Jugendhaus Fönix Du und dein Corona-Gesicht

Marcus Libbertz und Andreas Storn vom Jugendhaus Fönix in Bassum nutzen die Zeit, in der die Einrichtung geschlossen ist, und gestalten das Haus nicht nur neu, sondern denken sich neue Aktionen aus. Wie jetzt.
08.02.2021, 13:13
Lesedauer: 8 Min
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Du und dein Corona-Gesicht
Von Tobias Denne

Bassum. Die Tür ist auf, aber ist es ungewöhnlich still im Fönix. Die indirekten LED-Lichter lassen die Wände des Jugendhauses im großen Saal bunt leuchten. Niemand steht am Billardtisch, keiner spielt Tischtennis. Grund dafür ist die Corona-Pandemie, das Jugendhaus musste bereits vor Wochen schließen. Doch das bedeutet nicht, dass Marcus Libbertz und Andreas Storn die Füße hochlegen. Im Gegenteil: Im Fönix hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan und viel verändert. Und die beiden haben gleich eine neue Aktion in petto: Corona-Gesichter. „Die Maske hat unser Leben in den letzten Wochen bestimmt“, sagt Leiter Marcus Libbertz über den Mund-Nase-Schutz.

Also warum nicht die Maske zum Thema machen? So haben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (von acht bis 27 Jahre) von diesem Montag, 8. Februar, bis zum Ende des Lockdown die Möglichkeit, zwei Leinwände pro Person zu gestalten. „Wir wollen, dass sich die Zielgruppe mit dem Thema kreativ auseinandersetzt“, sagt Libbertz. Eine Leinwand soll dafür stehen, was man mit Maske besonders gut machen kann – wie die Zunge herausstrecken, ohne dass es auffällt –, die andere steht für das, was nicht geht oder schwieriger ist – wie eine Kerze auspusten. „Die Idee, was gut und was schlecht mit einer Maske geht, schreibt man hinten auf die Leinwand“, beschreibt Libbertz die Aktion. Er und Storn haben sich von den sogenannten „Corona Faces“ von „One Truth Graffiti“ inspirieren lassen.

Das Wichtigste ist: Es muss ein Gesicht sein, immerhin lautet das Motto „Corona-Gesichter“. Die bekommen für die Zeit des Lockdowns von den beiden Fönix-Mitarbeiterin eine OP-Maske aufgesetzt, die nach dem Lockdown abgenommen wird. So zeigt sich dann das ganze Kunstwerk. Die Leinwände werden übrigens auch auf der Internetseite, auf Facebook und Instagram präsentiert. Storn und Libbertz bringen den Teilnehmern die Leinwände (Größe von 14 mal 16 Zentimeter) zu Hause vorbei und holen sie fertig gestaltet wieder ab. Alles coronakonform eben. Und für Jugendliche, die nicht in Bassum wohnen, aber doch beim Fönix abhängen: Die müssen sich eine Leinwand abholen. „Wir wollen niemanden ausschließen“, betont Libbertz. Dafür muss aber ein Termin abgemacht werden. Die ganze Aktion ist kostenlos. Storn und Libbertz wollen damit auf der einen Seite ein Signal setzen, dass die beiden auch im Lockdown den Jugendlichen bei Problemen weiterhelfen können. „Wir sind weiterhin da und erreichbar“, betont Libbertz. Außerdem soll die Aktion dafür sorgen, dass die Kids nicht nur den ganzen Tag vorm Bildschirm hocken. Gerade durchs Homeschooling „ist die Bildschirmzeit überschritten“, sagt der Leiter des Fönix.

Wenn das Haus wieder öffnen darf, können sich die Besucher auf ein neu gestaltetes Fönix freuen. „Wir ergänzen uns gut“, spricht Libbertz über die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen. So habe er oft die Ideen und Storn das nötige handwerkliche Knowhow, um die Dinge umzusetzen. Beispiel gefällig? Eine neue Sitzecke steht, zusammengezimmert aus Paletten, direkt neben dem Eingang. Storn hat die Paletten mit einem Unkrautbrenner abgeflammt, um dem Holz eine richtige Struktur zu geben. So wie auch der Holztafel an der Wand im PC-Raum. Dort hängt ein Metall-Fisch an der Wand. Die Materialien, unter anderem Spitzhacken und Schaufeln, hatte Libbertz mal von einem Markt mitgebracht. „Wir wollen hier eine angenehme Atmosphäre schaffen und gleichzeitig nachhaltig arbeiten“, sagt Libbertz über die neue Deko. So bastelte Storn eine Sitzgelegenheit aus einem alten Ölfass nach oder Fußhocker mit alten Skateboards. „Jetzt stellen sie ihre Füße nicht mehr auf den Tisch“, sagt er und lacht.

Die beiden Experten wissen, wie wichtig Atmosphäre und Wertschätzung im Fönix ist. „Das macht schon etwas aus. So wird es gemütlich“, weiß Libbertz. Lampen oder das indirekte Licht durch die LED-Streifen sind das i-Tüpfelchen. „Die wollen im Halbdunkeln sitzen“, sagt Storn. Vorher gab es nur die Deckenlampen. Also entweder alles hell oder komplett dunkel. Insgesamt ist den Männern wichtig, dass sich die Jugendlichen wohl im Fönix fühlen. Und sie sollen merken, dass die beiden ihnen helfen wollen, falls sie Hilfe brauchen. „Man kann uns auch anrufen oder schreiben. Wir können Hilfestellungen bei Bewerbungen geben“, nennt Libbertz ein Beispiel.

Beide hoffen, dass das Fönix bald wieder öffnen darf. Wenn sie sich was wünschen dürften, dann wäre es eine Öffnung ohne Beschränkung. So waren im Sommer oft rund 50 Kinder und Jugendliche über den Tag verteilt vor Ort, gleichzeitig durften nur rund zehn bis 15 da sein. Der Rest kam nach und nach, es zeigt sich aber: Sie kommen gern. Libbertz ist überzeugt: „Die Arbeit lebt vom persönlichen Kontakt.“ Auf den müssen sie wohl noch etwas verzichten. Doch wer weiß: Vielleicht können die Kids schon bald ihre „Corona-Gesichter“ im Fönix anschauen – ganz ohne Maske.

Info

Zur Sache

Kontaktmöglichkeiten

Das Jugendhaus Fönix ist über verschiedene Kanäle erreichbar. E-Mail: libbertz@jugend.bassum.de; Handy: 01 60 / 5 06 77 99; Telefon: 0 42 41 / 52 10; Facebook: Foenix Bassum; Instagram: foenixbassum.

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