Lange Wartezeit bei widrigen Bedingungen

Chaos am Corona-Impfzentrum in Bassum

Das Chaos am Corona-Impfzentrum in Bassum am vergangenen Dienstag ist laut Kreisrat Jens-Hermann Kleine mit neuen Aufklärungs- und Anamnesebögen zu erklären. Dem widersprechen einige Impflinge.
09.04.2021, 18:08
Lesedauer: 2 Min
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Chaos am Corona-Impfzentrum in Bassum
Von Eike Wienbarg
Chaos am Corona-Impfzentrum in Bassum

Ein neues Zelt soll die Wartenden am Impfzentrum in Zukunft besser vor Wetterkapriolen schützen.

Vasil Dinev

Bassum/Landkreis Diepholz. Der massive Stau vor dem Bassumer Corona-Impfzentrum am vergangenen Dienstag erhitzt auch weiterhin die Gemüter. „Wie kann es sein, dass so viele Menschen gleichzeitig zum fast selben Zeitpunkt für eine Impfung einbestellt worden sind?“, fragt der Seckenhauser Wilhelm Eugen Mayr in einem offenen Brief an unsere Zeitung. Er hatte sich am Dienstag zu seinem Impftermin um 11.15 Uhr auf den Weg nach Bassum gemacht. „Um 11.03 Uhr habe ich mich eingereiht in die Schlange der Wartenden, nachdem ich selbige - mindestens 30 Personen - nach ihrem Termin befragt hatte. Sie waren bestellt auf die Zeit zwischen 11.15 und 11.45 Uhr, wie ich“, erzählt Mayr weiter.

„Man muss nicht Mathematik studiert haben, um zu der Feststellung zu gelangen, dass es wohl unmöglich sein dürfte, etwa 300 Menschen - so viele befanden sich in der Schlange vor mir - zwischen 11.15 und 11.45 Uhr zu impfen“, sagt der Seckenhauser. Mit vielen übrigen „Leidensgenossen“ habe er etwa zwei Stunden draußen in „der klirrenden Kälte, bei zum Teil nur schwer zu ertragendem Schneegestöber geduldig gewartet“. „Ein freundlicher Security-Vertreter bot zwei Schirme für uns immer noch etwa 250 Wartende an“, sagt Mayr. Statt der eingeplanten 45 Minuten konnte Mayr nach eigenen Angaben erst nach knapp drei Stunden den Heimweg antreten.

Auch andere zu Impfende berichteten von chaotischen Zuständen am Impfzentrum. So waren dem Vernehmen nach auch Impflinge vor Ort, die eigentlich an den Ostertagen einen Termin gehabt hätten. Dort machte das Impfzentrum wie berichtet allerdings eine Pause.

Zu Hochzeiten blockierten am Dienstagmittag laut Polizeiangaben sogar 500 Impfwillige mit ihren Autos zeitweise die Ein- und Zufahrten zum Krankenhaus sowie die Gehwege, sodass ein Rettungswagen behindert wurde. Aufgrund der überfüllten Parkplätze wurden Fahrzeuge in Bereichen von Halteverbotszonen unerlaubt abgestellt.

Wilhelm Eugen Mayr befürchtet nun, dass bei seinem zweiten Impftermin im Mai ein ähnliches Chaos herrschen könnte, wenn wieder so viele zu Impfende zeitgleich einbestellt werden. Außerdem fordert Mayr von Landrat Cord Bockhop eine Entschuldigung für die Vorkommnisse, die laut Mayr „zumindest in die Nähe von Körperverletzung einzuordnen“ wären.

Kreisrat Jens-Hermann Kleine erklärt die Staubildung auf Nachfrage unserer Zeitung mit einem „Motivbündel“. Für die langen Wartezeiten seien vor allem die neuen Aufklärungs- und Anamnesebögen, die dem Kreis laut seinen Angaben erst am 1. April zur Verfügung gestellt wurden, verantwortlich. Die Dokumente hätten neue Fragen sowie neue Passagen enthalten. „Wir sind erst über die Ostertage informiert worden“, so Kleine. Laut Aussagen des Kreisrates lag die Zahl der Wartenden bei „über 100“. Zur Einordnung: In den Tagen vor Ostern seien jeden Tag rund 1000 Menschen geimpft worden. Das sei auch am vergangenen Dienstag nicht anders gewesen, widerspricht Kleine dem Vorwurf, dass zu viele Termine vergeben wurden. Wilhelm Eugen Mayr bezeichnet diese Erklärung als „Schutzbehauptung“. Die neuen Bögen könnten den massiven Stau nicht erklären, so der Seckenhauser über den Ablauf im Bassumer Impfzentrum am Dienstag.

Die Wettersituation an diesem Tag bezeichnet Kleine als „schwierig“. Daher sei noch am Dienstagabend ein neues Wartezelt vor dem Impfzentrum aufgestellt worden, so der Kreisrat weiter. Am Mittwoch wurde es auch mit einem Boden versehen.

Mit Blick auf die Parkplatzsituation und die Blockade von Rettungswagen sagt Kleine, dass die Polizei die Kontrollen rund um das Impfzentrum erhöht habe. Auch Mitarbeiter der Stadt Bassum und des Landkreises seien jetzt verstärkt vor Ort. „Es ist alles nicht so gut gelaufen“, fasst Kleine die Geschehnisse am Dienstag zusammen. Die Dinge und Probleme, die der Landkreis beeinflussen könne, sollten nun aber abgestellt sein.

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