Baum it

Holz verbindet

In Nordwohlde wird zurzeit fleißig an neuen Sitzbänken gearbeitet. Der Holzkünstler Andreas Koch-Warnken leitet dabei eine Arbeitskolonne aus Konfirmanden an.
19.09.2021, 16:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Dominik Albrecht / doa

Bassum-Nordwohlde. Schleifgeräte heulen, Handäxte schwingen, eine Säge bringt lautstark Bretter in Form. Und mittendrin – ein Rasenmäher? „Ich habe dem Nachbarn gesagt, wenn wir laut sind, soll er Rasen mähen. Dann nervt ihn der Lärm nicht so“, erklärte Andreas Koch-Warnken und lacht. Der Baum-Künstler war verantwortlich für die handwerkliche Sonate. Im Zuge seines Baum-It-Projektes fertigte er am Sonnabend mit Konfirmanden der Nordwohlder Kirchengemeinde an der dortigen Streuobstwiese Bänke und einen Tisch für künftige Rasten.

Baum-It: Der denglische Kunstbegriff (eine Mischung aus deutsch und englisch, Anm. d. Red.) bedeutet „mit dem Baum verändern“. Und genau das macht Koch-Warnken nach eigenen Worten seit rund zehn Jahren. In verschiedenen Gemeinden, mit unterschiedlichen Gruppen jeden Alters. Diesmal standen Konfirmanden auf der Teilnehmerliste. „Wir saßen für den Gemeindebrief zusammen. Parallel kam die Anfrage für die Bänke. Da haben wir uns kurzerhand für dieses Projekt zusammengeschlossen“, berichtete die Pastorin Sandra Kopmann, deren Kirchengemeinde auch Besitzer der Wiese ist. Die eigentlichen Vorbereitungen fanden erst einen Tag vorher statt. Für den Künstler begann der Sonnabend um 9.30 Uhr und zog sich bis in den späten Nachmittag. Gemeinsam haben die Konfirmanden Modelle vorbereitet – aus Zucchini. „Durchmesser und Längenverhältnis entsprechen dem eines Baumstammes“, klärte Koch-Warnken über den ungewöhnlichen Werkstoff auf.

Gute Zusammenarbeit

Dass die Jugendlichen teilweise einen Schleifer oder eine Axt zum ersten Mal in den Händen hielten, wurde am Praxis-Tag nicht wirklich ersichtlich. Im ständigen Austausch gaben sich die Konfirmanden gegenseitig Tipps, steigerten ihre Routine mit jedem Schritt. „Das funktioniert viel besser, als wenn ich dabeistehe und ihnen sage, was sie alles nicht dürfen“, war sich der Experte sicher. Anfangs habe es zwar noch ein kleines Konkurrenzdenken gegeben, á la „mein Holz, dein Holz“. Die Zusammenarbeit laufe jedoch gut. Koch-Warnken hatte dabei sein eigenes Vorgehen, die Jugendlichen altersgerecht für die Arbeit zu motivieren. Neben Eigeninitiative sei es wichtig, die Cliquen aufzubrechen, da sich viele der Jugendlichen aus der Grundschule kannten. „Ich habe sie ermutigt, auch mal mit den anderen zusammenzuarbeiten. Nur so können neue Ideen entstehen.“

Die Arbeit an dem Projekt biete den Jugendlichen einige Herausforderungen und sorge für Wow-Erlebnisse. „Mit dem Kran kann einer alleine zum Beispiel einen ganzen Stamm hochheben“, erklärte Koch-Warnken. Seiner Meinung nach eine elementare Erfahrung. „Man kann sich etwas vornehmen, es umsetzen und im wahrsten Sinne des Wortes mit den eigenen Händen bewegen.“ Auch sei die Arbeit teambildend. So könnten die Baumscheiben nicht alleine getragen werden. „Ein Brett wiegt an die 180 Kilogramm. Die Jugendlichen müssen koordiniert arbeiten.“ Für den Bassumer war das Projekt auch Anreiz, mehr mit den eigenen Händen zu erschaffen. Da es an den Schulen kein Werk-Unterricht mehr gebe, würde vielen Jugendlichen der Umgang mit Rohstoffen wie Holz fehlen. „Auf dem Land mag das noch einigermaßen gehen, aber in der Stadt wird höchstens ein Loch für den Flachbildfernseher in die Wand gebohrt.“

"Echt lustig mit den Konfis"

Die 13-jährige Runa gönnte sich am Rande des Geschehens derweil eine kleine Auszeit. „Das ist anstrengend. Seit kurz nach 10 Uhr bin ich hier“, sagte sie sichtlich erschöpft. Spaß mache ihr die Arbeit aber dennoch. Besonders habe es ihr das Schleifgerät angetan. Auf die Frage, ob sie sich das für ihre spätere Berufslaufbahn vorstellen könne, war Runa nicht abgeneigt. „Ich möchte eigentlich Automechanikerin werden. Wenn das aber nicht klappen sollte, könnte ich mir das durchaus vorstellen“, blickte sie gen Zukunft. Einen Wunsch für Selbige hatte sie immerhin: „Es ist echt lustig mit den Konfis. Viele kenne ich schon länger, aber es ist schon etwa vier Jahre her, dass wir uns alle das letzte Mal gesehen haben. Ich hoffe, dass wir uns nach der Konfirmation nicht aus den Augen verlieren.“

Ein Ziel für den Sonnabend hatte sich Koch-Warnken nicht gesetzt. „Ich will, dass jeder mal Staub gemacht hat“, sagte er und lächelte. Die Arbeiten gehen bis zum Wahlsonntag. Frauen und Männer jeden Alters können sich bei Interesse gerne anschließen. Zur besseren Koordinierung bittet Koch-Warnken aber um eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 0173/2036580. Das Ergebnis soll am Tag der Regionen auf der Streuobstwiese vorgeführt werden.

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