Breitbandausbau im Kreis Diepholz

Erste Glasfasern in den Rohren

Der Breitbandausbau im Landkreis Diepholz schreitet wieder voran. In Bassum sind nun die ersten Glasfaserkabel in die Leerrohre eingeblasen worden.
28.07.2020, 17:41
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Erste Glasfasern in den Rohren
Von Esther Nöggerath
Erste Glasfasern in den Rohren

Ein Mitarbeiter der Firma Axians ist gerade dabei, die Glasfaserkabel in dem Verteilerkasten für die Weiterleitung in die einzelnen Haushalte vorzubereiten.

Michael Galian

Landkreis Diepholz. Die erste Glasfaser anlässlich des Breitbandprojektes des Landkreises Diepholz ist an diesem Dienstag in die Leerrohre gekommen. Nachdem bereits vor gut einem halben Jahr die ersten Tiefbauarbeiten für das Vorhaben begonnen hatten, ist in Bassum nun der Startschuss für das sogenannte Einblasen der Glasfasern gefallen. „Es freut mich, dass es jetzt richtig losgeht“, sagte Bassums Bürgermeister Christian Porsch, der trotz seines Urlaubs zu dem Termin in Gräfinghausen gekommen war. „Ich hoffe, dass wir dann auch bald Licht auf die Leitungen kriegen.“ Bis das schnellere Internet dann tatsächlich auch in den Haushalten ankommt und benutzt werden kann, wird es aber noch ein wenig dauern. Derzeit rechnen die Verantwortlichen damit, dass im Frühjahr kommenden Jahres die ersten Anschlüsse im Landkreis auch genutzt werden können.

„Während im ersten Schritt, dem Verlegen der Leerrohre, jeder Meter aufwendig erarbeitet werden muss, geht das Einblasen der Glasfaser im wahrsten Sinne des Wortes ganz leicht mit Druckluft“, erklärte der Diepholzer Landrat Cord Bockhop. Beim sogenannten Einblasen der Glasfaser handelt es sich laut Kreisverwaltung um ein spezielles Verfahren zur „nachträglichen“ Verlegung von Lichtwellenleiter-Kabeln. Nachdem im ersten Schritt die Leerrohre unter die Erde gebracht wurden, werden die Kabel auf einem Luftpolster mehrere Kilometer durch das Rohr transportiert. „Nachdem wir überall Löcher in den Boden gebohrt haben, werden wir diese nun füllen“, erzählte Cord Bockhop weiter. Ein Vorteil dieser nachträglichen Verlegemethode ist dabei, dass defekte oder alte Kabel ohne Tiefbauaufwand ausgetauscht werden können und somit deutlich an Geld und Zeit gespart werden kann.

So werden die Hauptverteiler, Point of Presence (Pop) genannt, schließlich mit den einzelnen Röhrchenverteilern (RVT), die in den einzelnen Straßen oder kleineren Siedlungen aufgestellt werden, verbunden. Von den einzelnen Verteilerkästen aus werden dann die Glasfaserkabel in einzelnen Röhrchen in die jeweiligen Häuser gelegt. „Wir bauen hier quasi ein passives Netz“, erklärte Marco Tamburini, Leiter Komplettleistungen beim Unternehmen Axians, das unter anderem in Bassum für die Verlegung der Glasfaserkabel zuständig ist. Man lege zunächst erst die Leitungen, die dann erst später durch Licht aktiviert werden.

Weil für die Verlegung in die Häuser und auch das Anbringen der Dosen in den Wohnungen die Arbeiter auch in die Häuser müssen, bittet das Unternehmen Axians, die Eigentümer um ihre Mithilfe. „Wir werden in den kommenden Wochen versuchen, die Kunden zu erreichen“, erklärte Marco Tamburini. Sollte jemand nicht erreichbar sein und nur auf die Mailbox gesprochen oder dieser per E-Mail kontaktiert werden, bittet das Unternehmen um Rückruf. „Nur so können wir dann auch Termine vereinbaren“, erklärte Tamburini weiter.

Bis die Glasfaserleitungen miteinander verbunden werden können, müssen aber zunächst noch weitere Tiefbauarbeiten und die Fertigstellung von Koppelpunkten erfolgen. Auch daran wird bereits in Bassum gearbeitet. Während im nördlichen Teil der Stadt die Tiefbauarbeiten inzwischen schon abgeschlossen sind und die ersten Glasfasern eingeblasen werden, geht es im Süden jetzt erst richtig los: „Im südlichen Teil sind die Baumaßnahmen vor ein paar Tagen gestartet", erzählte Porsch. Schon jetzt werde aber deutlich, dass die ausführenden Baufirmen dort wieder mit enormer Geschwindigkeit und Tatendrang am Werk sind.

Und auch an anderen Stellen im Landkreis Diepholz schreiten derzeit die Arbeiten für den Breitbandausbau voran. „Wir sind überall im Zeitplan“, zeigte sich Landrat Cord Bockhop erfreut. Auch wenn es durch die Corona-Krise an der ein oder anderen Stelle zu Verzögerungen gekommen sei, habe man diese doch an anderer Stelle wieder ausgleichen können. „Das hätte keiner für möglich gehalten“, sagte der Landrat, der insbesondere auch mit der Größe des Projektes zufrieden ist. Immerhin sollen knapp 18 000 Haushalte im Landkreis durch den Ausbau erreicht werden.

Insgesamt investiert der Landkreis Diepholz mit Zuschüssen von Land, Bund sowie der EU rund 180 Millionen Euro in den Glasfaser-Ausbau, um die sogenannten "weißen Flecken" im Kreis schließen zu können. „Der Glasfaserausbau im Landkreis Diepholz ist nicht nur aufgrund seines finanziellen Volumens und seiner Größe ein Leuchtturmprojekt, sondern vor allem, weil er langfristig die Versorgung im ländlichen Raum sichert", sagte der hiesige Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig (CDU) und Cord Bockhop ergänzte: "Wenn erst einmal Licht auf der Leitung ist, verspricht die Glasfaser bis ins Haus – anders als bei anderen Verbindungen wie DSL, VDSL oder Vectoring, die auf Kupferkabel aufbauen – keine Verluste mehr in der Internetgeschwindigkeit. Lichtgeschwindigkeit bleibt Lichtgeschwindigkeit."

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