Kunstrasenplatz Bassum

Doch kein Kunstrasenplatz

Der Rat der Stadt Bassum hat den Kunstrasenplatz gekippt. Damit ist rund zwei Monate, nachdem die Mitglieder grünes Licht für das Projekt gegeben haben, die Umwandlung des Naturrasenplatzes vom Tisch.
31.08.2019, 10:13
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Doch kein Kunstrasenplatz
Von Tobias Denne
Doch kein Kunstrasenplatz

Lange wurde über die Umwandlung des Naturrasenplatzes "B" diskutiert. Der Rat hatte im Juni schon grünes Licht gegeben. Neue Umstände änderten aber alles.

Vasil Dinev

Bassum. Es war ein Paukenschlag ohne Pauken. Der Antrag auf Bezuschussung beim Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) wird nun doch nicht gestellt und alles bleibt erst einmal, wie es ist. Mit 19:4 Stimmen bei einer Enthaltung stimmten die Mitglieder des Bassumer Stadtrates in ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstagabend genau dafür, dass kein Antrag gestellt werden soll. Das bedeutet: Die Umwandlung des Naturrasenplatzes „B“ in einen Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage ist vom Tisch – und das rund zwei Monate, nachdem die Mitglieder grünes Licht für das umstrittene Projekt gegeben hatten.

Dafür fiel die Reaktion verhalten aus im evangelischen Gemeindehaus. Stein des Anstoßes war, dass die Gesamtkosten für die Umwandlung nicht – wie ursprünglich angedacht – durch 63 Prozent, sondern durch maximal 53 Prozent gegenfinanziert werden kann. Da der Förderhöchstsatz durch die Steuereinnahmekraft im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre festgesetzt wird, ergibt sich für Bassum eine geringere Förderung. Das bedeutet, dass auf die Stadt rund 74 000 Euro mehr aufbringen müsste (wir berichteten). Die Verwaltung schlug dennoch vor, die Finanzlücke mit städtischen Mitteln zu schließen. „Vielleicht können sich die Sportvereine beteiligen, aber was dabei herauskommt, das ist fraglich“, führte Norbert Lyko, Bassums Erster Stadtrat, aus und machte zu Anfang die unsichere Finanzierung deutlich.

Bereits bei den ersten Beiträgen der Ratsmitglieder zeigte sich, dass sich die Vorzeichen und auch die Stimmung bei dem einen oder anderen geändert hatte. Stimmten im Juni noch 15 Mitglieder (13 dagegen, zwei Enthaltungen) für einen Kunstrasenplatz, wurde im Verlauf der Diskussion klar, dass dieser Beschluss von vor zwei Monaten wieder gekippt werden könnte. Auch Cathleen Schorling von den Christdemokraten hatte durch die neuen Umstände ihre Einstellung überdacht: „Es ist ein schwieriges Thema. Aber ich habe meine Meinung durch die höheren Kosten geändert.“ Gleichzeitig habe sie durch Gespräche mit Fußballern herausgefunden, dass gerade die Lösung mit einer Sandverfüllung nicht optimal für die Sportler sei. „Die würden den Platz nur ungern bespielen. Die Verletzungsgefahr ist zu hoch“, sagte sie.

Die Gegner des umstrittenen Projekts sahen durch die höheren Kosten ihren Standpunkt untermauert. „So ein Platz ist einfach aus der Zeit gefallen. Die Stadt muss die 75 000 Euro tragen. Unter diesen Bedingungen stimmen wir erst recht nicht zu“, kündigte Jürgen Falck vom Bürger-Block an. Als weiteres Argument gegen die Umwandlung des Naturrasenplatzes sah er die ökologische Diskussion in der Bevölkerung.

Trotz des schwierigen Themas sorgte Christoph Lanzendörfer, Fraktionsvorsitzender der SPD, für einen kleinen Schmunzler zwischendurch: „Uns sind die Kosten egal“, versicherte er. In aller Grundsätzlichkeit sei die Fraktion gegen das Kunstrasenprojekt.

Hans-Hagen Böhringer von der CDU („Jeder Einzelne muss die Entscheidung für sich treffen“) und Rainer Hartmann (Grüne) plädierten noch für die Änderung des Projektierungsbeschlusses. „Die Entscheidung fällt nicht leicht, aber an der Grundsätzlichkeit im sozialen Bereich hat sich nichts geändert“, sagte Letzterer. Bassums Bürgermeister Christian Porsch ließ den Beschlussvorschlag um einen Punkt erweitern, sodass die Mitglieder zunächst darüber abstimmen mussten, ob die Gegenfinanzierung von 53 Prozent im Haushalt veranschlagt wird, und – falls das abgelehnt wird – der Antrag dann nicht beim Amt für regionale Landesentwicklung gestellt wird. „Wenn die Mittel nicht zur Verfügung gestellt werden, dann haben wir nur eine geringe Aussicht auf Erfolg. Man sollte dann unnötige Arbeit vermeiden, weil die Gegenfinanzierung zu unsicher ist“, erklärte Porsch seinen Vorschlag.

So kam es letztlich auch. 19 Mitglieder stimmten dafür, den Antrag auf Bezuschussung beim Amt für regionale Landesentwicklung nicht zu stellen. Bassum bekommt vorerst keinen Kunstrasenplatz.

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