Meditieren in Asendorf

Ein buddhistisches Kloster in Asendorf

Der Kauf eines Bauernhofs vor zehn Jahren bildete den Grundstein für die Gründung von „Hokuozan Sogenji“. Es ist das einzige buddhistische Kloster in der Region.
08.04.2020, 17:23
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Von Ilias Subjanto
Ein buddhistisches Kloster in Asendorf

Meditiert in der Kleinen Halle ihres buddhistischen Klosters: Sabine Huskamp.

Vasil Dinev

„Nordeuropa Kloster“ lautet die Bezeichnung der Gebäude im Asendorfer Süden – die deutsche Übersetzung des offiziellen japanischen Namens „Hokuozan Sogenji“. Es handelt sich um das einzige buddhistische Kloster in der Region.

Gegründet wurde das Kloster vor gut zehn Jahren. Anfang Mai 2010 erwarben Sabine Huskamp und ihr Mann den alten Bauernhof unweit der Kuhlenkamper Beeke. „Die Lage ist ideal“, erzählt die gebürtige Bremerhavenerin: ruhig, abgelegen und groß genug.

Dem Kauf war eine lange Suche vorausgegangen. In anderen Gemeinden habe Huskamp vielfach Bedenken gespürt für ihr Vorhaben, ein Kloster nach der Schule des Zen-Buddhismus zu gründen. „In Asendorf waren wir aber von Anfang an sehr willkommen“, freut sie sich.

Sehr angenehm findet sie es in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, es bestehe auch ein guter Kontakt mit der Nachbarschaft. Nach dem Erwerb stand eine Menge Arbeit an: Die Dächer, Heizkörper sowie Strom- und Wasserleitungen mussten erneuert werden. Kuh- und Schweineställe wurden zu Gruppenräumen für die Meditation ausgebaut. „Zum Glück war die Bausubstanz noch in einem guten Zustand“, erinnert sich Huskamp.

Im Sommer 2013 konnte sie schließlich das buddhistische Kloster „Hokuozan Sogenji“ eröffnen. Zunächst habe Huskamp den Hof für viel zu groß für ein Kloster gehalten. Nun zeige ihr der rege Besuch, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, auf den Rat ihres japanischen Zen-Meisters Shodo Harada gehört zu haben, in Norddeutschland ein Zen-Kloster zu eröffnen. „In Europa wird viel los sein“, habe dieser ihr einst gesagt.

Rund 20 Jahre und damit ihre gesamte Jugend hatte Sabine Huskamp im Kloster von Harada im japanischen Okayama verbracht. Er sei der Ansicht gewesen, dass es für sie gut wäre, „zu den eigenen Leuten zurückzukehren“ und ihr erworbenes Wissen mit ihnen zu teilen. Huskamp folgte Haradas Empfehlung, ohne die sie wahrscheinlich immer noch in Japan leben würde, wie sie zugibt.

„Hokuozan Sogenji“ sei kein Orden und kein Kloster im religiösen Sinne, betont Huskamp. Vielmehr handele es sich um eine Begegnungsstätte, die Menschen aller Glaubensrichtungen offenstehe. „Ein Ort, um sich zu sammeln und sich innerlich zu stärken“, erklärt die Gründerin. Auch hebt sie hervor, dass der Zen-Buddhismus keine Religion, sondern eine Lebensphilosophie sei, bei der die Besinnung und das Füreinanderdasein im Mittelpunkt stehe.

In der Großen Halle auf Huskamps Hof können heute 120 Personen meditieren. Kissen liegen dazu auf dem Holzboden bereit, an den Wänden hängen Banner mit japanischen Schriftzeichen. Eine Heizung soll hier installiert werden, um die Große Halle auch im Winter nutzen zu können, erläutert Huskamp. In der kalten Jahreszeit stehe sonst nur die Kleine Halle mit Platz für 80 Menschen zur Verfügung.

Das Meditieren läuft in jeweils 25-minütigen Sessionen ab. Diese können eine Gesamtdauer von bis zu sieben Stunden annehmen. „Das wird dann schon ein bisschen anstrengend“, sagt Huskamp über die sogenannte schweigende Meditation. „Dabei geht es darum, den eigenen Atem zu beobachten, um das Hier und Jetzt erleben zu können“, beschreibt sie in kurzen Worten die spirituellen Übungen.

Immer montags finden sich Meditationsanhänger aus der näheren Umgebung in Huskamps Kloster ein, um diesen Übungen nachzugehen. „An den Wochenenden kommen Menschen von weiter weg, aus Bremen, Hamburg und Hannover“, berichtet die Gründerin. Und fünf Mal im Jahr sind Besucher aus ganz Europa zu Gast, wenn ihr Zen-Meister Harada aus Japan nach Asendorf gereist ist.

Bei „Hokuozan Sogenji“ wird nicht nur meditiert – auch wird hier die Kunst des japanischen Bogenschießens praktiziert. Das sogenannte Kyūdō unterscheidet sich sehr vom westlichen Bogenschießen. Neben der besonderen, teils spirituellen Übungsmethodik unterscheidet sich der asymmetrisch geformte Bogen auffällig von westlichen Sportbögen.

Sabine Huskamps Denken und Handeln ist noch immer geprägt von der japanischen Kultur. „In Deutschland werden die Dinge sehr selbstbezogen betrachtet, in Japan steht viel mehr die Gemeinschaft im Vordergrund“, sagt sie über die Unterschiede der beiden Kulturen. Während in Deutschland bei Fragen immer nach klaren und deutlichen Antworten gesucht werde, sei man in Japan mehr auf den Ausgleich bedacht. In Japan gebe es dafür weniger zwischenmenschliche Offenheit. „Dort ist es schwierig, einem Menschen wirklich nahe zu kommen“, sagt Huskamp, die selber fließend Japanisch spricht. Andererseits nehme der Respekt in der japanischen Gesellschaft einen größeren Stellenwert ein als in der deutschen – insbesondere gegenüber älteren Menschen.

Für diese ältere Generation schmiedet Huskamp bereits Zukunftspläne in ihrem Kloster. Sie möchte ihr Haus ausbauen und eine Wohngemeinschaft für ältere Menschen einrichten. Das Meditieren sei für die Bewohner aber keine Pflicht, sagt Huskamp lächelnd.

Auch für die nahe Zukunft hat Huskamp bereits Vorhaben. Am 1. Mai soll in ihrem Kloster ein Tag der offenen Tür stattfinden, und für Mitte Mai hat sich ihr Zen-Meister Shodo Harada angekündigt. In der Corona-Krise stehen beide Veranstaltungen allerdings unter Vorbehalt der behördlichen Erlaubnis.

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