Kontor Bock Hilfe, wenn der Schuh drückt

Anja Bock aus Dimhausen war jahrelang in Banken und Sparkassen tätig, kennt sie wie ihre Westentasche. Vor einigen Jahren machte sie sich selbstständig und greift dort unter die Arme, wo Not an der Frau ist.
01.03.2021, 17:53
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Hilfe, wenn der Schuh drückt
Von Tobias Denne

Bassum-Dimhausen. Wenn sie ehrlich ist, dann hatte Anja Bock das erste halbe Jahr überhaupt keine Lust auf Rechnungswesen. „Ich habe Rotz und Wasser geheult“, erzählt sie heute von ihrer Versetzung nach der Ausbildung bei der Deutschen Bank. Denn eigentlich wollte sie in den Vertrieb und nicht in das Rechnungswesen. Nach einem halben Jahr „hat es dann Klick gemacht und ich habe es geliebt und tue es immer noch“, sagt sie und schmunzelt. Das war Mitte der 1980er-Jahre in Bremen.

Die heute 54-Jährige sitzt in ihrem Wintergarten in Dimhausen. Die Sonne scheint durch die großen Fenster auf den Tisch. Karteikärtchen liegen auf der Platte, zwei iPads ebenso. Gerade ist die Hochzeit für Bock, immerhin sind die Sparkassen und Banken mit Jahresabschlüssen beschäftigt. Noch bis Ende März, dann entspannt sich die Lage wieder. Anja Bock hat sich vor neun Jahren selbstständig gemacht und bietet nun Geldinstituten Unterstützung an – wenn Mitarbeiter ausfallen, wenn Hilfe im Rechnungswesen gebraucht wird, aber auch bei der Fortbildung von Mitarbeitern ist sie aktiv. „Ich habe die Bandbreite von der Pike auf gelernt, das ist heute nicht mehr so“, sagt sie über die Ausbildung bei Banken und Sparkassen. Daher fehle oftmals der Nachwuchs, der sich mit den Programmen auskennt. Und da kommt Bock mit ihrem Kontor ins Spiel. Unter dem Namen Kontor-Bock bietet sie ihre Dienstleistungen an. „Der Begriff ist traditionell besetzt und bedeutet Zahltisch“, sagt sie. Als sie in Dimhausen aufwuchs, gab es noch einen kleinen Edeka-Laden. Der Besitzer ist immer „ins Kontor“ gegangen, wenn er was geholt hat. Das ist mittlerweile aber auch einige Jahrzehnte her.

„Ich habe viel Erfahrung, brauche keine Einarbeitung und kann sofort starten. Die Sparkassen arbeiten alle ähnlich“, weiß Anja Bock. Nach 18 Jahren bei der Deutschen Bank wechselte sie zur Bremer Sparkasse. Sie hatte eine Annonce im WESER-KURIER beim Bäcker gesehen, dass die Kasse eine Leitungsperson in der Bilanzierung suchte. „Das war ein Kulturwandel, da die Sparkassen konservativer sind“, sagt sie. Auch hier war sie ein halbes Jahr lang unglücklich, ehe es wieder Klick gemacht hat. Nach sechs Jahren wechselte sie in die Servicegesellschaft, die von den Sparkassen Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein ausgelagerte Arbeiten übernehmen sollte. „Ich fand das toll. So habe ich neue Mandanten und neue Sparkassen kennengelernt“, erinnert sich Bock, die im Jahr 2012 alles auf eine Karte setze.

Genauer gesagt zum 1. April 2012. „Ich habe die Jahresabschlüsse zu Ende gebracht und dann zum 31. März gekündigt“, sagt sie über ihren Schritt in die Selbstständigkeit. Eigentlich wollte sie ihr obligatorisches halbes Jahr als Vorbereitung nutzen und ein wenig mit dem Segelboot reisen. „Wir waren vier Monate auf der Ostsee“, berichtet sie. Für eine Hochzeit ging es dennoch kurz nach Deutschland. Dort redete sie mit einer Bekannten über das, was sie vorhat und machen will. „Zwei Wochen später bekam ich einen Anruf“, war sie mit ihrem Mann gerade in Schweden. Ein Krankheitsfall in der Sparkasse in Diepholz brachte Bock zu ihrem ersten Auftrag. Im September war sie zurück in Deutschland, direkt half sie in Diepholz aus. „Man lernt unheimlich viel dazu. Ich muss leider schon Aufträge ablehnen“, bedauert sie ein wenig. Sie merkt aber immer mehr, wie sehr der Bedarf da ist. Auch wegen des Nachwuchsmangels. „Viele Kollegen gehen in Rente und sind richtige Wissensträger“, schwärmt die Frau aus Dimhausen.

Zwar hat sie im Obergeschoss ihres Hauses ein Büro, der Wintergarten beheimatet seit fünf Jahren den "Freiraum". "Im Wintergarten arbeite ich konzeptionell. Er ist auch ein Veranstaltungsraum", sagt sie. So können sich Mandanten oder Arbeitskollegen dort treffen, sich austauschen und gegebenenfalls an einem Problem arbeiten. "Es ist eine lockere Atmosphäre. Ich schaffe hier den Rahmen für die Kreativität", sind der Blick in den Garten oder die Terrasse als Open-Air-Versammlungsort ideal, um das Denken anzuregen. "Es ist eher für kleinere Gruppen gedacht. "Ich möchte weg von den typischen Seminaren", kündigt sie an. Außerdem plant sie, Co-Working-Spaces einzurichten. "Wir sind gerne Gastgeber, und das gibt es in der Region noch nicht", weiß Bock. Ein Häuschen auf dem Grundstück soll umgestaltet werden, damit sich Menschen dort einmieten, arbeiten und sich austauschen können. Kein Wunder, dass Bock auch auf die Glasfaser wartet. Bis dahin legt sie natürlich nicht die Hände in den Schoß. Anja Bock betont: "Ich kremple gerne die Ärmel hoch."

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