Kira Frankenberg

Das andere Glück kennengelernt

Kira Frankenberg hat vier Monate in Tansania Englisch unterrichtet und berichtet am Mittwoch in der Bassumer Stiftskirche über ihre Zeit in Afrika.
24.10.2018, 16:48
Lesedauer: 4 Min
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Das andere Glück kennengelernt
Von Tobias Denne
Das andere Glück kennengelernt

Hat während ihrer Zeit in Tansania viel über sich und das Leben in Afrika gelernt: Kira Frankenberg aus Oldenburg.

Braunschädel

Bassum. Kira Frankenberg überlegt lange. Ihr Blick schweift an die Decke. „Als eine Schülerin etwas verstanden und es ihrem Bruder erklärt hat“, erinnert sich die 19-Jährige an einen ihrer schönsten Momente. Oder als sie ihrer Nachbarin ein paar Sachen zum Abschied geschenkt hat und diese weinte. „Wir haben uns gut verstanden und sie hat mir immer viel erzählt.“ Vier Monate war Frankenberg in Tansania und hat an einer Schule Englisch unterrichtet. Mittlerweile ist sie schon wieder ein paar Monate zurück in Deutschland und im Alltag angekommen. Sie studiert in Osnabrück Kunst und Mathe. Von ihrem Alltag in Afrika erzählt sie am Mittwoch, 31. Oktober, im Zuge zweier Gesprächsrunden im Jazz-und-Luther-Gottesdienst ab 11 Uhr in der Bassumer Stiftskirche. Die Idee stammte auch von ihrem Onkel, Pastor Wiardus Straatmann.

Dabei war ihr Plan gar nicht, zu unterrichten. Eigentlich wollte sie im Tuleeni Orphans Home, dem benachbarten Waisenhaus, das mit zur Schule gehört, arbeiten. „Am ersten Tag kam die Mama Faraji (Leiterin der Einrichtung, d. Red.) aus dem Haus und sagte: 'Oh, wir haben eine neue Lehrerin'“, erinnert sich Frankenberg und lacht dabei. Herzlich. Zwar war das nicht der ursprüngliche Plan, doch die 19-Jährige „wollte sowieso Lehrerin werden“. Dabei wurde sie direkt ins kalte Wasser geworfen, schließlich „habe ich vorher noch nie vor einer Klasse gestanden“. Beängstigend sei der erste Tag gewesen, erzählt sie.

Doch die Angst verflog schnell, eine andere Freiwillige half ihr und die Schülerinnen und Schüler waren sehr aufgeschlossen. „Die Kinder dort freuen sich richtig auf den Lehrer und wollen viel wissen“, erzählt sie über ihre Klasse, die etwa 15 Kinder und Jugendliche besuchten. So sollte sie das Fach Englisch auf Englisch unterrichten und Schülern beibringen, die teilweise kein Englisch verstanden. „Es war eine Herausforderung“, gesteht Frankenberg, die insgesamt drei Monate an der Schule in Moshi, einer Stadt im Nordosten Tansanias am Fuße des Kilimandscharo, unterrichtete. Einen weiteren Monat arbeitete sie darüber hinaus für ein Kunstprojekt auf Sansibar.

Zwar waren es nur vier Monate, die Frankenberg in Afrika verbracht hat, aber „Tansania hat mich geprägt“, sagt sie. Beruflich wie privat. So habe sie im Vorfeld nicht gewusst, an welcher Schule sie später unterrichten will. Jetzt weiß sie, dass für sie das Gymnasium infrage kommt. Das lag vor allem daran, dass sie die Schülerinnen und Schüler, die zwischen 15 und 19 Jahre alt waren, immer neu motivieren musste. „Der Unterricht lag auf Grundschulniveau“, freute sie sich unter anderem über Spiele, die sie mit der Klasse spielen konnte. Beeindruckt war sie zudem davon, dass sich die Schüler gegenseitig unterstützten. Wenn jemand etwas nicht verstanden hatte, erklärte es ein anderer Schüler.

Beeinflusst hat sie darüber hinaus die Sicht vieler Menschen auf Afrika. „Als Europäer stellt man sich über die Menschen in Afrika“, kann sie die Arroganz der westlichen Staaten nicht nachvollziehen. Die 19-Jährige ist sich bewusst, dass sie Glück mit dem Land hatte, in dem sie geboren wurde. „Ich habe mein Leben lang Bildung genossen, ich wollte etwas zurückgeben“, nennt sie den Grund für ihre Reise gen Süden. Dafür informierte sie sich im Vorfeld über eine Organisation, die ein Austauschprogramm anbietet. „Mir war es wichtig, dass sie an die Einheimischen und die Kinder denken“, sagt Frankenberg, die während des Gottesdienstes den Menschen einen Einblick in ihre Zeit in Tansania geben – und mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen will.

Denn die typischen Bilder, die man aus Afrika zu Gesicht bekommt, zeigen Menschen ohne etwas zu essen, zeigen das Elend und Menschen ohne Geld. Kira Frankenberg will ein anderes Bild zeigen. Ein Bild der Freude. Natürlich, das sagt die 19-jährige Oldenburgerin, gibt es ebenfalls in Afrika Städte mit befestigten Straßen und Häusern. Sicher, je weiter es aufs Land geht, desto öfter leben Menschen in Holzhäusern. Dort gibt es Elend. „Aber das gibt es hier ja auch“, weiß sie, „nur vielleicht gibt es dort mehr“.

Frankenberg will sensibilisieren. „Die Menschen dort sind anders, sie haben anderes Glück“, weiß sie nun. So hätten die Menschen, die sie getroffen habe, stets gute Laune verbreitet. „In Deutschland haben wir eine ganz andere Mentalität“, sieht die 19-Jährige Dinge, die die Deutschen von den Menschen in Tansania lernen können. So könne man etwa gelassener den Tag starten.

Als ein Problem macht sie während ihrer Zeit aus, dass in Tansania Rassismus ein Thema ist. „Es nervt mich, dass überhaupt ein Unterschied gemacht wird, ob man schwarz oder weiß ist“, erzählt sie etwa davon, dass sich eine Frau weggesetzt hat, nachdem Frankenberg neben ihr Platz genommen hatte. „Als eine weiße Person bist du ein Statussymbol. Du musst mehr Geld bezahlen und die Kinder wollen dich alle berühren“, berichtet sie weiter. Sie kann sich nun deutlich besser in die Menschen hineinfühlen, die wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt werden.

Aber generell sieht sie gerade Tansania im Umbruch. So hätten die westlichen Länder auch den Plastikmüll in das Land gebracht. „Früher gab es hier keinen Müll, bis andere Länder Plastik eingeführt haben“, kritisiert Frankenberg. Denn „wir beklagen uns, dass es den Müll gibt, sehen ihn aber nicht“. Im Gegensatz dazu gebe es in Tansania keine richtige Müllabfuhr, und manchmal werden Feuer etwa mit Plastiktüten angezündet. Dennoch will Kira Frankenberg zurück. Aber noch nicht sofort. Interessant ist es für sie, in zehn Jahren zu sehen, was sich verändert hat. Bis dahin will sie ihr Studium abschließen und Lehrerin werden. Dennoch blickt sie ein wenig in die Zukunft: „Ich würde erst einmal gerne mehr von der Welt sehen.“

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