Kultur in Corona-Zeiten

Neue Normalität trifft Kultur

Mit Varieté und mittelalterlichen Weisen bot das Kulturhaus BO in Asendorf erstmals wieder Kultur. Unter Corona-Bedingungen unterhielten Varius Coloribus und Opus Furore das Publikum.
24.05.2020, 14:41
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch
Neue Normalität trifft Kultur

Das Duo Opus Furore, hier Michael Liermann im Bild, sorgte mit seiner feurigen Jonglage für Begeisterung.

Michael Galian

Asendorf. Künstler nach Asendorf zu holen, mitten in der Corona-Krise, das gelang Dominik Wrhel von Panem et Circenses jetzt als einem der Ersten im Landkreis. Das Kulturhaus BO bot am Donnerstag und Freitag nach wochenlanger Durststrecke wieder Kleinkunst und Musik. Vor dem Hören, Sehen und Genießen stand aber erst einmal das, was inzwischen als „neue Normalität“ Einzug im Sprachgebrauch gehalten hat: Name, Adresse und Telefonnummer werden notiert, um eine eventuelle Infektionskette verfolgen zu können. Der Platz wurde zugewiesen, mit dem gebotenen Abstand zum nächsten Zuschauer. Getränke holte sich jeder selbst, die Laufwege waren gekennzeichnet. Speisen wurden serviert – mit Maske, wie vorgeschrieben. Leere Teller und Gläser deponierte der Gast in bereitgestellten Rollwagen.

Eine Chillout-Area mit riesigem Sonnensegel und – dank des Sandes unter den Füßen – Strandcharakter, lud die Besucher im BO ein. Das Duo Varius Coloribus, alias Morlan und Sackwahn, beide wechselnd an Trommel und Sackpfeife, eröffneten das Freiluft-Spektakel mit mittelalterlichen Weisen. An den Knöcheln Schellenkränze, die Füße in Schnabelschuhen, gewandet wie fahrende Gaukler, machten sie mit schillerndem Aussehen ihrem Namen alle Ehre. Die unterschiedlichen Dudelsäcke – teilweise von Sackwahn, Nils Plogstedt, selbst gebaut – wurden von der mit einem Krummholz und Stöckchen geschlagenen Trommel begleitet. Per „Fußbetrieb“ kam noch das Scheppern von blechernen Tellern hinzu. Wenn Künstler ihren Obolus anschließend vom Publikum erhalten, ist dies normalerweise als „Hutkonzert“ bekannt. Diesmal diente der Blechteller als „Sammelbecken“. Überschaubar war leider die Publikumsmenge am Abend, es gab allerdings schon am Nachmittag Vorstellungen. Vielleicht war die sehr kurzfristige Bekanntmachung der Veranstaltung der Grund, dass nicht mehr Zuschauer das Bemühen des Veranstalters honorierten.

Weiter ging es mit Opus Furore, gegründet 1998, von Michael Liermann und Michael Braun, zwei studierten Künstlern, gebürtig aus dem Schwarzwald. Sie sorgten getreu ihres Künstlernamens für Aufsehen und Wirbel mit ihrer Jonglage. Gekleidet im Stil der 1920er-Jahre, Knickerbocker, Weste, Fliege, Kappe, untermalt von Swing aus der Musikbox, flogen bis zu sieben Keulen hin und her. Der Clou der Show, die als Varieténummer höchste Anerkennung verdient, ließ das Publikum staunen. Ohne die Jonglage zu unterbrechen, entledigten sich die beiden Akteure nach und nach sämtlicher Kleidungsstücke. Als sie sich lediglich nur noch in Badehose vor Publikum präsentierten, war das allerdings nicht der Schlusspunkt. Nein, nun starteten sie, Hose, Hemd, Weste, Fliege, Kappe während der Jonglage wieder anzuziehen. Selbst Schuhe und Kleidung wurden zusätzlich mitsamt den Keulen jongliert. Begeisterung machte sich im Publikum breit.

Mit Einbruch der Dämmerung, unterstützt von den beiden Musikern, zeigten Opus Furore dann ihre Show mit brennenden Fackeln. Besonders war dabei, Rücken an Rücken zu stehen und die drei Fackeln des Partners zu fangen. Liermann, in der Region auch vom Schnürschuh-Theater Bremen bekannt, schloss den Abend als Feuerschlucker. Es gehört schon eine Portion Ironie dazu, die Acts „heiße Küsse“ oder „gebrannte Mandeln“ zu nennen. Dudelsackspieler Nils Plogstedt hat nie Feuer geschluckt, früher allerdings auch mit Fackeln jongliert. Das beendete er, nachdem er selbst Feuer fing und schwere Verbrennungen erlitt. Ihm sind seine Dudelsäcke bedeutend lieber – und wesentlich ungefährlicher sind sie auch.

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