Biotopverbundkonzept der Win-Region

Zusammen mehr erreichen

Auf Basis eines Biotopverbundkonzepts möchten die Kommunen in der Win-Region künftig enger beim Naturschutz interagieren. Nun wurde in einem Bassumer Ausschuss ein Zwischenstand des Konzepts bekanntgegeben.
07.05.2021, 15:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Yannik Sammert
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Nicht nur Insekten soll die Umsetzung des Konzepts zugutekommen. In Waldgebieten kann etwa auch der Schwarzspecht profitieren.

Christian Charisius/dpa

Bassum. Das Zusammenkommen des Bassumer Ausschusses für Stadtentwicklung am Donnerstagabend stand unter traurigen Vorzeichen. Denn es war die erste Sitzung ohne das bisherige Ausschussmitglied Helmut Zurmühlen. Der jahrelange Bramstedter Ortsvorsteher war am Sonntag im Alter von 68 Jahren gestorben (wir berichteten). Ausschussvorsitzender André Bartels brachte eingangs der Sitzung „tiefe Betroffenheit“ zum Ausdruck. Es folgte eine Schweigeminute. Am Donnerstag blieb der stimmberechtige Platz indes vorerst unbesetzt.

In der Sitzung standen 18 Punkte auf der Tagesordnung – unter anderem das Biotopverbundkonzept der Win-Region (Bassum, Twistringen, Stuhr, Syke und Weyhe). Vorab hatte der WESER-KURIER dieses Thema bereits ankündigt. Zur Erinnerung: Während Naturschutzaktionen bislang in der Regel alleine abgewickelt wurden, möchten die Kommunen künftig mehr zusammenzuarbeiten. Deshalb wurde das Konzept in Auftrag gegeben. Am Ende soll eine gemeindeübergreifende Entwicklungsstrategie und Umsetzungsplanung zur Vernetzung von Biotopen stehen.

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In der Sitzung stellte Elisabeth Ferus vom beauftragten Planungsbüro NWP nun ausführlich den „Zwischenstand“ vor, wie sie es nannte. Denn: Bislang wurde die Ist-Situation analysiert und an einer Verbundkonzeption mit möglichen Vernetzungskorridoren gearbeitet. Auf Basis dessen wird jetzt ein Katalog mit Handlungsempfehlungen in den Korridoren erarbeitet. Kernflächen, die bereits bedeutsamer sind, werden ausgeklammert. Spätestens im dritten Quartal muss das Konzept erstellt worden sein, sonst versiegt die Förderung des Landes über 80 Prozent.

Die Landschaftsökologin Ferus unterstrich in der Sitzung zunächst, worauf das Konzept vor allem abzielt. So diene das gemeinsame Agieren „insbesondere dem Zweck, dem Artensterben in der Landschaft entgegenzuwirken“. Dabei gehe es nicht nur um das Insektensterben, sondern auch um viele weitere Arten. Die Umsetzung der Konzeption helfe Arten, sich an Folgen des Klimawandels anzupassen, „indem sie neue Lebensräume besiedeln können, wenn sich die Bedingungen so ändern, dass sie sich in den bisherigen Lebensräume nicht mehr so wohl fühlen wie bisher“.

Vorarbeiten waren nötig

Danach wurde es sehr bald konkreter. „Zunächst einmal müssen wir uns darum kümmern, was wir für übergeordnete Vorgaben zum Biotopverbund haben“, schilderte Ferus. Dabei gehe es nicht zuletzt um das Landesraumordnungsprogramm. Auch Funktionsräume thematisierte die Landschaftsökologin in ihrem Vortrag. So werde vom Land zwischen Lebensraumtypen unterschieden: Fließgewässer, Offenlandbiotope, naturnahe Wälder und großflächig zusammenhängende Waldbereiche. In der Konzeption wurde diese Unterscheidung beibehalten.

Um weitere Planungsgrundlagen für die kommunale Ebene zu erhalten, war eine Datenabfrage gestartet worden. „Zum einen haben wir die fünf Win-Kommunen nach ihren Kenntnissen gefragt – zu Kompensationsflächen, aber auch zu freiwilligen Maßnahmen“, so Ferus. Zu Naturschutzbehörden und weiteren Akteuren wie den Naturschutzverbänden oder der Landwirtschaftskammer war ebenfalls Kontakt aufgenommen worden. „Wir haben gute Datengrundlagen für die Erstellung der Konzeption“, schlussfolgerte die Landschaftsökologin in der Sitzung.

Verschiedene Lebensraumtypen

Im Anschluss erklärte Ferus, wie das Konzept in der Win-Region aktuell aussieht. So zeigte sich: Die Fließgewässerachsen orientieren sich sehr stark in Nord-Süd-Richtung – vorgegeben durch die Struktur mit den Geestbachtälern. Offenlandlebensräume sind eher im nördlichen Teil der Region zu finden. Waldlebensräume spielen in der Geest eine größere Rolle. „Hier haben wir Achsen vorgesehen, die sich in West-Ost-Richtung orientieren“, erläuterte die Ökologin. Großflächig zusammenhängende Wälder sind hingegen eher in Regionen wie dem Harz zu finden.

Festgelegt wurden zudem bereits Zielbiotoptypen und Zielarten in den jeweiligen Korridoren – eben zum Beispiel in waldlich geprägten. „In den Vernetzungskorridoren kann ein Biotopverbund auch zwischen Wäldern funktionieren“, machte Ferus deutlich. Beispielhaft nannte sie Feldhecken. Zielarten in oder bei Wäldern seien etwa der Hirschkäfer und der Schwarzspecht. „Wir haben uns an Arten orientiert, die einen Wiedererkennungswert haben.“ Denn: Durch das Konzept solle die Öffentlichkeit animiert werden, sich mit dem Thema zu beschäftigen und vielleicht auch selbst tätig zu werden.

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Zur Sache

Politische Einschätzungen

Von dem Fachgutachten geht übrigens keine bindende Wirkung für die Kommunen aus. „Das Ganze mit Leben zu füllen, bedarf weiterer Umsetzungsinstrumente“, erläuterte Ferus. Im Bassumer Ausschuss kam das Konzept jedoch schon einmal gut an. „Das war sehr interessant“, meinte Christiane Weitzel von den Grünen. Der Vortrag habe aber auch gezeigt, dass es noch ein langer Weg sei. „Wir haben noch viel zu tun und müssen konkret werden“, forderte die Politikerin. Denn: Das Artensterben und der Verlust der Biodiversität sei eine der größten Krisen, die zurzeit zu bewältigen seien. Ähnliche Worte wie Weitzel fand Christdemokrat Carsten Leopold. Die CDU-Fraktion begrüße das Konzept ausdrücklich. „Schließlich wissen wir doch, dass wir vor unserer Haustür beginnen müssen.“ Aber für die Umsetzung brauche es einen langen Atem. Das sei nicht innerhalb von drei Jahren getan. „Wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass jeder einzelne bei sich daheim etwas tut“, ergänzte der CDU-Mann.

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