Tag des offenen Denkmals

Bunker, Burg und Gotteshaus

Bassum steuert fünf Memorials zum Tag des offenen Denkmals am 9. September bei. Die Lindenstadt ist seit Tag eins dabei und lädt zur Entdeckung im Warnamt ein und erklimmt die Spitze der Stiftskirche.
31.08.2018, 15:06
Lesedauer: 5 Min
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Von Dominik Albrecht
Bunker, Burg und Gotteshaus

Bekennen Flagge: Maik Dannemann (v. l.), Gerda Lüdeke, Susanne Vogelberg, Ingrid Skripalle, Christine Franzke und Mirko Krumm.

Braunschädel

Bassum. Die deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde 1985 gegründet und ist heute die größte private Organisation für Denkmalpflege in Deutschland. Ihr wohl bekanntestes Projekt ist der Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 stets am 9. September begangen wird. Mehr als 7500 Denkmäler, auch sonst nicht zugängliche, werden dann deutschlandweit für die Allgemeinheit erlebbar gemacht. Auch die Lindenstadt lässt sich eine erneute Teilnahme – Bassum ist seit dem ersten Tag dabei – nicht nehmen und lädt in die Stiftskirche, zur Wassermühle, zur Alten Oberförsterei Neubruchhausen sowie in den Bunker des ehemaligen Warnamtes ein.

Das Motto "Entdecken, was uns verbindet" ist laut Susanne Vogelberg, Kulturbeauftragte Bassums, an dem europaweiten Sharing-Heritage-Tag angelehnt und soll zusätzlich zu den Denkmälern die europäischen Wurzeln beleuchten. Die Freudenburg sei ein Beispiel dafür, wie lebendig in Bassum mit Denkmälern umgegangen wird. Damit spielt Susanne Vogelberg mit nicht ganz unverhohlenem Stolz auf die erst jüngst an der Konzertmuschel stattgefundene Konzert von Musikgrößen wie Michael Patrick Kelly und John Lees Barclay James Harvest an. "Das ist auch ein Ausdruck, dass unsere Denkmäler mit einem Blick für die Geschichte zugleich für aktuelle Anlässe genutzt werden", sagt sie freudig. Dementsprechend soll das Freudenburg-Gelände selbstverständlich am Sonntag, 9. September, nicht fehlen. Christine Franzke möchte gerade Zweifler davon überzeugen, warum die Motte erhalten werden soll. "Es gibt viele Menschen, die fragen, warum das Gebäude restauriert werden soll", berichtet sie von ihren Erfahrungen. Die Antwort darauf gibt es aus erster Hand in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Bei den Führungen, die auf Wunsch stattfinden, richtet sich die Gästeführerin nach den Interessen der Besucher.

Zukunftsträchtige Wassermühle

Nur einen Katzensprung entfernt von der Freudenbug lädt auch die altehrwürdige Stiftskirche zum Entdecken ein. Gästeführerin Ingrid Skripalle sowie drei ihrer Mitstreiter freuen sich bereits darauf, Besucher an ihrem Wissen über die Stiftskirche teilhaben zu lassen. Wer alles noch ein wenig anschaulicher haben möchte, kann sich sowohl um 14 als auch um 15 Uhr einer Gästeführung mit Klaus-Dieter Sprenger durch das Gotteshaus anschließen. "Im Anschluss ist die Möglichkeit gegeben, den Kirchturm zu besteigen", ergänzt Ingrid Skripalle. Bodo Heuermann und Brigitte Stein wagen dann mit Interessierten um 14.45 und 15.45 Uhr den Gang der rund 200 Stufen. Belohnt werde der Aufstieg mit einem Blick auf die Kirchenglocken und die Turmuhr, die ihre eigenen Geschichten hätten. "Und wenn man die Leiter auch noch erklimmt, kann man sich Bassum von oben ansehen und die nächsten Ziele ausgucken", merkt Skripalle mit einem Augenzwinkern an. Die Kirche selbst wird für Besucher von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet sein. "Dann müssen wir ein wenig verfrüht Schluss machen, weil der Einlass für das Musical beginnt", erklärt sie und spielt damit auf das Stück "Das Geheimnis der Kathedrale" von Kurt Enßle an. Das Kriminalspiel wird von der Bassumer Kinder- und Jugendkantorei unter der Leitung von Kantorin Réka-Zsuzsánna Fülöp aufgeführt und beginnt um 17 Uhr.

Ob von ganz oben ein Blick bis zur Wassermühle in Neubruchhausen drin ist? Dort wartet nämlich von 13 bis 17 Uhr das nächste Denkmal. Hetzen muss sich übrigens niemand, eine Führung wird laut Maik Dannemann vom Verein Wassermühle Neubruchhausen auf Bedarf und somit flexibel angeboten. Es soll über den Stand der Bauarbeiten an der Wassermühle berichtet werden. Im vergangenen Jahr hat der Verein dem historischen Gebäude mit einem Einzylinder-Motor aus dem Jahr 1934 neues Leben eingehaucht. Die 40-PS-Fleißbiene werde momentan aufgearbeitet, zementiert und angeschlossen. "Den Motor können wir zwar nicht auf Knopfdruck anmachen, aber wir arbeiten ordentlich daran und möchten ihn vorstellen", sagt der Mühlen-Fan. Um wieder den Anschluss an den europäischen Gedanken des Feiertages zu bekommen, macht Maik Dannemann auf die Herkunft des aus dem Jahr 1730 stammenden Fachwerks aufmerksam: "Das gehörte letztendlich dem Staat und damit dem König Georg II, der zugleich König von England war." Interessierte können mit einem Abstecher bei der Wassermühle übrigens nicht nur einem geschichts-, sondern auch einem zukunftsträchtigen Ort einen Besuch abstatten. Denn der eingebaute Motor soll nicht nur der Zierde dienen. "Wir wollen die ganze Mühlentechnik wieder einbauen und tatsächlich wieder Getreide mahlen", stellt Maik Dannemann in Aussicht.

Nach ein paar Schritten durch den Wallgarten sind Historik-Interessierte schon bei der nächsten Attraktion Neubruchhausens: der alten Oberförsterei. Gerda Lüdeke vom Heimatverein Neubruchhausen lockt mit einem Angebot für Jung und Alt. Dafür warten in, hinter und vor dem Gebäude Angebote. Sprichwörtlich vorne angefangen, können Besucher zunächst Motorrad-Oldtimer bestaunen. "Da auch Harleys dabei sein werden, schlagen wir auch gleich wieder den globalen Brückenschlag", wirft Susanne Vogelberg gut gelaunt ein. Im Gebäude selbst gibt es eine kleine Stärkung in Form von Kaffee und Kaltem Hund – aber auch Wildschweinwürstchen werden angekündigt. Hinter der Oberförsterei können sich Kids bei Mitmachaktionen des Waldpädagogikzentrums Hahnorst austoben. Letztere gehen auf das Konto des Waldpägagogens Marcus Hoffman und seinem weiblichen Pendant Sylke Meyer. Mitunter gilt es, seinen Tastsinn bei einem Fühlbeutel zu testen. "Und wenn ich den europäischen Gedanken aufgreifen soll, kann ich da nur unseren Friedrich Erdmann erwähnen", platzt es aus Gerda Lüdeke heraus. "Unser" Friedrich August Christian Erdmann kam 1892 als Öberförster nach Neubruchhausen und hat für eine Revolution im Kampf gegen das Baumsterben gesorgt, der europaweit Beachtung geschenkt wurde.

Entdeckungstour im Maulwurfsbau

Weil Mirko Krumm vom Bassumer Verein Warnamt II im vergangenen Jahr rund 300 Besucher im Bunker des ehemaligen Warnamts II an der Straße Helldiek in Bassum begrüßen durfte, bestand an einer erneuten Teilnahme kein Zweifel mehr. "Und so können wir noch einmal deutlich zu machen, dass wir eine ganz besondere Vielfalt an Denkmälern in Bassum haben", findet auch Susanne Vogelberg. Von 10 bis 18 Uhr können Entdecker den Bunker entweder auf eigene Faust oder als Teil der stündlich angebotenen Führungen ganz genau unter die Lupe nehmen. Ein standes- und zeitgemäßer Zivilschutzkübelwagen weist vor dem Bunker den Weg. Im Maulwurfsbau wurden mitunter die Schlafräume wiederhergestellt. Krumm hofft darüber hinaus, "dass der Einsatzraum bis zum Tag des Denkmals fertig ist". Besonders interessant für Kinder ist sicherlich der funktionierende Fernschreiber mit Lochkarten, die die Kids beschreiben und als Andenken mit nach Hause nehmen dürfen. "Auch die gesamte Telefonanlage funktioniert, da kann wild mit gespielt werden", verkündet Mirko Krumm stolz. Dieser rät übrigens, angesichts des dreistöckigen Bunkers ordentlich Zeit mitzubringen. Eine Führung dauere schon eine Stunde. Kuchen und Kaffee runden das Angebot ab. Mirko Krumm ist sich sicher: "Da wird jeder auf seine Kosten kommen."

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