Bauer sucht Besucher

Blick in den Stall

Zur Aktion „Bauer sucht Besucher“ hatte das Landvolk Mittelweser nach Nienstedt eingeladen. Britta Kaiser und Karsten Kehlbeck führten die Interessierten über den Hof und in den Schweinstall.
23.08.2020, 18:06
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Von Dorit Schlemermeyer
Blick in den Stall

Landwirt Karsten Kehlbeck zeigte nicht nur, wie seine Schweine leben, sondern beantwortete auch die Fragen der Gäste.

Vasil Dinev

Weltweit gibt es mehr als 700 Schweinerassen. Die in Deutschland bedeutendsten sind die Deutsche Landrasse, Deutsches Edelschwein und Deutsches Pietrain, Angler und Deutsche Sattelschweine. Die meisten Tiere sind Kreuzungen dieser. Aber nicht nur das erfuhren die Besucher des Hofes Kehlbeck in Nienstedt bei einer Führung durch die Schweineställe. Organisiert vom Landvolk Mittelweser kamen die Gäste am Sonnabend unter dem Motto „Bauer sucht Besucher“ vorbei. Dass Besucher sich für den Bauernhof mit Schweinehaltung interessieren, zeigten die 45 Anmeldungen, sodass sogar zwei Führungen angeboten wurden.

Britta Kaiser und ihr Mann Karsten Kehlbeck begrüßten ihre Gäste auf ihrem Hof, der mit dem „Tierwohl“-Label ausgezeichnet ist. Teilnehmer verpflichten sich bei der Initiative, Kriterien einzuhalten, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen. Die Besucher waren sichtlich interessiert und stellten von Anfang an Fragen. 540 Sauen und 2560 Ferkel beheimatet der Hof zurzeit, und die Grundrisszeichnung an der Scheunentür zeigte ihre Aufteilung: Aufzuchtstall mit Besamungs- und Wartebereich, Strohstall und Abferkelstall. „Wir haben damals die Stallungen großzügig geplant, haben etwa 40 Prozent mehr Fläche als vorgeschrieben“, erläuterte Kehlbeck. Bevor die Besucher diese Stallungen allerdings betreten durften, hatten sie strikte Hygienemaßnahmen zu befolgen. So mussten alle Besucher grüne Einmal-Overalls anziehen und Plastikfüßlinge über die Schuhe ziehen.

Der Stall war für die jüngeren Kinder doch eine gewisse Herausforderung. Ob der vielen Besucher waren die Tiere ein wenig unruhig und nicht eben leise. Außerdem sind sie zwar in Stationen, können diese aber jederzeit verlassen und machten davon auch Gebrauch. So näherten sie sich auch mal den Besuchern. Der kleine Ben suchte da lieber Schutz auf Opas Arm. Währenddessen gab es von Schweinehalter Kehlbeck weitere Informationen: Neben den großen Ställen ist eine weitere Besonderheit die Verwendung von Transportern, die ihm die nötigen Daten liefern – unter anderem über Fressmenge oder Gewicht. Markierungen auf den Rücken der Sauen zeigen an, in welchem hormonellen Stadium sie sich befinden, um so den Zeitpunkt für die Besamung zu ermitteln. „Wird das immer künstlich vorgenommen?“, fragte ein Besucher. „Das hat sich als die effizienteste Methode erwiesen, aber der Eber spielt auch noch eine Rolle“, erläuterte Kehlbeck. Denn die Besamung verlaufe erfolgreicher, wenn der Eber anwesend sei. Und der hat eine weitere Aufgabe, wie Britta Kaiser erklärte: „Der Eber findet die Sauen, die eine Fehlgeburt hatten.“

Angesichts der Anzahl der Tiere wurde Kehlbeck gefragt, ob es nicht Massentierhaltung sei. „Solche Begriffe sind schnell in aller Munde, aber unsere Erfahrung zeigt, dass das Zusammenführen von 100 Tieren günstiger ist als das von 50, weil dann weniger um die Rangordnung gekämpft wird und sie sich weniger beißen.“

Im nächsten Stall, dem sogenannten Strohstall, gab es dann eine Überraschung. Denn im Gegensatz zur Erwartung drängelten sich die Tiere auf dem Spaltenboden und nicht im Stroh: „Im Sommer bevorzugen sie den Spaltenboden wegen der Hitze“, gab es Aufklärung darüber von Britta Kaiser. Und auch immer wieder Diskussionen mit den Gästen über die Haltung und die Rassen. Auf die Frage „Warum werden nicht mehr alte Rassen gezüchtet wie die Bentheimer?“ antwortete der Hofherr: „Das Fleisch der Bentheimer ist fettdurchsetzt, das würde heute keiner mehr essen.“ Ein bis zwei Prozent betrage derzeit der Anteil an Biofleisch. „Die Verbraucher sind schuld“, waren sich etliche Besucher einig mit ihm. Während hier strenge Auflagen und Gesetze zu erfüllen seien, importierten große Einzelhandelsfirmen Fleisch aus dem Osten, das mitnichten diese Anforderungen erfülle.

Zum Abschluss ging es in den Abferkelstall und die Kinder bekamen ein kleines Ferkel in die Hand. Sauen werden mit sechs Monaten geschlechtsreif und bringen in zwei Würfen je acht bis 14 Ferkel zur Welt. Die Tragzeit beträgt drei Monate, drei Tage und drei Wochen und die kleinen Ferkel bleiben 21 bis 35 Tage bei der Mutter. Als der Rundgang zu Ende war, trafen sich alle wieder in der Scheune bei der Mühle und wurden von Britta Kaiser bewirtet. „Für mich war das absolutes Neuland, aber hochinteressant. Ich bin froh, dass ich dabei war“, lautete das Fazit eines Besuchers.

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