Ehrenamtliche Unternehmensberatung

Am Anfang steht die gute Idee

Der Schritt in die Selbstständigkeit und das Dasein als Unternehmer birgt immer gewisse Risiken. Für Unternehmer und Gründer bietet die Stadt Bassum nun eine ehrenamtliche Unternehmensberatung an.
21.09.2021, 13:56
Lesedauer: 3 Min
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Am Anfang steht die gute Idee
Von Wolfgang Sembritzki

Bassum. Zugegeben: So neu ist die Funktion der drei Herren nicht. Tatsächlich bieten Herbert Malowitz, Heinz Lohmann und Karl-Heinz Beimbrink schon seit Februar 2020 ihre Dienste ehrenamtlich an. Doch wie so vielem machte auch dem Trio die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Nun hat die Stadt Bassum einen neuen Anlauf mit den drei Unternehmensberatern gewagt.

"Wir wollen als Kommune Existenzgründern und Betrieben, die es schon gibt, Beratung bieten", sagt Bürgermeister Christian Porsch. Das Angebot gibt es schon länger, allerdings habe es verständlicherweise während der Corona-Krise nur "wenige Gründungsentschlüsse" gegeben, weshalb die Stadt sich entschlossen habe, das Trio nun wieder stärker zu bewerben. Informieren möchte die Stadt über Flyer, die städtische Webseite und soziale Medien.

Neue Arbeit als Rentner

Herbert Malowitz aus Bassum ist dabei für den Bereich Marketing zuständig. Er war zunächst im Anstellungsverhältnis, seit den 1990er-Jahren dann freiberuflich als Unternehmensberater tätig, erzählt er. Malowitz kümmert sich um Fragen zu Stärken-Schwächen-Analysen und Personalführung und -motivation. "Ich freue mich auf meine neue Arbeit als Rentner", sagt Malowitz.

Heinz Lohmann aus Nordwohlde bringt 25 Jahre Arbeitserfahrung im Bereich Vertrieb und Marketing mit und möchte "dort ansetzen, wo Betriebe Schwierigkeiten mit der Außenwirkung haben". Ihn interessieren vor allem die Beweggründe, wie Menschen zu Unternehmern werden. Komplettiert wird das Trio von Karl-Heinz Beimbrink, ebenfalls aus Nordwohlde. Der selbstständige Steuerberater unterhielt lange Zeit ein Büro in Brinkum und in Mecklenburg-Vorpommern.

"Die Herren ergänzen sich", freut sich Porsch. Wer die Beratung in Anspruch nehmen möchte, muss zunächst den Weg über die Stadt gehen, über die Verwaltung kommt dann ein Termin zustande, der im Sitzungssaal des Rathauses stattfindet. Die Treffen sollen immer am letzten Donnerstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr stattfinden. 

Wenn Betriebe oder Gründer Beratung bräuchten, nehmen Malowitz, Lohmann und Beimbrink sie, wenn auch zeitlich befristet, an die Hand. Sie kämen dann auch regelmäßig in den Betrieb zum Controlling. Der Vorteil: Die Männer arbeiten ehrenamtlich und nicht, um selbst an der Beratung zu verdienen. "Es geht darum, Arbeitsplätze und den Bestand des Unternehmens zu sichern", so Malowitz. Zudem hofft das Trio darauf, durch ihr ehrenamtliches Engagement schneller das Vertrauen der Unternehmer gewinnen zu können, denn "eine gewisse Schwellenangst ist da", so Lohmann. Hinsichtlich des Entschlusses zur Gründung, ebenso wie bei den sensiblen Unternehmensdaten. Ein finanzielles Risiko wie bei hauptberuflichen Unternehmensberatern gebe es nicht. Daher seien Gründer und Unternehmer mit dem Trio auf der sicheren Seite: "Es ist kein Geschäft für uns", so Lohmann.

"Man muss für den Beruf geeignet sein"

Auf Nachfrage geben Malowitz, Lohmann und Beimbrink im Pressegespräch auch erste Tipps für Gründer: "Man muss für den Beruf geeignet sein", sagt Beimbrink. Ein Meistertitel müsse es schon sein, zudem spielten der Standort und eine "vernünftige Bank" eine Rolle. Zudem müssten potenzielle Gründer eine gute Unternehmensidee haben. Da müsse man dann schauen, ob die Idee "neu, alt oder abgegriffen" sei, so Malowitz. Bei einem positiven Ergebnis der Kosten-Leistungs-Rechnung sehe die Sache gut aus. In jedem Fall, fügt Beimbrink an, sprechen und rechnen die Berater mit dem Gründer das Vorhaben durch, um herauszufinden: "Geht das überhaupt?" Jeder Unternehmer müsse eine Vorstellung haben, "was er vorhat", so Lohmann. Schließlich gehe es irgendwann auch darum, für sein Vorhaben eine Bank zu überzeugen.

Doch die Drei richten sich auch an bestehende Betriebe. Der klassische Fall sind hierbei Liquiditätsprobleme. Da lohne es sich, "mal als Dritter von außen auf den Betrieb zu gucken", so Malowitz. Ein Beispiel: Zu ihrem Kundenkreis zählte einmal ein Handwerker für Fernsehgeräte und EDV, der sich selbstständig machen wollte. Im Gespräch habe sich herauskristallisiert, dass er im Vertrieb und in der Wartung von Kaffeeautomaten gut aufgehoben wäre, so Malowitz. In der Branche habe er schnell Fuß gefasst und sich durch einen großen Kundenstamm Reparaturaufträge gesichert, die ihn die Corona-Pandemie überstehen ließen. Mitunter berate das Trio aber auch Menschen, die gerne selbstständig wären, sich jedoch trotzdem im Angestelltenverhältnis besser aufgehoben sähen. "Manchmal ist es sehr mühselig, aber das ist die Herausforderung", so Malowitz.

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