Heimatverein Neubruchhausen

Anpacken statt zurücklehnen

Als der Heimatverein in Neubruchhausen vor der Auflösung stand, entschied sich Hans-Hermann Schrader dafür, den Vorsitz zu übernehmen. Seitdem hat sich einiges getan. Doch Schrader hat noch viel vor.
26.06.2019, 09:01
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Anpacken statt zurücklehnen
Von Tobias Denne
Anpacken statt zurücklehnen

Dort, wo er sich wohlfühlt: der Vorsitzende des Heimatvereins Hans-Hermann Schrader im Park der Alten Oberförsterei.

Braunschädel

Bassum-Neubruchhausen. Hans-Hermann Schrader sitzt auf einer Holzbank und blickt durch den Park. „Peu à peu entwickeln wir das. Wir sind ja auch alle voll berufstätig“, sagt er und zeigt auf ein Feld, das direkt an den Park hinter der Alten Oberförsterei in Neubruchhausen angrenzt. Bienenkörbe stehen bereits dort. „Das soll eine Insektenwiese werden“, kündigt Schrader an.

Der Vorsitzende des Heimatvereins ist optimistisch, was die Zukunft im Verein und im Ort angeht. „In zwei Jahren bin ich in Rente und dann wird eine Schippe draufgelegt“, freut er sich schon auf die künftigen Aktionen. Allein die Oberförsterei bietet sich an, um kulturelle Veranstaltungen dort anzubieten („Die können wir beleben“). Vielleicht ein Adventsbasar auf dem Gelände. Auch schwebt den Mitgliedern des Vereins vor, eine Info-Tafel am Friedhof aufzustellen. Dann erfahren die Besucher etwas über die 115-jährige Geschichte. Ebenso wäre der Park perfekt für Open-Air-Veranstaltungen. „Aber nicht zu viel. Es soll klein, aber fein sein“, versichert der 60-Jährige. Dass die Zukunft für Neubruchhausen so vielversprechend klingt, das liegt an einer Entscheidung Schraders – und die seiner Frau. „Irgendwann im Jahr 2017 spitzte sich die Lage zu“, erinnert er sich daran, dass der Heimatverein kurz vor der Auflösung stand. Denn vor allem die Rolle des Vorsitzenden musste unbedingt besetzt werden, damit der Heimatverein eine Zukunft haben konnte. „Ich war lange passives Mitglied. Als ich hörte, dass der Verein vor der Auflösung stand, habe ich mit meiner Frau drüber gesprochen“, wollte sich Hans-Hermann Schrader vorher noch rückversichern. Denn vorher hatte er eher weniger mit dem Heimatverein zu tun. „Ich bin auf dem Land großgeworden, da geht man in Vereine“, findet Schrader. So spielte er etwa im plattdeutschen Theater mit. Aber eines war ihm klar: Wenn er das Amt annimmt, dann wird er sich nicht zurücklehnen und nichts tun, denn das kam für den Neubruchhauser nicht infrage. Wenn er das Amt übernimmt, dann will er auch etwas bewegen. „Ich bin schnell mit dem Treffen von Entscheidungen, habe dann Werner Albers (ehemaliger Vorsitzender, Anm. d. Red.) angerufen und habe mich im Herbst 2017 vorgestellt“, erzählt Schrader davon, dass er einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. „So nahm das Schicksal seinen Lauf“, sagt er und grinst.

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat es Fortuna gut mit ihm und dem Ort gemeint. Schrader sammelte „Leute, die Lust haben“ um sich und formte einen neuen Vorstand. „Mein Motto ist: ‚Neubruchhausen blüht auf‘“, sagt Schrader. Aber nicht nur der Ort erstrahlt seitdem in neuem Glanz, sondern auch der Verein. Waren vor seinem Amtsantritt noch rund 60 Menschen Mitglied, liegt sie nun bei 90. Das Durchschnittsalter ist noch etwas, was Schrader gerne verändern würde. „Der Stamm ist etwa 60 Jahre alt. Die ganz Jungen bekommen wir noch nicht“, sieht er diese Tatsache eher als weitere Möglichkeit. Denn gerade die Veranstaltungen, die er und sein Team organisieren, sollen dabei jedem etwas bieten. Beim Tag des offenen Denkmals etwa war das Waldprojekt Schwaförden vor Ort, ebenso wie alte Harley-Davidsons. „Es waren mehr als 100 Leute hier. Wir wollen auch dahin, dass wir von allem etwas anbieten“, erzählt Schrader enthusiastisch. Und wenn jemand weiß, wie Veranstaltungen zu organisieren sind, dann der 60-Jährige.

Denn sei mehr als 25 Jahren arbeitet Hans-Hermann Schrader bei der Gewoba in Bremen und ist mit seinem Team für knapp 12 000 Wohnungen verantwortlich. „Ich habe ein gutes Team“, sagt er bescheiden. Er ist viel unterwegs, um soziale, kulturelle oder künstlerische Projekte anzuschieben – Stichwort: Quartiersmanagement. Beispiel gefällig? Derzeit gehen die Überlegungen dahin, in einer Immobilie, die später Wohnungen bieten soll, im Erdgeschoss ein Café einzurichten, wo sich die Menschen treffen können. „Ich organisiere seit Jahren Projekte. Manche Ideen lassen sich gut auf Neubruchhausen übertragen“, weiß er. Und dass es zukunftsträchtige Ideen braucht, das ist Schrader bewusst – „dann bleibt der Verein bestehen.“

Eines der Großprojekte, das dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde, war – passend zu Schraders Motto – „Neubruchhausen blüht auf“. „Es muss Farbe in den Ort“, ist der 60-Jährige überzeugt. So wurden schon zahlreiche Blumen gepflanzt, damit Schraders Motto auch erfüllt und es in Neubruchhausen bunter wird. Am letzten Freitag im August 2018 kamen 350 Leute zur Rocknacht in den Ort. „Das war innerhalb von zwei Tagen ausverkauft“, freut er sich. Allerdings waren die vergangenen eineinhalb Jahre nicht nur positiv. „Im Herbst letzten Jahres kam eine dunkle Wolke auf“, berichtet Schrader davon, dass zwei Vorstandsmitglieder innerhalb von zwei Wochen zurückgetreten sind. Schnell fanden sich zwei Engagierte, sodass die zehnköpfige Gruppe seitdem wieder vollständig ist. „Es sind auch drei Frauen dabei, das gab‘s vorher nicht. Es macht einfach Spaß“, freut sich Schrader über den frischen Wind. „Das soll so weitergehen.“

Denn vor Ideen strotzen er und seine Kollegen regelrecht. „Vielleicht gibt‘s auch ein Koch-Event“, denkt er laut. So würde er eine Leidenschaft mit einer Veranstaltung verbinden. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen im Ort, der „Rentner-Gang“ oder der Stadt Bassum klappen wunderbar, wie er versichert. Wenn Schrader auf seine Amtszeit zurückblickt, sieht er sehr viel Licht. „Wir haben in der Zeit viel erreicht und sind zufrieden. Aber wir wollen auch zukunftsorientiert arbeiten und weg vom angestaubten Image des Vereins.“ Das bedeutet für den 60-Jährigen nicht, die Pflege der Tradition zu vernachlässigen. „Klar, die pflegen wir. Aber wir wollen uns auch vor Neuem nicht verschließen.“ Dass Potenzial da ist, haben Schrader, seine Vorstandskollegen und die Resonanz auf Veranstaltungen gezeigt. Trotz des Berufs packen alle mit an, Schrader freut es: „Wir sind eine gute Truppe. Das macht Spaß.“

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