Boot Bremen

Geschäft mit Tiefgang

Vor 24 Jahren waren Martin Haake und sein Kollege in den USA, um sich ein Boot zu kaufen. Ein paar Jahre später haben sie das zu einem Geschäftsmodell entwickelt. Doch Haake macht nicht nur das.
12.10.2020, 17:35
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Geschäft mit Tiefgang
Von Tobias Denne
Geschäft mit Tiefgang

Karibik oder Dreye? Auch hierzulande lässt es sich auf einem Sportboot gut aushalten.

Michael Galian

Bassum-Kastendiek. Wenn Martin Haake an die erste Zeit denkt, dann war „es schon abenteuerlich“, sagt er und lacht. Dabei waren die Male, in denen er und sein Freund mit fast mehren Tausenden Dollar Bargeld in die USA geflogen waren, noch die Spitze des Eisberges. „Damals war das mit dem Internet erst am Anfang“, erinnert sich Haake. Also sind er und sein Kollege dreimal im Jahr nach Übersee geflogen, um sich Boote anzuschauen, zu kaufen und am Ende in Deutschland wieder unter die Leute zu bringen. Mit dem Unternehmen Boot Bremen sorgt Haake, seit vier Jahren allein im Geschäft, aber vor allem dafür, dass gekaufte Boote aus den USA eine CE-Zertifizierung bekommen und hier fahren dürfen.

Der Bassumer sitzt in seinem Büro in der Halle direkt an der Bundesstraße 51 in Kastendiek. An der Wand hängen Bilder von verkauften Booten. Angefangen haben Haake und sein Kollege vor 24 Jahren. Beide wollten privat nach einem Boot schauen und dachten: „Es muss doch billiger gehen als in Deutschland.“ Also rüber in die USA. Elf Jahre später fingen beide an, mit dem Modell Geld zu verdienen. Boote in den USA kaufen und in Deutschland wieder verkaufen. „Wir wollten, das Boote auch für andere erschwinglich werden“, sagt Haake. An sein erstes Boot kann er sich übrigens noch erinnern. So wollte er eines kaufen, das in Deutschland rund 72 000 Euro gekostet hat, drei Jahre später 100 000 Euro. „In Amerika kostete das 23 000 Dollar“, erzählt Haake und fügt hinzu: „Heute ist der Unterschied nicht mehr so extrem.“

Wenn er Boote über seine Kontakte in den USA kauft, dann kann auch schon mal das eine oder andere Schmuckstück auf dem Boot selbst bleiben. Verschiedene amerikanische Flaggen hängen an der Wand der Halle in Kastendiek, Wasserski oder auch Schwimmwesten. „Ich habe so viele, wenn ich etwas verschicke und etwas polstern muss, schicke ich eine Weste mit“, sagt Haake und lacht. Das liegt unter anderem daran, dass es in den USA vorgeschrieben ist, so viele Schwimmwesten an Bord zu haben, wie Menschen darauf passen. Der Bassumer baut die Boote auch um. So liegt die Netzspannung in Deutschland bei 230 Volt, in den USA bei 115. Allein das müsse geändert werden. Für Polster, Motor und Lack hat Haake hier Partner.

„Wir haben viel Spaß gehabt“, sagt er mit Blick auf die vergangenen Jahre. So seien er und sein Kollege anfangs in die USA geflogen und hatten vorher nur Flug und Auto gebucht. „Wir sind dann in Motels gefahren“, erinnert sich Haake. Irgendwann stiegen die Ansprüche und die beiden waren schon mal länger auf der Suche nach einem Motel. Dann wurde ein Haus gemietet. Oder als ein Boot aus Saint Petersburg importiert wurde. „Das war zu groß für die Straße“, sagt Haake und lacht. Daher absolvierte es schon aus Bremerhaven seine Jungfernfahrt in Deutschland.

Die Halle selbst ist derzeit leer, schließlich war bis vor Kurzem noch Saison. Aber auch sonst wird der Raum nicht vollgestellt mit Booten. „Mir wichtig, dass die trailerbar sind. Ich kaufe Boote, die ich auch selbst transportieren kann“, erzählt der Bassumer. Früher hätten er und sein Kollege auch große Boote, die schwerer sind als dreieinhalb Tonnen sind, verkauft. Jetzt kümmert er sich um die leichteren. Ein größeres findet auf jeden Fall in der Halle Platz und ein zweites passt auch, schließlich ist es einfacher die Arbeiten im Winter unter Dach zu machen. Dazu gehört unter anderem natürlich die CE-Zertifizierung. Wenn ein Boot in Bremerhaven ankommt, fährt Haake die knappe Stunde, um das Schiff vor Ort in Augenschein zu nehmen. Alles, was sich auf dem Kahn befindet, wird aufgenommen. Denn ohne CE-Zeichen darf das Boot nicht zu Wasser gelassen werden. Seit 2008 darf eines ohne CE nicht mal den Hafen in Bremerhaven verlassen. „An dem Tag, an dem die Verordnung kam, waren wir die einzige Firma, die mit einem Boot aus dem Hafen gefahren sind“, erinnert sich Haake und lacht. In den folgenden Jahren sind Haake und sein Geschäftspartner „durch ganz Europa gefahren“, erzählt er. Grund dafür war wieder die CE-Zertifizierung, die bei Booten, die vor 1998 importiert waren, nachgeholt werden musste. Schweden, Griechenland, Italien, „wir waren überall“. Mittlerweile habe sich das aber normalisiert. Dennoch: „Ich habe bestimmt 1000 Boote zertifiziert.“

Reisen, das ist derzeit sowieso ein schwieriges Thema. Wegen des Coronavirus boomt der Deutschland-Urlaub und auch Haake könnte davon profitieren. „Ich könnte sofort fünf Boote verkaufen“, sagt er. Das Problem: In Florida, wo er unter anderem an seine Schiffe kommt, liegt der Heimaturlaub auch im Trend. Die Boote werden einfach nicht feilgeboten. Zu seinen Kunden gehören auch viele Familien, die sich für Boote mit Kabinen und Duschen interessieren. Perfekt, um unabhängig zu sein. Allerdings gingen die Preisvorstellungen doch gerne mal auseinander. „Ich will den Leuten nichts vormachen, sondern mit offenen Karten spielen“, betont der Bassumer. So sei es schwierig, ein Boot mit einem Budget von 30 000 Euro zu kaufen, da durch die USA noch ein Strafzoll von 25 Prozent gezahlt werden muss. Martin Haake betont: „Das sage ich den Kunden aber auch.“

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