Jazz und Luther Die zentralen Fragen diskutieren

Jazz und Luther - so heißt der Reformationsgottesdienst in Bassum. Für die Musik sorgt School House Seven. Für die Worte hat Pastor Wiardus Straatmann zwei interessante Gäste eingeladen.
25.10.2019, 09:51
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Von Ivonne Wolfgramm

Bassum. Eine Andacht der besonderen Art und dabei auch noch wichtige Fragen der Gesellschaft debattieren – dafür hat der Reformationsgottesdienst in der Bassumer Stiftkirche in der Vergangenheit bereits eine gute Gelegenheit geboten. Und das soll auch in diesem Jahr fortgeführt werden, natürlich am 31. Oktober, der in diesem Jahr auf einen Donnerstag fällt.

„Reformation neu feiern, lautet das Stichwort“, sagt Pastor Wiardus Straatmann, „aber nicht als Luthergedenktag, wie es früher der Fall war.“ Ganz im Gegenteil sogar, denn an diesem Tag soll das Nachdenken über Kirche und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Daher trägt dieser Gottesdienst in der Stiftskirche auch den Titel „Armut und Klimagerechtigkeit“ und beschäftigt sich mit zwei der derzeit wohl wichtigsten und meistdiskutierten Fragen der Politik und auch Gesellschaft. Um diese Themen ausführlich diskutieren zu können, hat Straatmann gleich zwei Gesprächspartner für den Regionalgottesdienst gewinnen können. Pastorin Jutta Bartling aus Bremen spricht mit den Besuchern der Stiftskirche über das Thema Armut, die Bassumerin Anja Cavazos, Mitglied des Klima-Aktions-Bündnisses thematisiert die Klimagerechtigkeit. Für die musikalische Untermalung ist auch dieses Mal wieder die Jazz-Band School House Seven zuständig.

Armut war schon zu Luthers Zeiten ein großes Thema, weiß die Bremer Pastorin Jutta Bartling. Und noch heute ist es nicht weniger aktuell. Als Betreuerin des Sonntagstreffs in Bremen, zu dem Wohnungslose und von Armut Betroffene Menschen kommen, erlebt sie die Schicksale der Menschen hautnah. „In der Gesprächsrunde möchte ich auch einige Beispiele aus meinem Arbeitsalltag nennen“, sagt die ehemalige Seemannspastorin, „zum Beispiel von einem Bauunternehmer, der durch einen Hirntumor in die Armut gefallen ist.“ Ebenso beschäftige sich das Neue Testament viel mit Essen und Hunger, Armut und Krankheit, was Bartling ebenfalls zum Gesprächsthema an dem Donnerstagvormittag machen möchte.

Reformation und Klimagerechtigkeit sind für Cavazos kein Widerspruch, beide Themen passen ihrer Meinung nach sogar sehr gut zusammen. „Reformation bedeutet ja auch Erneuerung. Und wir sind jetzt aufgefordert, unsere Gewohnheiten umzudenken und zu verändern“, sagt sie. Beruflich arbeitet die Bassumerin im Bereich Abfallmanagement und Recycling einer großen Entsorgungsfirma, als Teil des Klima-Aktions-Bündnisses setzt sie sich für Nachhaltigkeit ein. Aus ihren vielfältigen Tätigkeiten weiß Cavazos, dass es schwierig ist, in Sachen Nachhaltigkeit Bewegung in die Gesellschaft zu bringen. Sie sagt aber auch: „Je mehr Menschen sich einbringen, desto eher kann man gehbare Wege bestreiten.“ Ihr Beitrag zum Reformationsgottesdienst soll daher auch keine Panik in Bezug auf Klimakatastrophe und Klimawandel schüren. Die junge Frau wünscht sich einen offenen Dialog mit den Besuchern. Vielleicht ergeben sich in der gemeinsamen Diskussion sogar Lösungsversuche oder -ansätze. „Die Angst vor den anstehenden Veränderungen bringt auch Hass und Hetze mit sich. Das macht es schwer, gemeinsam einen Weg zu finden“, weiß Cavazos. Dazu passe auch die Liederauswahl, die die Jazz-Band für den Vormittag in der Stiftskirche vorbereitet hat, berichtet Bernd Sagell, der Mann am Mikrofon und am Banjo. „Im Lied ‚I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free‘ heißt es sinngemäß: ‚Ich könnte etwas Neues beginnen‘.“

Der Regionalgottesdienst Jazz und Luther findet am Donnerstag, 31. Oktober, ab 11 Uhr in der Stiftskirche Bassum, Stift 6, statt. Im Anschluss an den Gottesdienst findet ein Frühschoppen statt, sagt Pastor Straatmann.

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