Ausschuss für Stadtentwicklung Der Wald als Streitthema

Der Ausschuss für Stadtentwicklung in Bassum hat in seiner jüngsten Sitzung über die Erweiterung der GAR entschieden. Inhaltlich ging es um ein Waldstück, das versiegelt werden soll.
22.01.2021, 17:33
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Wald als Streitthema
Von Tobias Denne

Bassum. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung in Bassum haben bei ihrer jüngsten Sitzung darüber abgestimmt, ob die Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR) künftig eine Waldfläche betrieblich nutzen darf (wir berichteten). Denkbar knapp wurden die Vorschläge von der Verwaltung angenommen und dementsprechend weitergegeben. Dazu wurden die weiteren notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Letztendlich stimmten sechs Ausschussmitglieder für die Vorentwürfe und die damit verbundene Auslegung und fünf dagegen. Und das ging natürlich nicht ohne Diskussion vonstatten.

Während auf der einen Seite vor allem die Belange des Waldes und des Naturschutzes als Argumente ins Feld geführt wurden, ging es auf der anderen Seite um die Arbeitsplätze und die Existenz der GAR. Für Jürgen Falck vom Bürger-Block ist der lediglich eventuelle Wegfall der gepachteten Flächen beim Kalksandsteinwerk „eine dünne Begründung“ für den Antrag. Der Wunsch auf Erweiterung „ist legitim“, aber angesichts der Auswirkungen auf die Natur könne er den Tagesordnungspunkten nicht zustimmen. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir die Natur schützen“, betonte er. Er machte den Vorschlag, vielleicht westlich des Betriebs zu erweitern. So könne der Wald stehen bleiben, „wir sollten intensiv darüber nachdenken“.

Zur Erinnerung: Die Krux an den Anträgen ist, dass sich die mögliche neue Fläche genau dort befindet, wo die GAR vor Jahren eine Ausgleichsfläche angelegt hat, die im Zuge einer früheren Erweiterung notwendig war. Und um dieses Waldstück dreht es sich. Laut Plan sollen die rund 2,7 Hektar versiegelt werden, damit dort etwa Abstellfläche für Container oder Parkplätze entstehen können. Michael Meier vom Planungsbüro NWP aus Oldenburg machte, wohl ob der Brisanz des Themas, klar: „Es handelt sich nicht um eine Erweiterung des Betriebes, sondern um den Ersatz für die gepachteten Betriebsflächen.“ Die GAR hat derzeit Flächen vom benachbarten Kalksandsteinwerk gepachtet, die wohl in wenigen Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Daher wurde die GAR frühzeitig aktiv. Meier verdeutlichte in seinem Vortrag, dass etwa noch Reste vom Wald stehen bleiben sollen, damit sich alles besser in die Landschaft einfügt.

Trotzdem konnte auch Christiane Weitzel von den Grünen nicht verstehen, „dass die Firma ein Maximalprojekt umsetzen und den Wald schnell beseitigen will“. Dabei wisse die GAR doch noch gar nicht, wann und ob sie die Fläche überhaupt brauche. Zusätzlich zu den Wohnräumen für Tiere argumentierte sie, dass gerade im Zuge des Klimawandels der Bestand geschützt werden muss. „Die Situation wird durch die drei letzten heißen Sommer immer gravierender“, sagte Weitzel.

Dass es ohne die GAR nicht geht, das ist allen klar. Immerhin produziert der Mensch Massen an Abfall. „Die Arbeitsbedingungen vor Ort sind die Hölle. Aber die Menschen übernehmen die Arbeit, die wir verantworten“, mahnte Christoph Lanzendörfer (SPD). Man müsse dafür sorgen, dass es die GAR nicht brauche. Außerdem „haben die Leute ein Recht auf ihre Arbeitsstelle“, ergänzte er. Vor allem da in Kätingen auch ungelernte Arbeitskräfte aktiv sind. Er brachte noch mal ins Spiel, die GAR zu verlegen. „Die GAR muss existieren können, aber sie gehört da nicht hin“, sprach er an. Man solle besser eine andere Fläche suchen, die verträglicher ist.

Hermuth Straßburg (Bürger-Block) machte deutlich, dass die GAR ja nicht vorhabe, sich zu erweitern. Und für den Wegfall des Waldes wird es wieder eine Ausgleichsfläche geben. Außerdem sei der Standort gemessen an der Bevölkerungsdichte ganz gut. Er stimmte, im Gegensatz zu seinem Parteikollegen Falck, auch für die Auslegung. Genauso wie Hans-Hagen Böhringer (CDU). Er stimmte dafür, damit die Pläne in die Auslegung kommen und weiter diskutiert werden. Der Christdemokrat weiß: „Es ist schwierig, in dieser Sache sachlich zu bleiben.“

Die Vorentwürfe der Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans „Kastendiek II“ nehmen nun den nächsten Schritt: Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden steht an, wenn der Verwaltungsausschuss zustimmt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+