Kompost von Basshum

Zurück in den Kreislauf

Seit fast 30 Jahren sorgen die Landkreis-Bewohner für Kompost und Wärme. Bei Basshum, einer Tochter der AWG, wird etwa aus Bioabfall Kompost hergestellt, der gekauft werden kann. Doch es gibt noch mehr.
06.04.2020, 17:27
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Zurück in den Kreislauf
Von Tobias Denne
Zurück in den Kreislauf

Rund 58 000 Tonnen Abfall werden im Kompostwerk der Humusvermarktung verarbeitet, verwertet und wieder in den Kreislauf gebracht.

AWG

Wenn die ersten warmen Tage des Jahres anstehen, sagt Sven Meyer, dann gehe es richtig los. So wie vor wenigen Wochen. Dann stand beim Vertrieb von Basshum plötzlich Auto an Auto. „Die ersten Pflanzungen werden gemacht, die Gartenarbeit startet und die Leute werden langsam nervös“, sagt er schmunzelnd. Und das kommt der Humus-Vermarktung natürlich zugute. Denn wenn die Gartenarbeit startet, dann geht auch die Saison bei Basshum los. Seit diesem Dienstag, 7. April, ist der Verkauf trotz Corona-Krise wieder gestartet. Bei dem Tochterunternehmen der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) in Bassum können Kunden unter anderem fertigen Kompost kaufen. Der Clou: Das Endprodukt stellen sie quasi selbst zur Verfügung.

Bananenschalen, Äpfel, Kaffeesatz oder Rasen – alles, was in den Bioabfall wandert, wird verwertet. Im Kompostwerk wird aus dem Bio- und Grünabfall dann der Fertigkompost, den man auch wieder kaufen kann. Der ist darüber hinaus auch zertifiziert. „Das klassische Ziel war und ist, dass man den Kompost aus dem eigenen Werk vermarktet“, erzählt Meyer über die Gründung der Humus-Vermarktung. 1993 war das. Hatte Kompost anfangs „nicht den besten Ruf“, wie es Meyer formuliert, hat sich das in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Denn nicht erst seit gestern achten Gartenbesitzer auf den Arten- oder Naturschutz.

Für die nächsten Wochen prophezeit Meyer: „Als nächstes wird Moos bei uns angeliefert." Schließlich stehe die Saison direkt vor der Tür, und für einen schönen Garten müsse auch der Rasen vertikutiert werden. Das Moos kommt dann in die Komposthalle. Dort wandert es mit dem Bioabfall und anderen Grünabfällen in die sogenannte Rottehalle. 178 Meter lang, 35 Meter breit und gegen die äußere Atmosphäre abgekapselt. Per Druckluft, einem Umsetzgerät – dem sogenannten Wendelin – und Kleinstlebewesen wird aus dem Abfall am Ende Kompost – pro Jahr werden rund 58 000 Tonnen Abfall so verwertet und zurück in den Kreislauf gebracht. "Die Menge halbiert sich etwa", sagt Meyer. Er ist mit Frithjof Schulz dafür verantwortlich, dass die Produkte der Humus-Vermarktung an den Mann und die Frau kommen. So vermarkten die beiden knapp 20 000 Tonnen Kompost jedes Jahr. Von der Anlieferung bis zum fertigen Produkt dauert es übrigens acht Wochen.

Frithjof Schulz (links) und Sven Meyer kümmern sich um den Vertrieb bei Basshum.

Frithjof Schulz (links) und Sven Meyer kümmern sich um den Vertrieb bei Basshum.

Foto: Vasil Dinev

„Wir bringen ihn dann an die Erdenindustrie, in die Gartenbaubetriebe und zum Hobbygärtner“, beschreibt Meyer die nächsten Schritte. So finde man in fast jeder Blumenerde einen Kompost-Anteil. Vor Ort bei der AWG und an drei weiteren Standorten (Aschen, Melchiorshausen und Sulingen) im Landkreis kann man unter anderem die Blumenerde kaufen. „Der Verkauf ist über die Jahre gewachsen, mittlerweile ist das ein Selbstläufer. Das war am Anfang noch ganz anders“, berichtet Meyer. Der Vorteil für die Gartenbesitzer ist, dass sie ihren Grünabfall vorbeibringen, damit der entsorgt wird, und gleichzeitig wieder Blumenerde mitnehmen können.

Das ist allerdings nicht das einzige Produkt, was die Humus-Vermarktung verkauft. So liegen beim Vertrieb auch Feuerholz und Holzpellets für den Ofen oder verschiedene Rindenmulch-Sorten für den Garten. „Wir hatten am Anfang hier zwei Sorten, aber der Bedarf ist da“, sagt Frithjof Schulz über das Angebot. Fügt aber hinzu: „Das hätte ich auch nicht gedacht.“ Genau so, wie die Tatsache, dass Gartenbauer mittlerweile keine Saisonzeiten mehr kennen. Vor Jahren war der Winter noch ein totes Geschäft, da weder Rindenmulch noch Blumenerde gebraucht wurde. Das ist übrigens auch der Grund, weswegen die Humus-Vermarktung Feuerholz und Pellets anbietet – das brauchte man nur in der kalten Jahreszeit. Heutzutage ist das Schnee von gestern. Durch die milden Winter kommen Gartenbauer ganzjährig vorbei und holen sich die Produkte. „Wir haben aber im Jahr zwei Spitzen. Im Frühjahr und Herbst. Früher hatten wir ein Sommerloch, aber das gibt es nicht mehr“, erzählt Sven Meyer.

Die Menschen im Landkreis Diepholz sorgen derweil nicht nur für den Fertigkompost selbst, sondern auch dafür, dass es im Bassumer Krankenhaus warm wird. Der Bioabfall kommt zunächst in die Trockenvergärungsanlage auf dem Gelände der AWG, wo – wie der Name es schon sagt – der Abfall vergärt wird. Das aus dem Vergärungsprozess gewonnene Biogas wird zu einem Blockheizkraftwerk geleitet. Der dort entstehende Strom wird zum Eigenverbrauch genutzt. Die parallel gewonnene Abwärme dient zur Versorgung der Fernwärmeleitung zwischen der AWG und dem Krankenhaus Bassum. Die verbleibenden Gärreste werden im Kompostwerk zu Fertigkompost weiterverarbeitet. Der dann wiederum gekauft werden kann. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

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