Leichtathletik

Neele Eckhardt schöpft ihr gesamtes Potenzial aus

Die gebürtige Asendorferin Neele Eckhardt überrascht bei der Hallen-Europameisterschaft in Polen im Dreisprung mit dem dritten Platz.
08.03.2021, 15:49
Lesedauer: 2 Min
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Neele Eckhardt schöpft ihr gesamtes Potenzial aus
Von Jannis Klimburg
Neele Eckhardt schöpft ihr gesamtes Potenzial aus

Total stolz und gleichzeitig erleichtert: Die gebürtige Asendorferin Neele Eckhardt bejubelt bei der Hallen-EM im polnischen Torun den dritten Platz und die Olympia-Teilnahme.

Gladys Chai von der Laage

Ein Talent ist Neele Eckhardt schon lange nicht mehr. Dafür ist die Dreispringerin mit ihren 28 Jahren schlicht und einfach schon viel zu erfahren. Dafür hat die gebürtige Asendorferin, die mittlerweile für die LG Göttingen startet, auch schon viel zu viele Wettkämpfe gewonnen, ist bei zu vielen großen Wettkämpfen gestartet. Doch in gewisser Weise verfügt sie noch über ein paar Eigenschaften eines Talents. Denn diese neigen oftmals dazu, ihr komplettes Potenzial nicht immer auszureizen. Doch am späten Sonntagabend war im polnischen Torun alles anders. Bei der Hallen-Europameisterschaft brachte Eckhardt ihre ganzen PS auf die Strecke, sprang im dritten Versuch 14,52 Meter weit und sicherte sich damit am Ende die viel umjubelte Bronzemedaille. Und was noch viel wichtiger war: Sie hat die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio erfüllt.

„Natürlich hat sie sich über die Bronzemedaille gefreut. Sie war absolut glücklich, musste das aber auch erst einmal realisieren“, erzählt ihr Trainer Frank Reinhardt, der per Livestream das Geschehen von zu Hause aus verfolgte und im Anschluss direkt mit seinem Schützling telefonierte. „Allerdings ist das natürlich auch etwas bitter, wenn du nur hauchzart an der Goldmedaille vorbeigeschrammt bist.“ Lediglich einen Zentimeter blieb Eckhardt mit ihrer persönlichen Bestweite von 14,52 Metern hinter der Siegerin Patricia Mamona und musste sich der Zweiten, Ana Peleteiro, lediglich durch den Vergleich der zweitbesten Sprünge geschlagen geben (14,34 Meter zu 14,18 Meter).

Natürlich schaute sich auch ihre ehemalige Asendorfer Trainerin Ute Schröder den Wettkampf im Livestream an. „Sie ist ja quasi wie ein Kind für mich. Ich habe total mitgefiebert und mich dann auch unglaublich für sie gefreut“, berichtet die Übungsleiterin, die schon bei den ersten beiden Sprüngen ein gutes Gefühl bezüglich der Leistung Eckhardts hatte. „Beim Anlauf habe ich schon gesehen, dass sie mit ordentlich Tempo unterwegs ist. Der zweite Versuch war ja auch schon sehr weit. Da dachte ich mir: Da geht heute was. Und den dritten Versuch hat sie dann optimal getroffen und ist endlich mal richtig geflogen. Das war eine Bombenleistung von Neele“, lobt sie ihren ehemaligen Schützling. „Und das ist jetzt extrem befreiend für sie, weil sie die Norm gepackt hat. Der Druck ist endlich weg.“

Und weil die Jura-Studentin aus Göttingen nun definitiv in Tokio dabei sein wird, darf Trainer Frank Reinhardt seinen ganzen Trainingsplan über Bord werfen. „Eigentlich hätten wir uns ab Mai einige Meetings überall auf der Welt ausgesucht, um dort die Norm zu knacken und noch Punkte für das Wertesystem zu sammeln. Aber das brauchen wir jetzt zum Glück nicht mehr.“ Zur Erklärung: Insgesamt 24 Athletinnen haben bislang die Norm im Dreisprung für Olympia geknackt, doch 32 Teilnehmerinnen werden dann an den Start gehen. Wenn bis dahin nicht noch acht weitere Dreispringerinnen die Norm erfüllen, wird über das Wertesystem aufgefüllt. Und diese Punkte lassen sich eben bei diversen internationalen Meetings sammeln.

Reinhardt selbst hat schon beim Anlauf und beim ersten Absprung gesehen, dass der dritte Versuch von seinem Schützling richtig weit gehen kann. „Sie konnte die Handbremse lösen und hat dann eine wahre Rakete gezündet“, beschreibt der Trainer, der seinem Schützling jetzt erst einmal eine Woche Regeneration gönnt. „Dann müssen wir an der Athletik arbeiten und nachfolgend noch an ein paar wenigen Stellschrauben drehen. Zum Beispiel was den Übergang vom Anlauf in den ersten Absprung betrifft“, unterstreicht Reinhardt.

Mit diesem ausgeprägten Perfektionismus ist dann vielleicht auch eine Überraschung in Tokio möglich. Genügend Potenzial scheint auch als Routinier bei Neele Eckhardt noch vorhanden zu sein. Und das sie dabei eine ordentliche Weite erreichen kann, hat sie in Torun ja bewiesen.

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