„Känguru der Mathematik“

100 Prozent

Dalia Wicke-Haß hat beim Wettbewerb „Känguru der Mathematik“ Außergewöhnliches geschafft: Sie blieb fehlerfrei. Konkurrenz hat die Asendorferin im eigenen Heim: ihre Schwestern Tabea und Joana.
08.05.2021, 08:03
Lesedauer: 4 Min
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100 Prozent
Von Micha Bustian
100 Prozent

Vielseitig talentiert: Die Asendorfer Schwestern Dalia (links) und Tabea Wicke-Haß vom Gymnasium Bruchhausen-Vilsen räumten beim Wettbewerb "Känguru der Mathematik" ab.

Michael Galian

Bruchhausen-Vilsen. Die Konkurrenz war groß. Allein in Deutschland nahmen etwa 300.000 Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb „Känguru der Mathematik“ teil. Am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen waren es circa 60. Keine überragende Zahl, dennoch herrschte anschließend große Freude an der Schule. Denn: Die Achtklässlerin Dalia Wicke-Haß gewann einen der bundesweit vergebenen ersten Preise, ihr große Schwester Tabea landete auf einem der dritten Plätze und damit auch unter den führenden vier Prozent deutschlandweit.

„Dass ihr gut in Mathe seid, kann ich ja euren Zeugnissen entnehmen“, beginnt Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen ihre Lobesrede. Es sei allerdings beeindruckend, dass sich die beiden Schwestern aus Asendorf so frei in der Mathematik bewegen könnten. „Viele Schüler wollen das gar nicht.“ Für Dalia (13) und Tabea (15) gilt das nicht. „Sie knobeln auch gerne“, weiß ihre Mutter Bianka zu berichten. Und die Aufgaben für das Mathe-Känguru gehen eindeutig in diese Richtung. Hilfsmittel sind nicht erlaubt, nur Zettel und Stift.

30 von 30 Aufgaben hat Dalia Wicke-Haß richtig beantwortet, damit erreichte sie am Ende 150 von 150 Punkten. „Dies haben in ihrer Jahrgangsstufe in diesem Jahr von circa 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur 36 geschafft“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gymnasiums. Bereits seit der Grundschule nehmen Dalia und ihre Schwester an diesem Wettbewerb teil. Und ihr Erfolg wundert Benjamin Stumpe überhaupt nicht.

Der Leiter der Fachschaft Mathe am Gymnasium Bruchhausen-Vilsen hat die beiden Asendorferinnen schon länger im Blick. Durch die Begabtenförderung. Dabei verlassen Schüler ihre eigene Lerngruppe und und gehen in eine andere Klassenstufe, um zu sehen, was dort passiert. Auch die Outside-The-Box-Arbeitsgemeinschaft soll wieder ins Leben gerufen werden. Darin sollen die Pennäler unter Betreuung eines Mentors eigene Projekte entwickeln, gegebenenfalls externe Experten hinzuziehen. Eigene Ideen, eigene Organisation, eigene Bearbeitung. „Die Lehrer begleiten die Schüler dabei nur beratend“, sagt Benjamin Stumpe.

Es wird klar, dass das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen seine potenziellen Mathematiker fördert. Doch woher kommt das Talent von Dalia und Tabea Wicke-Haß? Von den Eltern? „Nein“, antwortet Mutter Bianka mit einem Lachen. „Mein Mann und ich haben nur einen Realschulabschluss.“ Aber eine Großmutter und eine Tante der beiden können gut mit Zahlen umgehen. Und auch die kleine Schwester Joana sei Mathe-Jahrgangsbeste an ihrer Schule. Lisa Peitzmeier-Stoffregen ergänzt: „Sie ist ganz knapp an einem Sonderpreis vorbeigerauscht.“

Bianka Wicke-Haß ist zufrieden mit ihren Töchtern. Ehrgeizig seien sie. Und fleißig. Auch für Benjamin Stumpe ist „Begabung nicht nur Talent allein“. Die beiden Hochgelobten sitzen derweil eher schüchtern neben ihrer Mama und sprechen nur, wenn sie gefragt werden. Von Überschwang ob des Erfolgs keine Spur. „Ich freue mich“, sagt Tabea. „Und ich freue mich noch mehr, weil auch meine Schwester so gut abgeschnitten hat.“ Die hingegen gibt zu, bei der einen oder anderen Aufgabe durchaus unsicher gewesen zu sein. Berufswünsche hegen beide noch nicht. „Mein Ziel ist es, ein gutes Zeugnis zu bekommen, damit ich für jeden Job, den ich ergreifen möchte, in Frage komme“, erklärt Dalia.

Beide sind auf einem guten Weg zu diesem Ziel. Ihr Notendurchschnitt hat eine „Eins“ vor dem Komma, auch in Sachen Sport und Sprachen haben die beiden durchaus ihre Stärken. Vor allem aber brillieren sie in den sogenannten Mint-Fächern, in Technik, Naturwissenschaften, Informatik und natürlich Mathematik. Und da wartet ab der neunten Klasse ein neuer Wettbewerb: die Mathe-Olympiade. Benjamin Stumpe setzt dabei voll auf die Teilnahme von Dalia Wicke-Haß. „Und ich glaube nicht, dass ich sie dazu lange überreden muss.“

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Zur Sache

Was die Mathematik mit dem Känguru zu tun hat

Die Idee für einen Multiple-Choice-Wettbewerb in der Mathematik hatte einst Peter O’Holloran. Laut Internet-Lexikon Wikipedia startete der vom Mathematiklehrer aus Sydney initiierte Test im Jahre 1978 - und wurde zu einem großen Erfolg. Satte 120.000 Schüler nahmen an der Erstauflage teil, die noch auf Australien begrenzt war. Bereits nach wenigen Jahren nahmen auch viele Länder aus der Südpazifikregion teil.

Anfang der 1990er-Jahre entdeckten die französischen Mathematiklehrer André Deledicq und Jean Pierre Boudine den Test. Sie beschlossen, auch in Frankreich einen solchen Wettbewerb zu veranstalten. Den australischen Erfindern zu Ehren wurde der Test „Kangourou de Mathématique“ getauft. „Känguru der Mathematik“, weil das Beuteltier ja nirgendwo anders vorkommt als in Down Under.

Die Zahl der teilnehmenden Länder wuchs stetig. 1994 wurde der internationale Verein „Kangourou sans frontieres“ gegründet, „Känguru ohne Grenzen“. Der Verein mit Sitz in Paris befasst sich seitdem mit der internationalen Koordinierung des Wettbewerbs und vor allem mit der Vorbereitung der Aufgaben.

Dann ging es Schlag auf Schlag: 1995 wurde der Wettbewerb in Frankreich, den Niederlanden, Polen, Deutschland, Weißrussland, Tschechien, Ungarn, Moldawien, Nord-Mazedonien, Rumänien, Russland und Spanien ausgetragen. 1996 folgten Großbritannien und Nordirland, 1997 Italien, Slowenien, die Slowakei und die Ukraine, 1999 Österreich, Schweden und Kroatien. Nach der Jahrtausendwende kamen Venezuela, die USA, Kasachstan, die Schweiz, Kanada, Brasilien, Dänemark, Saudi-Arabien und China dazu. Obwohl die Wurzeln des Mathematik-Kängurus in Australien liegen, nimmt das Land erst seit 2019 am internationalisierten Wettbewerb teil.

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