Ausschuss für Stadtentwicklung Das Ahrtal vor Augen

Der Bassumer Ausschuss für Stadtentwicklung diskutiert über Hochwasserschutz. Präferiert wird eine Lösung mit einem Rückhaltebecken am Klosterbach.
26.11.2021, 15:59
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Das Ahrtal vor Augen
Von Micha Bustian

Bassum. Seit dem verheerenden Hochwasser im Ahrtal im Sommer dieses Jahres ist der Schutz gegen solche Ereignisse bei vielen Kommunen wieder nach oben auf die Agenda gerutscht. So auch in Bassum. Da stand dieses Thema am Donnerstagabend als Punkt sechs auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Das Gremium war sich einig darüber, dass die Machbarkeitsstudie Voraussetzung für die weitere Planung von Klimaschutzanpassung im Hochwasserschutz sei.

Auch Bassums Bauamtsleiter Martin Kreienhop hatte "das Ahrtal noch vor Augen", als er den Dozenten vorstellte: Stefan Meyer, Diplom-Ingenieur in Diensten der Firma IDN. Der wiederum wies die Ausschussmitglieder daraufhin, dass es im Jahr 1998 bereits in Bassum ein Hochwasser gegeben habe. Der Klosterbach und die Niensteder Beeke seien damals über die Ufer getreten. Meyer sprach von der "großen Seenplatte Freudenburg".

Dann kam er zum Thema. Er präsentierte Statistiken des Weltklimarates und warnte vor "sommerlichen Extremereignissen", deren Häufigkeit und Intensität in Zukunft zunehmen dürften. Dabei sei zwischen zwei Ursachen des Hochwassers zu unterscheiden, zwischen dem Fluss-Hochwasser und dem Starkregen. Beim Fluss-Hochwasser würde beispielsweise der das Wasser des über die Ufer getretenen Klosterbachs in den Regenwasserkanal abgeleitet. Der sei wiederum auf ein sogenanntes fünfjährliches Starkregenereignis ausgelegt. "Wenn's darüber hinausgeht, quillt das Wasser aus den Schächten heraus", dann sei der Kanal überlastet.

Was kann man dagegen tun? Da hatte Stefan Meyer einige Vorschläge dabei. Zuerst einmal erklärte er, dass seine Planungen auf ein 100-jährliches Ereignis ausgerichtet seien. Östlich der Freudenburg liege das Gelände eher niedrig, dort stünde das Wasser im Garten, wenn zwischen zwölf und 13 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zusätzlich die Garbäke belasten würden. Ab 20 Kubikmeter seien dann sogar Gebäude betroffen. "Wenn wir alle Häuser vor solch einem Ereignis schützen wollen, brauchen wir Dämme", erläuterte Meyer.

Der Fachmann aus Oyten hatte fünf Vorschläge, wie man potenziellen Überschwemmungen entgegentreten könnte: ein Rückhaltebecken am Klosterbach, ein Rückhaltebecken an der Nienstedter Beeke, ein Damm oberhalb der Bundesstraße 51, eine Ausweitung der vorhandenen Gewässer und der Schutz tiefliegender Gebiete.

Stefan Meyer setzte aber auch eine klare Priorität: das Rückhaltebecken am Klosterbach. "In Trockenbauweise", wie es der Experte formulierte. In einfachen Worten: ein 300 Meter langer, dreieinhalb Meter hoher Erddamm etwa einen halben Kilometer südlich der Einbiegung der Bundesstraße 61 in die Bundesstraße 51. Im Normalfall könne der Bach den Damm durchfließen, "bei Hochwasser aber wird er im Rückhaltebecken zurückgehalten". Das sei "eine attraktive Maßnahme", zumal südlich des Damms parallel zur B 61 "keine bauliche Nutzung" vorhanden oder geplant sei. Für den ökologischen Durchlass müsse man noch nach einer Lösung suchen. Dennoch gab Meyer "eine ganz klare Empfehlung für diese Maßnahme".

Werner Wisloh, Ortsvorsteher Neubruchhausens, fragte anschließend ob es solche Intentionen auch für die Bassum angeschlossenen Ortschaften gäbe. "Das steht noch nicht in unserem Fokus", gab Martin Kreienhop zu. Damit würde sich der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband auseinandersetzen, "wir werden die Ergebnisse dann gerne weitergeben".

Die Studie bildet laut Beschlussvorschlag "die Grundlage für die Mitarbeit bei der Hochwasserpartnerschaft Klosterbach/Varreler Bäke. Die Studie werde der Hochwasserpartnerschaft zur Verfügung gestellt, um im übergeordneten Hochwasserschutzkonzept für das Flussgebiet Berücksichtigung zu finden. Im Rahmen der Zusammenarbeit werde angestrebt, Fördergelder zur weiteren Planung und Umsetzung der in der Studie beschriebenen Maßnahmen einzuwerben. Der Ausschuss unterstützte das einstimmig.

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