Benefizkonzert

Ein Licht im Dunkeln

Was für ein Konzert: Vor allem die Solisten brillierten beim Auftritt für den guten Zweck in der Bassumer Stiftskirche. Gesammelt wurde Geld für die Reparatur der Becker-Orgel.
12.07.2020, 18:07
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Von Dorit Schlemermeyer
Ein Licht im Dunkeln

Perplex: Ralf Wosch (links) und Johann Günther legten einen tollen Auftakt zum Benefizkonzert hin.

Vasil Dinev

Bassum. Endlich wieder ein Konzert, endlich wieder Livemusik. Möglich gemacht haben das die Kreiskantoren Réka-Zsuzsanna Fülöp und Ralf Wosch. Sie haben mit Mitgliedern aus ihren Chören ein Programm auf die Beine gestellt, das für Jede und Jeden etwas bot, fröhliche, melancholische, andächtige, berührende Momente schuf. „Schon ein kleines Lied kann das Dunkel erhellen“, zitierte Ralf Wosch Franz von Assisi. „Mit unserem Konzert möchten wir das Dunkel ein wenig vertreiben.“ Damit kündigte der Kantor ein Programm an, das aus geistlicher und weltlicher Musik bestand.

Mit Improvisationen von Ralf Wosch am Digital-Piano begann dann am Sonnabend in der Bassumer Stiftskirche ein ganz einmaliges Konzert, das Chormitglieder zudem die Möglichkeit bot, ihre Fähigkeiten als Solisten unter Beweis zu stellen. So Johann Günther, der mit seiner Posaune im sensiblen und perfekten Zusammenspiel mit Ralf Wosch am Klavier den perfekten Auftakt schuf mit „Perplexed“ von Elisabeth Raum, die zu den renommiertesten kanadischen Komponisten zählt. Das gefiel den Zuhörern, die im gebührenden Abstand in jeder zweiten Kirchenbankreihe saßen und laut applaudierten.

Das nächste Stück war die Titelmusik aus „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber, das wirkungsvoll von Christiane Burdorf an der Orgel in Szene gesetzt wurde – genauer gesagt: der Becker-Orgel, der das Konzert auch dienen sollte. Ziel war es, Spenden für deren Restaurierung einzunehmen. Nach einer weiteren modernen Komposition von Helmar Hill, wieder in harmonischem Zusammenspiel von Günther und Wosch, hatten Chormitglieder als Solisten die Gelegenheit, Lieder von Johann Sebastian Bach vorzutragen. Allesamt übrigens in der wöchentlichen Einzelstimmbildung von Réka-Zsuzsanna Fülöp auf einen solchen Auftritt vorbereitet.

Den Anfang machte Horst Weymann mit: „Liebster Immanuel, Herzog der Frommen.“ Die romantischen Zeilen wurden durch die warme Tenorstimme Weymanns zu einem berührenden Hörerlebnis. Fenja Burdorf und Michael Kohlwes sorgen ebenso dafür, dass die Zuhörer geradezu ergriffen lauschten bei „Dir, dir Jehova“ und „Lasset uns mit Jesu ziehen“.

Und es folgten weitere beeindruckende Hörerlebnisse wie die Arie aus „Josua“ von Georg-Friedrich Händel, die Daniela Preisigke mit ihrer hellen Sopranstimme beeindruckend darstellte. Ebenso schön: „Das Veilchen“ von Johann Friedrich Reichardt im Duett von Réka-Zsuzsanna Fülöp und Michael Kohlwes oder das „Mailied„ von Daniela Preisigke und Edith Pleyer. In der Kirche war es still, als das schöne Wiegenlied von Johannes Brahms erklang: „Guten Abend, gute Nacht, von Rosen bedacht“. Solist Jürgen Schlüterbusch konnte mit seiner Stimme ebenso das Publikum beeindrucken wie seine Vorgänger.

Dann wurde es wieder moderner und David Bence Wosch hatte mit der anspruchsvollen Sonatine seinen zweiten Auftritt. 1915 vom ungarischen Komponisten Bela Bartok komponiert, ist besonders der dritte Satz, das Finale nach „Bärentanz“ und „Dudelsackpfeifer“, spannungsgeladen und temperamentvoll. Jazz, Klassik, Kunstlieder, moderne Oper und dann noch Gospellieder, von Peter Hermann eindrucksvoll dargeboten, dazu messianische Gesänge von Kerstin Hillmann-Appmann – die Konzertbesucher dokumentierten das Angebot mit viel Applaus.

Aber es gab auch noch einen weiteren Auftritt von Fenja Burdorf. Sie überzeugte als Sängerin, aber vor allem auch als Gitarristin, dieses Mal zusammen mit Tanja Rusch an der Blockflöte mit der schönen „Andenmelodie“ und „Coconut Samba“ von Gisela Gosewinkel. Als fast zwei Stunden vorüber waren, schloss sich der Kreis. Die mitreißenden Schlussakkorde setzten Ralf Wosch und Johann Günther mit „Ein feiner Zug“ von Helmar Hill. Der Applaus des Publikums war fast schon frenetisch und eine Zuhörerin brachte es auf den Punkt, als sie meinte: „Ich wusste nicht, wie sehr ich das Hörerlebnis eines Livekonzerts vermisst hatte.“

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