Überraschungsfilm "Das ist nicht fair"

Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann und die Landfrauen Freudenberg-Bassum zeigen einen Überraschungsfilm zum Frauentag. Nachträglich.
01.04.2022, 14:50
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Micha Bustian

Bassum. Dagenham, ein Vorort Londons in den 1960er-Jahren. In der Fabrik des Autoherstellers Ford arbeiten mehr als 1000 Menschen. 187 von ihnen sind Frauen, die die Sitze nähen. Sie arbeiten unter schlechten Bedingungen und verdienen deutlich weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Einige der Damen finden das nicht in Ordnung, treten in den Streik und artikulieren Forderungen. Irgendwann fehlt es an Sitzen, der Standort wird vorübergehend stillgelegt. Zeit für die Mitarbeiterinnen, Forderungen zu stellen.

Na, neugierig? Dann ab auf die Kulturbühne an der Mittelstraße in Bassum. Dort wird am Dienstag, 5. April, ab 19.30 Uhr ein Überraschungsfilm gezeigt. Kurzbeschreibung: siehe oben.

In Bassum hat es inzwischen eine gewisse Tradition, dass Aktionen zum internationalen Frauentag, eigentlich am 8. März, gerne auch an anderen Terminen laufen. Dies ist so eine Aktion. Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann hat diesen Überraschungsfilm gemeinsam mit den Landfrauen Freudenberg-Bassum ausgesucht. Der Titel darf an dieser Stelle aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden. Aber Gaumann und die Landfrauen-Vorsitzende Birgit Meyer-Borchers haben das Werk bereits in Augenschein genommen.

Und tatsächlich: Die Ford-Frauen haben einen Befürworter in der Gewerkschaft, der sich anfangs allerdings eher ruhig verhält. Dennoch bleiben die Damen bei ihren Forderungen. Mit Rückendeckung von Barbara Castle, bis heute die einzige Frau im Amt des First Secretary Of State, verhandeln sie um mehr Lohn. Das Angebot von 75 Prozent des männlichen Gehalts reicht ihnen nicht: Sie wollen 90 Prozent. Aus diesem Widerstand heraus entstand 1970 in England ein neues Gesetz, fünf weitere Jahre später wurde dort laut Christine Gaumann der Equal Pay Act umgesetzt.

Für die Gleichstellungsbeauftragte ist der Streifen aus dem Jahr 2010 immer noch von großer Aktualität. So sei selbst der bereinigte Gender-Pay-Gap – die Lücke zwischen weiblichem und männlichem Gehalt im gleichen Beruf – noch sechs bis acht Prozent groß. "Das ist nicht fair", sagt Christine Gaumann. "Ich wünsche mir, dass da mehr passiert." Sie verweist auf ein Gesetz, das seit 2018 in Island gilt. Demnach müssen Unternehmen alle drei Jahre nachweisen, dass sie Frauen und Männern für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bezahlen. "Hier in Deutschland hingegen wird viel zu wenig über Geld gesprochen."

Doch es soll nicht nur ernst zugehen am 5. April auf der Kulturbühne an der Mittelstraße. Das Werk von Regisseur Nigel Cole ist laut Christine Gaumann schon "mehr was Humorvolles". Ab 18.30 Uhr ist Einlass, dann laden die Landfrauen zu einem Sektempfang ein. Der Grund: das 75-jährige Bestehen des Landfrauenvereins Freudenberg-Bassum. Eine abschließende Diskussion ist nicht vorgesehen, "der Film an sich ist gut genug". Nach Gaumanns Erfahrung wird anschließend ohnehin darüber geredet, "teilweise sogar heftig".

Die Filmvorführung in Kooperation mit dem mobilen Kino Niedersachsen scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen: "Wir haben bereits 70 Anmeldungen vorliegen", freut sich Landfrau Jutta Bäker. Wie viele Sitze letztlich besetzt werden dürfen, liegt auch an der neuen Landesverordnung zum Coronavirus. Die kommt am 3. April heraus. So oder so geht nichts ohne Anmeldung. Die nimmt Christine Gaumann telefonisch unter 0 42 41 / 84 61 oder per E-Mail an gleichstellung@stadt.bassum.de. Übrigens: Auch Männer dürfen gerne teilnehmen.

Zur Sache

Zugabe, Zugabe, Zugabe…

Der Überraschungsfilm, übrigens inzwischen der vierte, ist nicht die einzige Aktion, die Gleichstellungsbeauftragte und Landfrauen anlässlich des internationalen Frauentags in Bassum organisieren. Gemeinsam laden sie auch zum Red Dinner ein. Das findet am Sonntag, 19. Juni, von 11 bis 13.30 Uhr open air in der Sulinger Straße statt.

Die wird an diesem Tag für den Straßenverkehr abgesperrt und mit Tischen und Bänken bestückt. Darauf kommen rote Decken. Rot, weil bis zum Equal Pay Day am 7. März in den Taschen der Frauen rote Zahlen vorherrschen. Landfrau Jutta Bäker würde sich darüber freuen, wenn möglichst viele Menschen in roter Kleidung erscheinen. Essbares müsse selbst mitgebracht werden – es ist halt ein Picknick. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+