Heinrich Stöver

Familie Feuerwehr

Als Heinrich Stöver aus Pestinghausen in die Feuerwehr eintrat, war noch vieles anders. Stöver mag die Kameradschaft innerhalb des Vereins. Für seine Treue wurde er jüngst geehrt.
03.04.2020, 17:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Micha Bustian
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Heinrich Stöver wurde (noch vor der Corona-Krise) von der Nordwohlder Feuerwehr für seine 70-jährige Mitgliedschaft geehrt. In dieser Zeit hat der Senior einiges erlebt.

Vasil Dinev

1926 ist Heinrich Stövers Mutter nach Pestinghausen gezogen. „Großvater hatte sich hier eine kleine Hütte gekauft“, erinnert sich Stöver. Er ist in dieser kleinen Hütte geboren und inzwischen 90 Jahre alt. Bodenständig nennt man das wohl. Und wenn jemand neun Zehntel eines Jahrhunderts auf demselben Grundstück lebt, hat er dort viel erlebt. Wie Stöver. Er ist kürzlich für 70 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr Nordwohlde ausgezeichnet worden.

1950 trat Heinrich Stöver in die örtliche Feuerwehr ein. Vieles war noch anders damals. Feuerwehrautos? Fehlanzeige! Ein Anhänger mit der Spritze stand in einem Schuppen, gezogen wurde das Teil im Notfall mit einem Trecker. Im Falle eines kaputten Schlauchs sei man „mit dem Eimer manchmal schneller“ gewesen, lässt Stöver wissen. Die technischen Möglichkeiten heutzutage sieht der Vater dreier Töchter als Erleichterung. „Die jungen Leute sind ja auch technisch bewandert.“

Eine Sirene allerdings habe es auch früher schon gegeben. Die war allerdings auch nur der Auslöser einer Benachrichtigungskette. „Dann kam ein Anruf rein und ich musste die Telefonkette in Gang setzen“, blickt Heinrich Stöver zurück. Ein Feuerwehrhaus, an dem sich die Brandbekämpfer vor Einsätzen trafen, gab es nicht. Jeder hatte seine persönliche Ausrüstung mit nach Hause bekommen. „Die lag entweder im Auto oder hing im Flur auf dem Haken.“ Das Gebiet, das die Flammenbändiger aus Nordwohlde abdecken mussten, war riesig, reichte von Fahrenhorst bis kurz vor Bassum. 17 oder 18 Einsatzkräfte standen zur Verfügung, heute sind es allein 40 Kinder und Jugendliche sowie 23 Alterskameraden.

Doch es waren andere Zeiten damals. In der Nordwohlder Dorfschule saßen vier Jahrgänge in einem Klassenraum. „Es lebten noch nicht so viele Leute auf dem Land“, weiß Heinrich Stöver zu berichten. Und wer auf dem Land lebte, der wurde Landwirt. Stöver auch. „Es gab damals keine Ausbildung dafür.“ Der Feuerwehr trat er 1950 bei, „weil ich helfen wollte“. Von 1962 bis 1980 agierte er als Ortsbrandmeister, obwohl er erst 1964 zum Brandmeister befördert wurde. 2017 ernannte der aktuelle Ortsbrandmeister Ralf Ebert zum Ehrenbrandmeister. Und jetzt also die Auszeichnung für 70-jährige Mitgliedschaft. Nicht die einzige übrigens: „Ich bin auch seit 70 Jahren Mitglied im Schützenverein. Was sollte ich damals denn anderes machen?“

„Heini“ Stöver fühlt sich wohl in der Feuerwehr. Über sein tragischstes Erlebnis mag er nicht reden. Aber er erinnert sich gut an einen Wettkampf beim Kreisfeuerwehrtag in Bassum, als der Nordwohlder Maschinist unbemerkt die Spritze hatte laufen lassen. „Das hat der Kampfrichter nicht bemerkt“, sagt der Senior mit einem Schmunzeln. Auch ein Einsatz will ihm nicht aus dem Kopf, an dem die Kameraden im Winter mit einem Trecker über einen zugefrorenen See fuhren. Heutzutage undenkbar.

Die Kameradschaft ist es, die Stöver an die Feuerwehr bindet. „Die ist wunderbar, vor allem bei den Alterskameraden.“ Gemeinsam würden Betriebe besichtigt, der Vorplatz des Gerätehauses gesäubert, Kaffee getrunken. Stövers Gattin Dora (85) backt, wie alle Ehefrauen der ehemaligen Flammenbändiger, Kuchen.

Heinrich Stöver hat die Leidenschaft für die Feuerwehr tief in seiner Familie eingebracht. Und die ist groß: Er hat drei Töchter, fünf Enkel und vier Urenkel. Eine seiner Töchter hat einen Feuerwehrmann geheiratet, einer ihrer Söhne ist auch bei den Blauröcken. Und ein Enkel Stövers hat es sogar bis zur Berufsfeuerwehr in Bremen gebracht. Viel Feuerwehr in der Familie. Aber ist das ein Wunder bei einem Mann, für den Feuerwehr auch Familie ist?

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