Die Nadelei

Stich für Stich

Vor sechs Jahren hat Anja Wohlers aus Bassum mit „Die Nadelei“ angefangen. Seitdem näht und stickt sie Taschen, Hüllen, Adventskalender und fertigt Adventskränze. Sie ist ein Weihnachtsfan, wie sie zugibt.
04.05.2020, 16:34
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Stich für Stich
Von Tobias Denne
Stich für Stich

In ihrer Nähstube im Obergeschoss fertigt Anja Wohlers Hüllen, Taschen und während der Corona-Zeit auch Masken.

Vasil Dinev

Bassum. Angefangen, da muss Anja Wohlers ein wenig lachen, habe es damit, dass ihre Familie genug hatte. Genug Adventskränze. „Ich bin ein Weihnachtsfan“, gibt die Bassumerin zu. So standen überall im Haus verteilt selbst gebastelte Adventskränze, nur auf der Gästetoilette durfte keiner hin. Da kam das Veto der Familie. „Ich habe die Geschichte dann bei meiner Arbeit erzählt, und da meinte jemand, dass er gerne einen Kranz von mir hätte“, erzählt Wohlers von ihrem ersten Auftrag.

Seit rund sechs Jahren näht und stickt sie nun in ihrer Freizeit – nicht nur zur Weihnachtszeit. „Die Nadelei“, ihre Nähstube, befindet sich im ersten Geschoss, im ehemaligen Kinderzimmer der Tochter. Dort steht selbstverständlich nicht nur eine Nähmaschine. Nadel, Faden, Schablonen, Bücher zur Inspiration, Werkzeuge wie eine Stickmaschine hat Wohlers ebenfalls parat. Über die Jahre ist einiges hinzugekommen. „Ich spekuliere auf den Auszug meiner zweiten Tochter“, verrät Wohlers mit einem Schmunzeln. Das Zimmer liegt direkt neben ihrer Nähstube und würde die Raumsituation erleichtern. Die Ware, die sie anbietet, reicht dabei von Taschen, Handyhüllen über Schlüsselbänder bis hin zu Taschen für Make-up, Nähzeug oder Kabel. Auch Adventskalender hängen schon bereit, ein Nikolausstiefel findet sich. Weihnachten ist noch einige Monate hin, wenn das große Fest aber dann näher rückt, dann „nehme ich eine Woche Urlaub, höre Weihnachtsmusik, trinke Kakao und bastle 50 Adventskalender“, freut sich Wohlers, die nach einer Weihnachtsausstellung in Goldenstedt angefangen hat, zu nähen und ihre Arbeit zu erweitern.

Die Bassumerin probiere sich gerne aus, wie sie sagt. „Ich kriege ständig neue Ideen, bin im Fluss und frage mich, was ich noch machen kann.“ So schaut sie sich Youtube-Videos an, um die eine oder andere Technik zu lernen, oder um sich Inspiration zu holen. Oder ganz nach „Try and Error“ kann auch schon mal was daneben gehen. „Ich tüftle gerne herum, und manchmal fliegt auch etwas gegen die Wand“, sagt Wohlers. Am Ende, wenn alles geklappt hat, dann „ist es schön, wenn ein Werkstoff fertig ist“.

Ihre Ware verkauft Wohlers aber nicht nur online auf ihrer Website (www.die-nadelei.de), sondern auch bei „Von machen und tun“ im Viertel in Bremen, bei Papier und Tinte in Bassum und beim Dorfladen Vergissmeinnicht in Nordwohlde. Bei Ausstellungen ist Wohlers ebenfalls vertreten wie dem Bremer Wintermarkt in der Uni-Mensa. Wieder über einen Arbeitskollegen kam sie auf Idee, überhaupt ihre Ware regionalen Händlern anzubieten. „Es läuft gut“, sagt sie.

So kommt natürlich auch der Kontakt zu anderen zustande. „Wenn man ein bisschen in der Szene drin ist, dann kennt man sich. Der Austausch mit anderen Näherinnen ist toll“, sagt sie. Ideen und Wünsche ihrer Kunden versucht Wohles umzusetzen. „Eine Kundin ist riesiger Schalke-Fan“, beginnt Wohlers, die übrigens Anhängerin von Werder Bremen ist, zu erzählen. Sie bekomme einen Adventskranz in den – Schalker – Vereinsfarben. Eine andere Kundin etwa wollte eine Tasche mit einzelnen Fächern für ihre Strumpfhosen, damit sie perfekt sortiert sind. „Das habe ich auch nur einmal gemacht“, sagt Wohlers und lacht.

Ansonsten ist sie stolz darauf, dass ihre Werke deutschlandweit gekauft werden. Auch ins Ausland, nach Luxemburg, ging mal ein Paket. Sie freut sich. „Ich habe Schneiderin ja gar nicht gelernt“, sagt Wohlers, die neuerdings Masken näht.

Innerhalb von wenigen Tagen fertigte die Bassumerin 170 Stück. „Meine Tochter hat geholfen, sie wurde zwangsverpflichtet“, räumt Wohlers noch grinsend ein. Vom Stoff hat sie genug Auswahl. In einer Kommode bewahrt sie ihr Material auf. Ganz besonders gefallen ihr Stoffe aus Großbritannien. „Wenn wir in ein anderes Land reisen, dann kaufe ich dort auch ein“, berichtet Wohlers, die darauf setzt, ihre Ware plastikfrei zu verschicken. Die Materialien für Adventskränze sammelt sie selbst, im Wald etwa. Was sie langsam suchen muss, sind Gummibänder, wie sie sagt. Nachbarn haben aber noch ein paar herausgekramt, sodass die Maskenproduktion weitergehen kann. „Jahrelang lagen sie irgendwo rum, jetzt werden sie gebraucht wie verrückt.“

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