftfutter wird als Lockmittel tierindividuell dosiert. Besonders dieser „freie Kuhverkehr“ erleichtert die Arbeit und führt für die Hofbetreiber zu mehr „Menschenwohl“, weil der Zwang der Melkzeiten wegfällt. Die nur wenige Kilometer entfernte Molkerei Asendorf holt alle zwei Tage die Milch. Bullenkälber werden verkauft. Zweimal jährlich gehen je zwei Rinder zum Schlachter nach Sulingen. „Das geschieht ohne Stress auf dem kurzen Weg dahin“, betont Marten Köhler.

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Nebenprodukt zwei: Im Hofladen wird auch Käse angeboten.

Foto: TAMMO ERNST

Seit kurzer Zeit werden im Hofladen regionale Produkte angeboten. Frischfleischpakete zu zehn, 15 oder 20 Kilo können zu den Schlachtterminen vorbestellt werden. Außerdem sind Wurstwaren und von den frei laufenden Hühnern sind Eier im Angebot. Eine mobile Käserei holt neuerdings Milch ab und fertigt daraus diverse Schnittkäsesorten. Dörfler liefern Apfelsaft, Marmelade und Honig. Katzen strolchen umher, und die beiden Hunde Spike und Keny sind gut Freund mit allen tierischen Bewohnern. Sie strömen die gleiche friedvolle Gelassenheit aus, die über dem ganzen Anwesen der Landwirtsfamilie Köhler liegt.

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Nebenprodukt drei: Limousinkühe sind Fleischrinder.

Foto: TAMMO ERNST
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