50 Jahre Kantorei Bassum

Das Ende einer schrecklichen Zeit

Mit einer Festwoche sollte das 50-jährige Bestehen der Bassumer Kantorei gefeiert werden. Corona machte das unmöglich. Am Sonntag wurde immerhin ein Gottesdienst samt Konzert in der Stiftskirche angeboten.
13.06.2021, 16:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Dorit Schlemermeyer / dos
Das Ende einer schrecklichen Zeit

50 Jahre Kantorei Bassum: Das feierten unter anderem Sopranistin Maria Schreyer und Tenor Alexander Schafft mit einem Konzert in der Stiftskirche Bassum.

Michael Galian

Bassum. Dass es ein besonderer Gottesdienst werden würde, zeigte schon die Kette mit den Plakaten der Kantoreiaufführungen rund um die Bassumer Stiftskirche. Das 50-jährige Bestehen der Kantorei sollte eigentlich mit einer großen Festwoche gefeiert werden. Ging nicht. Wegen Corona. Die Kantorei durfte nicht einmal auftreten und trotzdem wurde es dann noch ein äußerst feierlicher Gottesdienst mit einem dazu passenden feierlichen Auftakt: „Ehre sei Gott in der Höhe“, berührend und perfekt dargeboten von Sopranistin Maria Schreyer und Tenor Alexander Schafft.

Begleitet wurde das Gesangs-Duo von einem zwar kleinen, aber erstklassigen Orchester: Yu Mita, Miki Nagahara (beide Violine), Francisco Fernandes (Viola), Réka Adorjáni (Cello), Csenge Adorjáni (Oboe) und Ilja Kulikov sowie Ralf Wosch an der Orgel.

„Die Kantorei hat bei ihren Aufführungen die Seelen vieler Menschen zum Klingen gebracht“, bekundete Pastorin Ines-Maria Kuschmann in ihrer Begrüßung und bat die anwesenden Kantorei-Mitglieder, sich zu erheben. Man habe viel Grund, Danke zu sagen – dafür, dass gefeiert werden durfte, wenn auch anders als geplant. Der Psalm 100: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“, vorgetragen von Kantorei-Mitglied Anke Claus, trug diesen Gedanken zu den Besuchern.

Tenor-Rezitativ und Arie spiegelten anschaulich den tiefen Glauben Johann Sebastian Bachs wieder, der oft auch als der fünfte Evangelist bezeichnet wird. Die klare und schöne Tenorstimme von Alexander Schafft verlieh dieser Innigkeit des Komponisten tiefen Ausdruck.

In ihrer anschließenden Predigt skizzierte Kuschmann die historischen Hintergründe des Kantoreigesangs. Unter der Überschrift „Das Evangelium in die Welt tragen“ beschrieb die Pastorin die Anfänge, die ausschließlich dazu dienten, den Gottesdienst mit zu gestalten und auch noch keine Orchesterbegleitung hatten. Es wurden kleine Werke ohne Orgelbegleitung aufgeführt. „Singt und spielt den Herrn“ also.

In Bassum ist die Kantorei 1971 gegründet worden, und die erste Probe fand im Pfarrhaus statt. Seitdem folgten viele Aufführungen, die den guten Ruf der Kantorei weit über die Stadtgrenzen hinaus transportieren. Der besondere Dank Kuschmanns ging an die herausragende Arbeit der Kantoren. Angefangen bei Ernst Hörbe, hatte besonders Siegfried Rolfing einen maßgeblichen Anteil, ebenso wie die jetzige Kantorin Réka-Zsuzsanna Fülöp, die zusammen mit ihrem Mann Ralf Wosch die Kirchenmusik in Bassum gestaltet. „Réka ist die Chefin der Chöre, Ralf der Meister an der Orgel", beschrieb die Pastorin und übergab dann dass Wort an Fülöp. „Ich bin dankbar, dass dieser Beruf meine Berufung ist“, so die Kantorin ihn ihrer Ansprache. Für sie sei es eine große Ehre, mit Sängerinnen und Sängern zusammenarbeiten zu dürfen, die auch dank der Arbeit ihrer Vorgänger so ein hohes stimmliches Niveau erreichten. Sie beendete ihre Ansprache mit den Worten des Propheten Jesaja: „Aber alle, die die Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen.“

Dann war der Gottesdienst auch schon fast vorbei, aber die Besucher kamen noch einmal in den Genuss des wundervollen Gesangs von Schreyer und Schafft. Als die Duette verklangen, erhob sich das Publikum und spendete begeistert Applaus. Im Anschluss spendeten auch noch viele, um die knallgelbe Werbetasche der Kantorei mit der Chronik darin zu erwerben. Und wer der Kantorin genau zu gehört hatte, konnte noch eine frohe Botschaft vernehmen: „Es geht wieder los“.

Tatsächlich darf der Chor am Montag das erste Mal nach langer Zeit wieder singen. Ab 19.30 Uhr findet die Probe in der Stiftskirche statt, und auch neue Mitglieder sind willkommen. Ein Chormitglied zeigte seine Begeisterung über den Neustart: „Die Zeit ohne das Singen war schrecklich.“

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