Mentoring-Programm

Der erste Schritt ist der schwierigste

Seit wenigen Wochen ist Kerstin Staupendahl mittendrin. Sie bildet mit dem Landtagsabgeordneten Volker Meyer das einzige Mentoring-Tandem in Bassum. Das Ziel des Programms: Frauen in die Politik.
02.11.2019, 09:56
Lesedauer: 3 Min
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Der erste Schritt ist der schwierigste
Von Tobias Denne

Bassum. Wenn sie an ihre erste Sitzung zurückdenkt, dann „war sie spannend und höflich“. Und im Gegensatz zur recht verbreiteten Meinung, Politik sei trocken, „hätte es auch ruhig noch länger dauern können“, gibt Kerstin Staupendahl zu. Lange zu überlegen braucht sie dabei nicht. Sie war jüngst im Hannoveraner Landtag und nahm an einer Plenarsitzung teil. Zum ersten Mal. „Die inhaltliche Arbeit fand natürlich vorher statt, aber jede Partei hat ihre Meinung noch einmal vertreten“, sagt die Hallstedterin über ihr Debüt. Schon ein paar mehr Sitzungen an Erfahrungen hat dagegen Volker Meyer. Der Bassumer ist Landtagsabgeordneter der CDU und ein alter Hase, was die politische Bühne Niedersachsens angeht. Beide bilden zusammen das einzige Mentoring-Paar in der Lindenstadt.

Bei dem Programm soll Frauen geholfen werden, einen ersten Schritt in die Politik zu unternehmen. Der sogenannte Mentee wird dabei vom Mentor unterstützt und in die Welt der Ausschusssitzungen, Debatten, Fraktionssitzungen eingeführt. „Ich habe das Programm gelesen und fand es spannend. Dann habe ich mich beworben“, erinnert sich Staupendahl daran, wie sie zum Mentee wurde. Sie konnte einen Wunsch-Mentor angeben und entschied sich bewusst für Volker Meyer. „Ich wollte jemanden, der die Region kennt und engagiert ist“, sagt sie. Erfahrungen auf dem Mentor-Gebiet hat Meyer allerdings noch nicht – „ich habe das vorher noch nicht gemacht, aber wir sind natürlich daran interessiert, junge Menschen und Frauen für Politik zu begeistern“, sagt er. Außerdem kannten sich beide vom „Plakatekleben in Hallstedt“, wie Staupendahl erzählt.

In den kommenden Monaten werden Meyer und Staupendahl dann noch ein paar mehr Erinnerungen teilen, denn das Programm „Frau.Macht.Demokratie“ vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung endet mit der Abschlussveranstaltung im Spätsommer 2020. Den Auftakt machte derweil eine Veranstaltung im August in Hannover. Drei weitere Termine stehen bereits im Kalender, hinzu kommen noch Treffen, die eigens vom Landkreis Diepholz organisiert werden. „So soll man sich untereinander kennenlernen. Außerdem gibt es noch Veranstaltungen zu bestimmten Themen wie Rhetorik oder der fachlichen Unterstützung“, erzählt Bassums Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann.

Volker Meyer weiß um die schwierige Suche nach geeignetem Nachwuchs in der Politik. „Die Newcomer kommen meist erst mit 45 Jahren. Dann ist man gesetzt und denkt sich, 'ich mache das mal als Hobby'“, sagt er. Daher findet er das Mentoring-Programm „eine schöne Sache“, um auch mal früher einen Schritt zu tun. Gaumann weiß, dass gerade Frauen sich auch in der heutigen Zeit noch um die Pflege von Angehörigen oder die Kindererziehung kümmern. „So können sie sich Politik angucken und reinschnuppern“, sagt sie zu „Frau.Macht.Demokratie“. Denn als Mentee muss man am Ende nicht etwa für den Stadtrat kandidieren.

In seiner jahrelangen Tätigkeit hat Volker Meyer schon so einige neue Leute gesehen, „die Motivation war immer da“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Nach einer Wahlperiode ist man auch thematisch drin.“ Aber er weiß auch: Der erste Schritt ist der schwierigste. Das Programm ist hilfreich, findet er. Wenn man erst mal dabei ist und über ein paar Termine ein wenig Politik-Luft geschnuppert hat, dann könne man auch besser einschätzen, wie viel Zeit das Amt in Anspruch nimmt.

Das lernt Kerstin Staupendahl auch gerade. Sie sucht sich die Themen aus, die sie selbst interessieren – „und die, bei denen ich mich kompetent fühle“, schiebt sie ein. Das sind dann Bereiche wie Familie und Beruf sowie Bildung. Aber auch Jugend interessiert sie. Wie die kommenden Monate genau aussehen, das ist abgesehen von den Mentoring-Terminen noch nicht klar. „Ich gucke, was kommt“, kündigt die Hallstedterin an. An neue Themen, auf die sie trifft, geht sie motiviert heran. „Man kann sich ja einlesen und lernen“, schwärmt sie von der Arbeit.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Landtagsabgeordneten der CDU klappt wunderbar. „Wir tauschen uns gut aus. Termine teile ich mit und bekomme eine schnelle Rückmeldung von ihr“, sagt Meyer über den Kontakt. Staupendahl sieht das ähnlich: „Es ist ein kurzer Weg.“ Ferner lässt sich nicht alles schnell und unkompliziert lösen. Da bleiben die beiden doch lieber klassisch, wie Meyer versichert: „Wenn wir uns über ein Thema austauschen, das ist etwas komplexer. Dann ersetzt das Handy keine Sitzung.“

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