Handball Jung, schnell, meisterlich

Die HSG Bruchhausen-Vilsen/Asendorf ist Meister der Regionsoberliga. Damit gerechnet hatte die Truppe von Trainer Andreas Schnichels allerdings nicht.
08.05.2019, 18:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Erfolg lässt sich nicht immer planen. So war es auch bei den Handballerinnen der HSG Bruchhausen-Vilsen/Asendorf. „Wir sind nicht in die Saison gegangen und haben gesagt 'Wir werden jetzt Meister'. Das hat sich über Monate entwickelt“, sagt Trainer Andreas Schnichels. Aber wie sollte er auch im Vorfeld vom Titel sprechen? Vilsen hatte sich in den vergangenen Jahren nicht gerade aufgedrängt, um von der Konkurrenz in der Regionsoberliga als Anwärter auf den Landesklassen-Aufstieg wahrgenommen zu werden: Siebter, Dritter und Fünfter waren die Platzierungen der Vorjahre. Freilich nicht schlecht, aber auch nicht wirklich ganz nah dran am großen Wurf. Und doch hat die HSG jetzt den Titel gefeiert – und das in beeindruckender Manier mit 17 Siegen aus 18 Partien. Das Endspiel um Rang eins gewann die Schnichels-Sieben gegen den punktgleichen TSV Morsum II mit 32:23 (17:12). Ein Meisterstück – im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach der Partie stieg in Vilsen eine große Sause. „Open End“, lacht Schnichels. Diese Momente der Euphorie und der Freude saugte die HSG regelrecht auf, rund 250 Zuschauer feierten mit. „Das war Wahnsinn. So eine Atmosphäre bei einem Frauen-Handballspiel ist etwas Besonderes“, stimmten die Rahmenbedingungen an diesem für die HSG historischen 4. Mai. Die Erkenntnis, dass es was werden könnte mit dem Titel, war zu diesem Zeitpunkt natürlich bereits gereift. Vilsen war über die Regionsoberliga hinweggefegt, hatte 14 Siege in 14 Spielen gefeiert. „Mit so einer Bilanz kommt man nicht mehr darum herum, sich mit der Meisterschaft zu beschäftigen. Da muss man das Wort gar nicht in den Mund nehmen“, weiß Schnichels, der eine Instanz ist bei der HSG. Vor der Saison kehrte er als Nachfolger von Axel Blume auf die Trainerbank bei den Frauen zurück. Seine Spielerinnen kennt er seit vielen Jahren. Und auch die Akteurinnen selbst waren sich nicht fremd. Gemeinsam legten alle während der Saison eine Entwicklung hin: „Wir sind als Team richtig zusammengewachsen. Das war wie eine Familie.“

Eine Familie, die zweifelsohne mit viel Talent gesegnet ist, aber eben auch eine sehr junge Familie. „Wir hatten ein Durchschnittsalter von 21,9 Jahren. Schon deshalb kann man nicht so offensiv vom Titel sprechen. Wir wollten einfach guten und neuen Handball spielen“, verdeutlicht Schnichels die Zielsetzung vor Saisonbeginn. Drei verschiedene Abwehrformationen beherrscht die HSG, die vornehmlich mit einer 3-2-1-Deckung ihre Gegnerinnen zur Verzweiflung brachte. Dazu kommt eine enorme Schnelligkeit. Vilsen kann ein hohes Tempo gehen – und das über 60 Minuten. „Wir haben nicht die Rückraum-Shooter, wir kommen aus dem gebundenen, konzeptionellen Spiel und machen die Tore. Daraus ziehen wir unsere Kraft“, erläutert der Coach. Auch in Eins-gegen-eins-Duellen macht er eine Stärke seines Teams aus.

Diese Mischung war zu viel für die Regionsoberliga-Konkurrenz. Schritt halten konnten nur die Morsumerinnen, die der HSG im Hinspiel die einzige Niederlage der Saison beibrachten, und der TSV Daverden, der Ende März nach der 21:24-Niederlage gegen Vilsen abreißen lassen musste. Zwischen diesem dritt- und dem vorletzten Spieltag lag eine vierwöchige Pause – und damit eine Zeit der Ungewissheit. „Es war unsere größte Leistung, dass wir es da geschafft haben, den Faden direkt wieder aufzunehmen. Das hätte ich mir nicht träumen lassen“, zollt Schnichels seiner Mannschaft großen Respekt für diese mentale Stärke.

In dieser Phase fehlte bereits die erste Torfrau Marisa Herzig, die sich eine Bänderverletzung zugezogen hatte und auch für die beiden letzten Spiele keine Option mehr war. Für sie sprangen junge Talente in die Bresche: Neele Raaf und Elisa Puvogel zeigten eindrucksvoll, dass in Vilsen die Torhüterausbildung nicht auf der Strecke bleibt. Besonders gegen Morsum lieferte Raaf eine überragende Vorstellung ab. „Sie hat uns mitgerissen“, lobte Schnichels die Torfrau, die aus einem Team, das beim Saisonfinale auf den Punkt eine Topleistung abrief, gemeinsam mit Ida Malin Schumacher, die in der Verteidigung enormen Druck auf den Morsumer Rückraum ausübte, und Jeannette Eiskamp, die 16 und damit die Hälfte aller Treffer zum Sieg beisteuerte, herausragte. Besonders auf Eiskamp ruhten große Hoffnungen, schließlich hatte sie bei der HSG Nienburg, von der sie zurückgekehrt war, bereits Landesliga-Erfahrung gesammelt. Sie war definitiv ein Schlüssel zur Meisterschaft.

Allerdings – und das soll die Leistungs Eiskamps keinesfalls schmälern – einer von vielen. Die HSG erntet die Früchte ihrer Jugendarbeit. Schon jetzt haben einige A-Jugendliche bereits im Seniorinnenbereich tragende Rollen übernommen. Und auch in Zukunft rücken Talente nach wie Melanie Ginder, die in der seit gut zwei Jahren ungeschlagenen A-Jugend zur besten Torschützin avancierte. Die B-Jugend sicherte sich in der Meisterrunde Rang zwei, die C-Jugend verpasste die Qualifikation zur Oberliga nur knapp und spielte dann eine solide Landesliga-Runde. Die Erfolge des Frauenteams fußen auf der guten Jugendarbeit. Erfolg ist also doch planbar – zumindest ein bisschen.

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