Bassumer Stiftskirche Konzert mit berührender Wirkung

Einen fulminanten Hörgenuss erlebten am Sonnabendabend die Besucher der Bassumer Stiftskirche. Unterstützt von französischen Sängern bot die Kantorei Werke französischer Komponisten.
07.11.2021, 17:14
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Von Dorit Schlemermeyer/dos

Bassum. Über 1000 Kilometer waren Sänger aus Frankreich angereist um am Sonnabendabend beim Konzert in der Bassumer Stiftskirche mitzusingen. „Es wird ein französischer Abend“, kündigte Moderator und Chorsänger Walter Bellingrodt daher an, denn auf dem Programm standen zudem ausschließlich französische Komponisten.

So begann das Konzert mit der Toccata in G aus „Zwölf Stücke für Orgel“ von Théodore Dubois und bot damit einen furiosen Auftakt dank der perfekten und mitreißenden Darbietung durch Kreiskantor Ralf Wosch an der großen Orgel. „Die Werke passen zum November, Gedanken an Tod, Sterben und Erlösung finden wir darin“, so Bellingrodt in seiner Ankündigung der "Cantique de Jean Racine op. 11". Das Werk hatte Gabriel Fauré schon im Alter von 19 Jahren komponiert und damit ein phänomenales Klangereignis erschaffen, das auch in der Stiftskirche niemanden unberührt ließ. Die Bassumer Kantorei und Sänger aus Frankreich präsentierten unter der Leitung von Kreiskantorin Réka-Zsuzsánna Fülöp ein ergreifendes, perfekt ausgeführtes Hörerlebnis. Viele Stimmen im Altarraum und auch im Seitenschiff boten eine grandiose Aufführung: „Wort des Höchsten, ihm gleich, zudem wir uns hinwenden, der Tag des Lichts, der die Welt löst vom Bann, der wird unser Schweigen enden“, lautet die deutsche Übersetzung. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Ausführung, die von intensiven Proben zeugte.

Dann wanderten Streicher und Kantorin zur Orgelempore und Ralf Wosch konnte seine herausragende Begabung als Organist mit einem Werk von Francis Poulenc, der mit seinem Konzert für Orgel, Streicher und Pauken eine beeindruckende Hommage an Johann Sebastian Bach geschaffen hatte, ein weiteres mal unter Beweis stellen. Obwohl nur aus einem Satz bestehend, verfehlte die Komposition auch an diesem Abend nicht ihre Wirkung. Sie zog ein konzentriert lauschendes Publikum geradezu in den Bann und war ein weiterer Höhepunkt eines fantastischen Konzertabends, der mit dem Requiem von Fauré einen gefeierten Abschluss fand.

Das Requiem begann mit dem Gesang des vielstimmigen Chors: „Herr gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen“. Der Komponist hatte das Werk im Angesicht des Todes seiner Eltern geschrieben, im Alter von 42 Jahren, und es wurde auch bei seinem eigenen Tod aufgeführt, erfuhren die Zuhörer von Bellingrodt. Nicht Düsternis und Strafgericht stünden im Vordergrund, sondern vielmehr Leichtigkeit und Trost. Zusammen mit Bariton Michael Jäckel und Sopranistin Caroline Bruker und Musikern der Nordwestdeutschen Kammerphilharmonie gelang den Sängern ein zutiefst beeindruckende Aufführung, die ihre Wirkung auf das Publikum nicht verfehlte und direkt mitnahm ins Hör-Paradies. Passend dazu lauteten die letzten Zeilen: „Ins Paradies mögen die Engel dich geleiten...“ Als der letzte Ton verklungen war, gab es nicht enden wollenden Applaus für alle. Insbesondere aber für die beiden Kreiskantore, die sichtlich gerührt waren von der Leistung ihrer Sänger und des Orchesters, die dem Publikum ein ganz großes Konzert geboten hatten.

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