Andreas Nieweler

Der Stratege

Die AWG in Bassum ist mittlerweile ohne Andreas Nieweler nicht vorstellbar. Der Geschäftsführer wurde für weitere Jahre in seinem Amt wiederbestellt. Mit uns hat er aber auch mal zurückgeblickt.
06.10.2020, 16:51
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Stratege
Von Tobias Denne
Der Stratege

Die Arbeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. So wird heutzutage deutlich mehr Abfall getrennt.

fotos: Vasil Dinev

Bassum-Klövenhausen. Seine Fahrzeuge, die sieht jeder Landkreisbewohner regelmäßig. Schließlich halten sie auch vor der eigenen Haustür. Manche haben sogar seine Produkte im Garten. Besucher und Patienten werden in der Bassumer Klinik über lange Leitungen gewärmt. Womöglich auch bald schon die Gäste des Naturbades. Alles hat sich über die Jahre entwickelt, „es gibt kein Jahr ohne Veränderungen“, sagt Andreas Nieweler. Der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) hatte jüngst Grund zur Freude. Schließlich wurde er im September in seiner Position wiederbestellt. Mittlerweile zum dritten Mal, diesmal aber unbefristet. Seit 2004 steht er der AWG vor, zwar ist die Zeit bis zum Ruhestand für den 59-Jährigen überschaubar, dennoch stehen zahlreiche Dinge in Zukunft an, die er noch angehen will.

Nieweler selbst sieht sich in der Steuerung und der Planung. „Wir haben gute Leute, die selbstständig arbeiten und Verantwortung tragen“, sagt er. Ihm ist wichtig, dass alle Abteilungen an einem Strang ziehen. Und dafür zieht er wiederum die Strippen. Und bei 155 Mitarbeitern der AWG kommen da einige zusammen. Wenn Nieweler an seine Anfänge zurückdenkt, dann „war es eine wilde Zeit“. Insgesamt gab es landkreisweit drei Hausmülldeponien und eine Bauschuttdeponie. Er sagt, dass es früher noch gar kein richtiges Bewusstsein für den Umweltschutz gegeben habe. In den 1980er-Jahren nahmen Konsum und Abfall rasant zu. Es gab weder Bio-Tonne noch den Gelben Sack – geschweige denn die Gelbe Tonne. Farben kamen in den Restabfall. Heutzutage unvorstellbar.

Er sieht sich als derjenige, der Abläufe steuert: AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler.

Er sieht sich als derjenige, der Abläufe steuert: AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler.

Foto: Vasil Dinev

Aber schon damals war Aufklärungsarbeit notwendig. „Wir brauchten Leute, die das vermitteln. Es war Pioniergeist gefragt, weil es keine Muster gab. Man musste Dinge einfach anpacken“, erinnert sich Nieweler. Er selbst entschied sich nach seiner Bundeswehrzeit, Ver- und Entsorgungstechnik an der Fachhochschule Münster mit dem Fachgebiet Kommunale Umwelttechnik zu studieren. Über einen Bekannten im Elektrotechnikstudium hatte er davon gehört. Interessant fand er es. Sein Vorteil: Solche Experten wurden händeringend gesucht. „Ich habe drei Bewerbungen losgeschickt“, erzählt der 59-Jährige. Eine landete beim Landkreis Diepholz, von dem er eine Zusage als Fachingenieur für Abfallwirtschaft bekam. Für Nieweler ging es dann ziemlich schnell. „Ich hatte nicht einen Tag frei“, sagt er und schmunzelt.

Sein Berufsbild war noch relativ jung, viele seiner Kollegen kamen aus anderen Zweigen und waren Quereinsteiger. „Wir waren zu siebt in der Verwaltung, einer hatte den Beruf gelernt. Jeder hat alles irgendwie gemacht“, berichtet Nieweler, der sechs Jahre später Abteilungsleiter für Planung, Bau und Betrieb von Anlagen wurde. „Dabei konnte ich mich richtig verwirklichen und mich mit der neuesten Technik beschäftigen.“ Anfang der 1990er-Jahre fing dann derweil langsam das Umdenken an. „Dabei sind einige Arbeitsplätze entstanden“, erinnert sich der in Rheine geborene Geschäftsführer. So sollte der Abfall nicht einfach nur deponiert, sondern auch wieder zurückgeführt werden. Zurück in den Kreislauf.

Und das ist auch heute noch so. Sicher, „vieles ist heute ausgereift“, wie Nieweler findet. Vor allem, was etwa Papier und Glas angeht, aber gerade bei Kunststoff gibt es noch Luft nach oben. „Wir müssen Strukturen aufbauen“, wünscht sich Nieweler eine Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten. Denn Mülltourismus will er vermeiden. So sollen bei der AWG regionale Unternehmen mit einbezogen werden.

Angesichts der Klimaziele, die zu erreichen sind, sieht er auch die AWG mit im Boot. Mittlerweile sei viel durch Gesetze geregelt – sei es der Brand- oder Arbeitsschutz. „Wir haben in den letzten drei Jahren zwei Millionen Euro investiert. Man muss das Unternehmen rechtssicher führen“, ist er überzeugt. Als er vor rund 30 Jahren bei der damaligen Kreisabfallwirtschaft (AWG ab 1998) angefangen hat, „durfte in den ersten zehn Jahren der Umweltschutz Geld kosten. Als dann die Gebühren stiegen, musste gespart werden“, erinnert sich Nieweler. Vor allem vielseitiger sei sein Job geworden. So sitzt er auch im Bundes-Leitausschuss des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU), zu der 1500 Betriebe gehören, ist außerdem der Vorsitzende der VKU-Landesgruppe Küstenländer und sitzt in verschiedenen Fachausschüssen.

Wenn Nieweler auf seine nächsten Jahre schaut, dann wird vor allem die Digitalisierung wichtig. So sollen nicht nur Arbeitsprozesse an sich digitaler werden, sondern der Kunde wird mehr mit dem Smartphone abwickeln können. „Wir schauen uns neue Technologien an. Man muss gewisse Dinge nicht mehr persönlich klären“, erzählt der Geschäftsführer. Ihm ist aber nach wie vor wichtig, dass der direkte Kontakt zum Kunden nicht verloren geht. Die AWG solle ein anfassbarer Dienstleiter in der Region sein.

Klingt nach einer erfolgreichen Karriere bei der AWG. Wobei nicht alles funktioniert hat. Denn eigentlich war vor Jahren geplant, eine rote Abfalltonne für schadstoffhaltige Abfälle wie etwa Batterien einzuführen. Da das nicht geklappt hat, gibt es nun feste Sammelstellen im Landkreis Diepholz. Wenn Andreas Nieweler ehrlich ist, dann hält er die Idee aber immer noch für gut: „Wir haben 2000 gekauft, aber sie hat sich leider nicht durchgesetzt.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+