Naturbad Bassum

Der Kapitän geht

Nach fast 15 Jahren endet Ende August der Pachtvertrag von Oskar Braun. Dieser wird Bassum und das Naturbad verlassen und sich voll und ganz dem Verkauf seiner Geräte widmen. Vorher blickt er noch mal zurück.
31.08.2019, 10:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Kapitän geht
Von Tobias Denne
Der Kapitän geht

Noch ein paar letzte Blicke, dann gibt Oskar Braun die Leitung des Naturbades in Bassum ab. Sein Pachtvertrag läuft aus.

Braunschädel

Bassum. Zuerst ist Hund Spike in den Ruhestand gegangen. „Wir hatten elf Jahre keine Probleme mit Enten. Die hat er immer vertrieben“, sagt Oskar Braun. Er sitzt an einem Tisch im Naturbad im Schatten. Um 5.30 Uhr hat er an diesem Tag das Bad in Bassum aufgeschlossen. „Wenn dann jemand kommt, kann er schon rein. Das ist kein Problem“, sagt Braun, der die Öffnungszeiten auch gern mal ausdehnt. Neben ihm hat Bettina Lange Platz genommen. Seit zwei Jahren arbeiten sie zusammen. „Sie ist eine sehr gute Mitarbeiterin und ersetzt drei andere“, schwärmt der Pächter von seiner Noch-Kollegin. Denn nach fast 15 Jahren endet die Zeit für Oskar Braun als Pächter des Natur- und Freizeitbades in Bassum. Sein Vertrag wird nicht mehr verlängert.

„Ich habe einfach keine Zeit mehr dafür“, gibt der gebürtige Franke zu. Langweilig wird ihm allerdings nicht. Schließlich hat er bereits während seiner Zeit als Betreiber des Bades immer wieder Geräte erfunden, die ihm und den Mitarbeitern das Leben erleichtern sollen – und die verkauft er. So etwa ein Gerät, das den Boden von Algen befreit. Im Moment arbeitet ein Patient der Bassumer Fachklinik daran, den Boden des Schwimmbeckens zu säubern. „Bevor wir das Gerät hatten, saßen fünf Menschen an der Arbeit“, erinnert sich Braun. Seitdem die Fachklinik in die Lindenstadt gekommen ist, kommen Patienten und helfen mit.

Dass in einem Naturbad ordentlich Arbeit wartet, ist auf dem ersten Blick kaum zu erkennen. Die Wege sind sauber, die Wiese auch. „Oskar Braun hat den Kindern gesagt, wenn sie ihren Müll wegschmeißen, dann bekommen sie ein Bonbon“, erzählt Lange und lacht. „Jetzt haben wir schöne grüne und saubere Wiesen.“ Und an der Sauberkeit des Bodens wird gerade gearbeitet. „Das, was man beim Bau des Bades spart, das steckt man hinterher in das Personal“, weiß Braun. Denn dadurch, dass kein Chlor oder andere Chemie benutzt wird, wuchern etwa die Fugen um die Becken zu – worum sich etwa die Patienten der Klinik kümmern. „In Hochzeiten müssen wir das Babybecken alle zwei Tage mit dem Hochdruckreiniger säubern“, erzählt Oskar Braun. Dabei ist Becken nicht gleich Becken. Je nach Sonneneinstrahlung, Wind, Vegetation drumherum kommen Algen schneller in einem Becken als in einem anderen. „So ein Naturbad muss man verstehen“, sagt Braun. Denn im Gegensatz zum herkömmlichen Bad muss man mehr machen, als „am Computer ein paar Parameter ändern“.

Dennoch – oder gerade deshalb – kommen auch Besucher aus den umliegenden Städten und Regionen nach Bassum, um sich im Wasser abzukühlen. „Viele Städter schätzen das Naturbad“, weiß Bettina Lange. Allerdings fehlten Urlaubsgäste, die einen Abstecher machen. „Man hat in einem Naturbad mehr Urlaubsfeeling“, weiß Oskar Braun, der viel Arbeit und Zeit in das Gelände gesteckt hat. „Damals hat man viele Anfängerfehler gemacht und die Wasserqualität war sehr schlecht. Nur durch täglichen Einsatz wurde das besser“, sagt Braun. Ihm zufolge lag das auch an der Umwälzung. Mittlerweile ist die Qualität „äußerst hoch“, wie er versichert. Das zeigt auch, dass das Bad in den Jahren, in denen Braun nun dort arbeitet, nie wegen Keimen geschlossen hatte. „Es gibt reichlich Naturbäder, die deswegen immer wieder zu machen müssen“, versichert Braun, der eigentlich aus der Gastronomie-Branche stammt.

In Oberfranken wurde das Felsenbad Pottenstein gebaut und Braun übernahm es, weil er sich um die Gastronomie kümmerte. „Das Bad selbst war schön, aber nicht so groß“, erinnert er sich. Nach Bassum kam er, „weil es sich so ergeben hat“, wie er sagt. Denn damals gab es noch nicht so viele Naturbäder. „Irgendwann kam eine Euphorie, weil die im Neubau so günstig waren“, erzählt Braun davon, dass dieser Trend schnell abebbte. „Seitdem ich meine Gerätschaften verkaufe, gibt es wieder eine Steigerung“, versichert er. So wurden anfänglich 20 Naturbäder pro Jahr gebaut, dann zwei und mittlerweile wieder zwischen fünf und zehn. „Damit hat man eine Chance, solche Bäder zu betreiben“, ist er von seinen Geräten, wie dem Wandreiniger, den man mit einer Hand bedienen kann, überzeugt. So bleibe das Bad länger sauber als mit herkömmlichen Mitteln.

Dennoch braucht das Bad gerade am Anfang der Saison viel Pflege. Sechs bis acht Wochen Reinigung, schätzt Braun. „Zwei Hochdruckreiniger laufen jeden Tag“, erzählt er. „Man kriegt schöne Handschmerzen“, sagt Bettina Lange und lacht. Aber auch sie schätzt die Arbeit ohne Chemie: „Es ist ein schnuckeliges Bad geworden.“ Ein Bad, das eigentlich im falschen Klima beheimatet ist. „Es ist zu feucht und zu windig. Klares und heißes Sommerwetter ist ideal“, sagt Braun. Das liegt unter anderem daran, dass das Wasser nicht beheizt wird. So bleiben die Besucher weg, wenn es draußen ein wenig kühler ist. Trotzdem lockt das Natur- und Freizeitbad laut Braun jährlich rund 15 000 Besucher an.

Wie es in Zukunft mit dem Bad weitergeht, wird derzeit diskutiert. Damit die nötigen Umbauarbeiten am Bad erfolgen können, braucht es einen Förderverein (wir berichteten). Denn auf eigenen Wunsch wird Braun seinen Vertrag nicht verlängern. „Ich hatte zweimal einen Fünf-Jahres-Vertrag. Vor zwei Jahren fragte mich der Bürgermeister, ob ich noch ein Jahr länger machen möchte. Vor einem Jahr der Erste Stadtrat. Daher ist das mit der Wehmut schon vorbei“, erzählt Braun. Damals stand schon die Idee einer Umgestaltung im Raum. Also hing Braun zwei Jahre dran, nun ist aber wirklich Schluss. „Es war eine lange Zeit. Das Verhältnis zur Stadt war immer sehr gut“, sagt er.

Bis zum Ende seiner Zeit in Bassum will sich der Franke noch von den Gästen verabschieden. Dann heißt es: Schlüssel abgeben. Wobei Braun skeptisch ist: „Die sind so alt, die will niemand mehr haben.“

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