Neujahrskonzert in Bassum

Alphorn für Flachländler

Klaus Seyfahrt war zum zweiten Mal Gast in der Bassumer Stiftskirche. Gemeinsam mit Kreiskantor Ralf Wosch (Orgel) und Johann Günther (Posaune) spielte der Alphornist weihnachtliche Musik.
12.01.2020, 18:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker
Alphorn für Flachländler

Willkommen in der südbremischen Tiefebene: Klaus Seyfahrt und sein Alphorn sind in der Bassumer Stiftskirche durchaus Exoten.

Vasil Dinev

Bassum. Die Geschichte der Alphörner in der südbremer Tiefebene hat ein weiteres Kapitel. In der Bassumer Stiftskirche trafen sich Posaune, Orgel und Alphorn zum Neujahrskonzert. Kirchliche Weihnachtsweisen standen auf dem 90-minütigen Programm. Kreiskantor und Gastgeber Ralf Wosch spielte die Orgel, Johann Günther die Posaune und Klaus Seyfahrt blies ins Horn.

Die drei Musiker spielten mal solo, oft gemeinsam. Vor allem Seyfahrt wechselte dabei mehrfach die Position. So schulterte er unter den Blicken der 70 Besucher das 3,50 Meter lange Instrument und marschierte zwischen den grünen Kirchenbänken in den hinteren Teil der Kirche und sogar auf die Empore zur großen Orgel. Beim Spielen umfasste er das Mundstück mit beiden Händen, blies die Backen auf und los ging es. Das klang gut, vor allem, wenn er solo die Hirtenrufe spielte.

Mitte der 1990er-Jahre hatte der langjährige Blechbläser mit dem Alphorn begonnen. In seiner thüringischen Heimat gründete er ein Alphornquartett und hatte bereits internationale Auftritte. Auch in den eher alphorn-affinen Alpenländern Schweiz und Österreich trat er auf. Augenzwinkernd kündigte Wosch zu Beginn ein südländisches Instrument an. Tatsächlich hat es in Syke, passenderweise auf dem Hohen Berg, vor einigen Jahren eines der ganz wenigen niedersächsischen Alphornkonzerte gegeben. Und vor vier Jahren war Seyfahrt schon mal in Bassums Kirche bei und mit Wosch aufgetreten. Wosch hatte ihn vor einigen Jahren kennengelernt, und so kam der musikalische Alpinist aus dem Thüringer Wald nach Bassum.

Deutlich jünger als der 60-jährige Seyfahrt ist mit seinen 21 Jahren Johann Günther. Dass er bei der Bundeswehr Musik studiert und damit auch auf dem Weg zum Profimusiker ist, zeigte er nicht nur im Zusammenspiel mit den beiden. Solo strotzte er vor Tempo, Volumen und tönender Kompetenz. Derweil lag das Alphorn unter der Kanzel und Seyfahrt hörte von der Seite konzentriert zu. Beim generationsübergreifenden Zusammenspiel stimmten sie sich kurz ein, und nach dem gekonnten Ende gab es einen kurzen Klaps auf die Schulter. Verdient hatten sie es.

Früher seien Alphörner aus besonders geformten Bäumen gefräst und somit aus einem Stück gefertigt worden. Dünnwandig wegen des Klanges müsse es sein, erklärte Seyfahrt weiter. Seit etwa 40 Jahren gibt es Alphornkonzerte. „Mit der Orgel harmoniert es gut“, wusste Wosch schon vor der ersten Auflage des Zusammenspiels. Als Organist hat er deutlich mehr technische Möglichkeiten mit seinem Instrument. Das Alphorn dagegen hat weder Klappen noch Züge oder Ventile. Allein auf die Technik des Musikers kam es an. Etwas variieren konnte Seyfahrt, als er es mit einem Zwischenstück verlängerte und damit die Tonvielfalt erhöhte. Interessiert beobachtete es das Publikum. Später stellte sich Seyfahrt vier Stufen höher vor den Altar, wodurch die Wirkung noch größer wurde.

Wosch war, um an der großen weißen Orgel zu spielen, auf die Empore gegangen und hatte Günther mitgenommen. Sie waren damit nicht mehr im Blickfeld des Publikums. Da das vor vier Jahren für fragende Blicke gesorgt hatte, wurden sie per Kamera auf eine Leinwand übertragen.

Das wäre allerdings gar nicht nötig gewesen, denn das Konzert wirkte allein durch die Musik. Die war unter anderem von Ernest Bloch und Johann Sebastian Bach geschrieben worden und war festlich-kirchlich-melodiös. Zeitweise entstand eine meditative Atmosphäre und einige Besucher schlossen die Augen. Es war eine gute Zeit zum Innehalten und Entspannen und für manchen sogar zur Erbauung. Das Publikum war durchgehend mindestens im sechsten Lebensjahrzehnt. Das in Verbindung mit dem andächtigen Ort sorgte dafür, dass kein Smartphone zum Fotografieren oder gar Filmen gezückt wurde. Und doch dokumentierte ein Herr in Reihe fünf das Geschehen. Er zeichnete per Bleistift äußerst gekonnt und detailreich Kirchengewölbe, Altar und die Musiker samt Instrumenten. Auch das war Kunst.

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