Bassumer Utkiek

Lustwandeln auf Abfällen

Der Bassumer Utkiek hat offiziell eröffnet. Damit hat der Landkreis Diepholz eine weitere familienfreundliche Attraktion.
06.10.2020, 11:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Richard Reiners
Lustwandeln auf Abfällen

Besucheransturm: Der Bassumer Utkiek wurde wieder eröffnet. Die AWG hat dort ein Naherholungsgebiet geschaffen.

Vasil Dinev

Bassum. „Hier lagern die Abfälle aller Haushalte vom Dümmer bis an den Rand des Bremer Flughafens“, begrüßte Louisa Lehmkuhl, Mitarbeiterin in der AWG-Fuhrparkverwaltung, am Eingang des Bassumer Utkiek die zahlreichen Besucher. Sie machte gleich zu Beginn eines Rundganges deutlich, was auf der alten Mülldeponie seit 1978 entstanden war. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) des Landkreises Diepholz, hatte am Wochenende zur Wiedereröffnung des Bassumer Utkiek eingeladen.

Die in den vergangenen vier Jahren umgestaltete Deponie wurde nun als beeindruckendes Naherholungsgebiet und als Erlebniswelt der Öffentlichkeit vorgestellt. Vor dem Gelände fanden die Besucher eine Fahrradstation vor. Ausgestattet mit einer Akku-Ladestation und einem Luftkompressor können Radler ihre Drahtesel fit für die Rückfahrt machen. „Vorbildlich“, lobte ADFC-Sprecher Frank Henkensiefken diesen Service.

Dann wartet ein circa elf Hektar großer „Erlebnisberg“ auf kleine Abenteurer, Erholungssuchende, Natur- und Kunstliebhaber, Sport- und Fitnessbegeisterte sowie auf Menschen, die auf beeindruckendste Weise erfahren möchten, dass es ihre Abfälle sind, die zu diesem Objekt beigetragen haben. Fußballtrainer Felix Magath hätte ob der beschwerlichen Wege seine wahre Freude an dem Parcours gehabt. Kunstobjekte von Schülern der Gymnasien Syke und Twistringen säumen die breit angelegten Wanderwege der Anlage. Kunstvoll das aus alten Eichenstämmen, die vor vielen Jahren einer baulichen Erweiterung auf dem Betriebsgelände weichen mussten, übereinandergelegte Gebilde am Hang einer Weggabelung.

Ausblick: Am Utkiek kann auch die Landschaft bewundert werden.

Ausblick: Am Utkiek kann auch die Landschaft bewundert werden.

Foto: Vasil Dinev

"Auch die Einbringung alter Ressourcen in dieses Gelände war uns wichtig“, sagt Projektplaner Michael Niemeyer, der zusammen mit Hermann Kalvelage die Gestaltung des Erlebnisberges geplant und umgesetzt hat. „Das hier läuft alles unter der Überschrift ,sanfter Tourismus', die Wanderwege sollen nicht verlassen werden, das lässt die sensible Hangbepflanzung nicht zu“, macht Niemeyer deutlich. Spezielle Saatgutmischungen wurden in die verschiedenen Hanglagen eingebracht, um eine mögliche Erosion zu verhindern. „Die unterschiedlichen Gräser und Kräuter müssen je nach Sorte ein- bis dreimal im Jahr gemäht werden“, sagt Niemeyer. Das hält den Arbeitsaufwand in Grenzen und verhindert unnötige Hangbegehungen.

Kein „Erlebnisberg“ ohne Abenteuer für Kinder und Eltern: Fröhlich meistert Familie Windhorst aus Drentwede den Naturkletterpfad am Osthang des Geländes. Fein verarbeitete, geschliffene und unverformte Naturhölzer bilden einen etwa 30 Meter langen Geschicklichkeitshang. Hat man den gemeistert, durchklettern die Kleinen das wehrhaft anmutende Eingangsportal in den unteren Utkiek. Über eine Art Hängebrücke gelangt man dann über den zweiten Kletterabschnitt zum Gipfel, auf dem ein weißes Pagodenzelt thront. Dort wurde die Zielankunft mit kulinarischen Leckereien und Erfrischungsgetränken belohnt. „Ein Paradies für Kinder und Erwachsene“, so der begeisterte Papa.

„Neben allen freizeitlichen und naherholungsrelevanten Aspekten, die dieser Berg bietet, ist der Bassumer Utkiek auch ein Ort, um über die Vergangenheit nachzudenken und auch etwas Demut aufkommen zu lassen“, sagt Pressesprecher Matthias Kühnling. „Bedenkt man, dass es früher bis zu 300 Altablagerungsstellen mit zum Teil unbehandelten Abfällen im Landkreis gab, hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Revolution in der Abfallentsorgung stattgefunden“, sagt Kühnling.

Familienfreundlich: Das Programm am Utkiek bietet etwas für Groß und Klein.

Familienfreundlich: Das Programm am Utkiek bietet etwas für Groß und Klein.

Foto: Vasil Dinev

Zurück in die Nachkriegsjahre ging eine Besucherin, die noch miterlebt hatte, dass alle möglichen Abfälle in Bombentrichter geworfen wurden. Nun, nahezu 70 Jahre später, wandert sie über einen endgültig abgedichteten Müllberg. „Das ist der Unterschied zu einer Oberflächenabdeckung“, sagt Geschäftsführer Andreas Nieweler und zeigt auf Abschnitt fünf, den oberen Utkiek. „Der ist nur mit einer Oberfächenabdeckung versehen, die noch Busch- und Baumbewuchs zulässt. Den können wir voraussichtlich 2026 abdichten“. Seine Augen blicken auf die anstehenden Abschnitte sechs bis acht. „Die neuen Abschnitte sind etwa fünfeinhalb Hektar groß und reichen geschätzt für die nächsten 25 Jahre“, sagt Pressesprecher Kühnling.

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